Akribie in Fernost: Eismeister Joachim Fritz aus Iffezheim bereitet im zentralchinesischen Xining den Untergrund für ein inter- nationales Curling-Turnier vor. | Foto: pr

Trip nach Sibirien steht an

Dieser Mann aus Iffezheim präpariert Eisbahnen für Curler – weltweit

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Wenn die weltbesten Curler bei internationalen Turnieren antreten, ist für Joachim Fritz die meiste Arbeit erledigt. Der 65-Jährige aus Iffezheim bringt als Eismeister die Spielbahnen in einen optimalen Zustand. Aktuell ist der Rentner in Sibirien tätig.

Seit Anfang des Jahres ist Joachim Fritz Rentner, von Ruhestand kann im Fall des Iffezheimers jedoch keine Rede sein. Der 65-Jährige ist weltweit einer der fähigsten Experten, wenn es um die Anlage von Curling-Bahnen geht.

Als Eismeister präpariert der bis vor wenigen Wochen im Landratsamt Rastatt tätige Fritz nicht nur die als Rinks bezeichneten Spielflächen in der Eisarena am Baden-Airpark in Hügelsheim, sondern reist auch regelmäßig um den Globus.

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Curling-Trip nach Sibirien

In diesen Tagen führt ihn sein Curling-Trip nach Sibirien – am Donnerstag startete er Richtung Moskau, dann ging es weiter nach Krasnojarsk. In der mit knapp einer Million Einwohnern drittgrößten Stadt Sibiriens steht vom 15. bis 22. Februar die Junioren-WM auf dem Terminplan.

Das ist alles Handarbeit

Bevor die Athleten – darunter auch das deutsche Team mit den Rastattern Sixten Totzek, Jan-Luca Haag und Klaudius Harsch – um die Medaillen kämpfen, wartet auf Fritz ein stressiges Programm. „Das ist alles Handarbeit“, sagt der Fachmann zum aufwendigen Prozess, an dessen Ende ein optimaler Untergrund für die gleitenden Granitsteine steht.

160 Werbeflächen in Estland

Man könne davon ausgehen, dass das Eis perfekt ist, sagte der aus Sinzheim stammende Marc Muskatewitz vor seiner Premiere als Kapitän der deutschen Auswahl bei der Europameisterschaft 2018 in Tallinn – im Wissen, dass Joachim Fritz von den Organisatoren engagiert worden war.

Dort war der Aufwand besonders groß, weil rund 160 Werbeflächen in die insgesamt sechs Bahnen eingearbeitet werden mussten, erinnert sich Fritz an die anstrengenden Tage in Estlands Hauptstadt.

36 Stunden ohne Pause auf dem Eis

Unmittelbar vor Beginn der Wettbewerbe steigt der Druck, denn schließlich muss alles rechtzeitig fertig sein – nicht zuletzt TV-Übertragungen lassen keinen Aufschub zu. „Da machst du kein Auge zu, stehst manchmal 36 Stunden ohne Pause auf dem Eis. Das ist brutal anstrengend“, berichtet Fritz.

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Laufstrecke zwischen 150 und 200 Kilometer

Einmal hat der gelernte Maurer und spätere Bautechniker grob hochgerechnet, welche Strecke er vor und während eines großen Turniers zu Fuß zurücklegt: Zwischen 150 und 200 Kilometer – deutlich mehr als die Athleten beim Wettkampf.

In Sotschi neben Bach und Putin

Strapazen, die der leidenschaftliche Curler („Es ist wichtig, dass du als Eismeister selbst Curling spielst“) gerne in Kauf nimmt. Lohn sind neben dem Lob der Sportler auch unvergessliche Momente sowie Kontakte mit elitären Kreisen. Bei den Winter-Paralympics in Sotschi 2014 etwa saß er bei der Eröffnungsfeier auf der Tribüne in der Nähe von IOC-Chef Thomas Bach und Russlands Präsident Wladimir Putin.

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Defekt mitten in der Nacht

Dass nicht immer alles rund läuft, erläutert Fritz anhand einer Anekdote von den Youth Olympics in Innsbruck 2012. Mitten in der Nacht klingelte sein Handy, nachdem ein technischer Defekt die bereits fertige Anlage lahmgelegt hatte. Trotz der Soforthilfe fiel am nächsten Morgen die erste Runde wortwörtlich ins Wasser.

Aufbauarbeit in China

Vor besonderen Herausforderungen stand Fritz auch Ende 2019. Bereits zum dritten Mal weilte er in China, um im zentral gelegenen Xining die Bahnen für ein hoch dotiertes Einladungsturnier vorzubereiten – mit unerfahrenen Helfern an seiner Seite.

„Die Luftfeuchte von 25 Prozent dort ist gut fürs Eismachen“, sagt Fritz, der nun in Sibirien nicht mit diesem Vorzug arbeiten kann. In Krasnojarsk liegt die Luftfeuchtigkeit derzeit bei fast 90 Prozent.