Spontane Alternativen zu Bahn, Bus und Fahrrad stellt das Unternehmen Stadtmobil an vier Stationen in Rastatt bereit. Mitglieder können sich bei Bedarf ein Auto buchen, es per Zugangskarte entsperren und nur so lange nutzen, wie sie es auch tatsächlich brauchen.
Spontane Alternativen zu Bahn, Bus und Fahrrad stellt das Unternehmen Stadtmobil an vier Stationen in Rastatt bereit. Mitglieder können sich bei Bedarf ein Auto buchen, es per Zugangskarte entsperren und nur so lange nutzen, wie sie es auch tatsächlich brauchen. | Foto: Collet

Das geteilte Auto

Carsharing bewegt Bürger im Landkreis Rastatt

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Der Bus fährt das Ziel nicht an, der Einkauf wird etwas größer als üblich oder der Regen macht Fahrradfahren zu einer Tortur: In manchen Situationen ist ein Auto eben doch ganz praktisch. In Rastatt und Durmersheim können Bürger spontan zum Handy greifen und sich ein Auto buchen. Carsharing heißt die Lösung, die das Unternehmen Stadtmobil auch im Landkreis verbreitet.

„Das Modell wird an beiden Standorten bislang gut angenommen, in dem kleinen Rahmen, in dem es vorhanden ist“, erklärt Anja Orth, Sprecherin von Stadtmobil. „Wir rechnen eher damit, dass der Bedarf noch steigt.“

Drei Standorte in Durmersheim

Erst Anfang August richtete der Mietwagen-Anbieter eine neue Station in Durmersheim auf einem Parkplatz an der Hauptstraße 74 ein – „Die Dritte, alle mit je einem Fahrzeug“, sagt Orth. „Es ist schwer, in kleineren Gemeinden den Anfang zu machen“, betont sie. „Um das Angebot für uns jedoch wirtschaftlich zu betreiben, gehört viel Engagement von deren Seite dazu.“

Carsharing ist außerdem wirtschaftlich und umweltfreundlich.

Stadtmobil stellt an festgelegten Standorten Fahrzeuge unterschiedlicher Größe zur Verfügung, die Mitglieder per App oder im Internet buchen können. Per Zugangskarte an der Frontscheibe entsperren sie das Auto, im Inneren liegt der Schlüssel bereit. Geringere Kosten, Entlastung der Umwelt und höhere Flexibilität nennt das Unternehmen selbst als Vorteile. Gründe, die auch das Landratsamt Rastatt dazu bewegen, das Angebot zu nutzen, wie eine Sprecherin erklärt. „Die Fahrzeuge sind verfügbar und besser ausgelastet. Carsharing ist außerdem wirtschaftlich und umweltfreundlich“, ergänzt sie.

Verwaltungen nutzen Carsharing

„Durmersheim ist sehr engagiert bezüglich Carsharing und nutzt die Autos sogar selbst intensiv für ihre Mitarbeiter“, erklärt Orth. Direkt vor dem Rathaus liegt eine weitere Stadtmobil-Station, eine dritte befindet sich auf dem Raiffeisenplatz. Mittlerweile seien auch einige Durmersheimer Bürger angemeldet. Das wiederum ergänze sich gut mit den Buchungen der Verwaltung und mache das Angebot wirtschaftlich, so Orth.

Auf lange Sicht müssen wir umstellen.

Bereits 2007 initiierte die Gemeinde Durmersheim den ersten Standort von Stadtmobil. „Um wirtschaftliche Sicherheit zu garantieren, haben wir uns als Ankermieter eingetragen“, erklärt Bürgermeister Andreas Augustin. Montag bis Freitag zwischen etwa sieben und 17 Uhr ist das Auto vor dem Rathaus für die Verwaltung reserviert, anschließend sowie am Wochenende ist es frei buchbar. „Uns war schon früh klar, dass wir so nicht weitermachen können“, sagt Augustin. „Das private Auto hat in kleinen Gemeinden sicher noch länger eine Zukunft als in Großstädten“, ergänzt er. Bus und Bahn seien dort besser getaktet. „Aber auf lange Sicht müssen wir umstellen.“ So sei man derzeit bereits an den Planungen für eine weitere Carsharing-Station – diesmal in Würmersheim mit einem E-Auto.

Ländlicher Raum ist schwerer zu versorgen

„Im ländlichen Raum ist das Carsharing-Modell oft schwierig“, erklärt die Sprecherin. Die Fahrzeuge würden so zentral wie möglich für eine Gruppe an Bewohnern platziert. Die Bevölkerungsdichte sei in kleinen Gemeinden jedoch nicht so hoch wie in den Städten. Infolgedessen stünden die Autos nicht immer in unmittelbarer Nähe zur Verfügung. „Wir können nicht jedem ein Fahrzeug vor die Haustür stellen“, betont Orth.

Das Problem ist oft, geeignete Standorte zu finden.

In Rastatt haben Stadtmobil-Teilnehmer an vier Orten Zugriff auf insgesamt zehn Autos: beim Landratsamt, in der Lyzeumstraße, in der Engelstraße sowie an der Badner Halle. „Wir begrüßen alles, was zu einem umweltverträglicheren Verkehr beiträgt“, betont eine Sprecherin der Stadt Rastatt. „Wenn die Nachfrage steigt, können wir relativ kurzfristig reagieren und weitere Autos dazustellen“, erklärt Orth. „Das Problem ist oft, geeignete Standorte zu finden“, sagt sie. Reservierte Stellplätze gäben den Nutzern Sicherheit, das Auto genau dort zu finden. Freie Stellplätze verpflichten den Nutzer lediglich dazu, das Fahrzeug in einem bestimmten Umkreis zu parken. „Da sind die Gemeinden und Städte gefragt, Stellplätze zu ermöglichen.“

Besonders in Großstädten besitzen längst nicht mehr alle Menschen mit Führerschein ein eigenes Auto. Beim Carsharing – übersetzt etwa „Auto teilen“ – nutzen mehrere Personen ein Fahrzeug und buchen es nur dann, wenn sie es benötigen. Zu einem der bekanntesten Anbieter zählt Stadtmobil. Neben einer einmaligen Aufnahmegebühr zahlen die Teilnehmer einen Monatsbeitrag sowie für die gefahrenen Kilometer und die Zeit. Kosten wie Steuer, Versicherung, Wartung, Reifen und Benzin entfallen.