Das Kreuzchen gemacht: Die Juniorwähler in Iffezheim geben nach einer Unterrichtseinheit zum Thema Europawahl ihre Stimme ab. Die Ergebnisse werden im Internet veröffentlicht.
Das Kreuzchen gemacht: Die Juniorwähler in Iffezheim geben nach einer Unterrichtseinheit zum Thema Europawahl ihre Stimme ab. Die Ergebnisse werden im Internet veröffentlicht. | Foto: Holbein

Teilnahme an der Juniorwahl

Bundesweites Schulprojekt zur Europawahl an der Maria-Gress-Schule in Iffezheim

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In Finnland haben am Mittwoch die Wahllokale für die Europawahl geöffnet, in Iffezheim war es am Donnerstag soweit: Im Wahllokal, eingerichtet in der Sporthalle, sitzen Kevin, Stella und Alessia bereit, um die Wahlbenachrichtigung und den Ausweis mit dem Wählerverzeichnis abzugleichen. Erst dann gibt es den Stimmzettel, mit dem die Juniorwähler in einer der beiden Kabinen verschwinden. Die meisten haben ihr Kreuzchen schnell gemacht, falten den Bogen zusammen und stecken ihn unter den Blicken von Finn in die verplombte Wahlurne.

Von unserer Mitarbeiterin Martina Holbein

Es ist alles wie bei einer regulären Wahl, doch tatsächlich nahmen die Schüler aus den Jahrgangsstufen neun und zehn der Maria-Gress-Schule Iffezheim an der Juniorwahl zur Europawahl teil. Seit 20 Jahren gibt es dieses bundesweite Projekt, das junge Leute für Politik begeistern will, in dem die Schüler sich erst mit den Programmen der Parteien auseinandersetzen und zum Abschluss eine Wahl unter echten Bedingungen organisieren.

Impuls zur Juniorwahl

EWG-Fachschaftsleiterin (Erdkunde-Wirtschaft-Gemeinschaftskunde) Julia Staudt nahm den Impuls von Schulleiter Carsten Bangert begeistert auf und meldete die Schule an. „Gerade für uns als Werkreal- und Realschule ist die Teilnahme an solch einem Projekt sinnvoll und wichtig, da wir Schüler aus den verschiedenen Milieus in den Klassen haben“. Ein weiterer Punkt sei, dass einige nach den Prüfungen in die Ausbildung gehen, also im alltäglichen Leben stehen.

Schüler lernen Ablauf kennen

Das Interesse an Politik sei zu Beginn der Unterrichtseinheit, die dem Urnengang vorausging, recht gering gewesen. Nur rudimentäre Kenntnisse waren über den Wahlvorgang selbst vorhanden. „Das Projekt hat mich noch einmal bestärkt, auf jeden Fall bei den Kommunalwahlen wählen zu gehen“, sagt die 16-jährige Alessia, die sich wie ihre sechs Kollegen freiwillig als Wahlhelfer meldete und – da das Interesse an den organisatorischen Posten so groß war – von ihrer Klasse gewählt wurde.

Selbstbewusstsein steigt

„Da ich jetzt weiß, wie das abläuft, kann ich selbstbewusst in das Wahllokal gehen“ ergänzt Kevin, der mit seinen 16 Jahren ebenfalls an den Kommunalwahlen teilnehmen darf. Sie haben die Wahlbenachrichtigungen für jeden einzelnen Schüler geschrieben, haben die Wählerlisten angelegt, die Wahlkabinen, die Wahlurne aufgestellt und instruierten die Juniorwähler über das Prozedere.

Maria-Gress-Schule lehrt Europawahl

Julia Staudt ist stolz, dass die Maria-Gress-Schule als eine von 314 Schulen in Baden-Württemberg ausgewählt wurde, immerhin kamen 52 nicht zum Zuge. Das Paket, das 250 Euro kostet – dazu gehörte auch eine Fortbildung für Julia Staudt und Unterrichtsmaterial für sie und ihre fünf Fachlehrer-Kollegen – stellt der Trägerverein Kumulus zur Verfügung, der unter anderen vom Deutschen Bundestag, vom Europäischen Parlament, sowie der Bundeszentrale und den Landeszentralen für politische Bildung finanziert wird.

Erstwähler werden mehr

Die Iffezheimer Schüler sind damit Teil der mehr als eine halbe Million Schüler in Deutschland, die als künftige Erstwähler angesprochen werden. Dass das Projekt erfolgreich ist, das belegen die neun Prozent Steigerung bei den Erstwählern. Doch damit allein ist es nicht getan: Die jungen Leute informierten sich über die Parteiprogramme, diskutierten, erstellten Plakate, die in der Schule aushängen und auch von den jüngeren Klassen neugierig als Diskussionsgrundlage verwendet werden.

Anstöße zur politischen Auseinandersetzung.

„Die Schüler sind auch Multiplikatoren“, sagt Julia Staudt. „Sie tragen den Wunsch, zur Wahl zu gehen, in ihre Familien und sorgen damit für Anstöße zur politischen Auseinandersetzung“. Am Tag nach der Wahl zählen die Wahlhelfer die Stimmen aus und melden das Ergebnis nach Berlin. Bis zum 26. Mai, 18 Uhr, müssen sie stillhalten. Dann werden die Ergebnisse der Juniorwahl im Internet veröffentlicht.