Die Gehwege stehen voll: Die Müllmengen sind während der Corona-Krise gestiegen. Auch bei der grünen Tonne, vor allem aber beim Sperrmüll
Die Gehwege stehen voll: Die Müllmengen sind während der Corona-Krise gestiegen. Auch bei der grünen Tonne, vor allem aber beim Sperrmüll | Foto: Collet

Personal wird ausgeliehen

„Exorbitant“: Entsorgungsbetriebe kämpfen in Corona-Krise gegen Spermüll im Landkreis Rastatt

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Durchgesessene Couchgarnituren, alte Küchenschränke, defekte Waschmaschinen: Wo in „normalen Zeiten“ sieben Fahrzeuge den Sperrmüll von den Gehwegen sammeln, sind im Landkreis Rastatt jetzt elf unterwegs. „Die Menge ist exorbitant in die Höhe geschnellt. Damit haben wir richtig zu kämpfen“, berichtet Kathrin Gerber-Schaufler, Geschäftsführerin der Mittelbadischen Entsorgungs- und Recyclingbetriebe (Merb) in Achern.

Von unserem Redaktionsmitglied Catrin Dederichs

Bei allen häuslichen Mülltonnen hingegen sei das Volumen durch die Corona-Krise lediglich „etwas mehr“ als zuvor. Das Unternehmen hatte die Sperrmüllabfuhr zeitweise wegen Corona eingestellt. Seit dem 3. April können die Bürger im Landkreis die Entsorger aber wieder beauftragen. Und das machen offensichtlich zahlreiche Menschen.

Die Abholung der vielen ausgedienten Möbel und Elektrogeräte stellt die Entsorgungsbetriebe vor Herausforderungen. Erstens, weil die Anzahl an Fahrzeugen begrenzt ist, und zweitens auch die der Mitarbeiter. Doch die Firma Merb weiß sich zu helfen.

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„In unserer Schwestersparte für Gewerbe- und Industriemüll sind die Mengen rückläufig. Von dort ,leihen‘ wir uns Personal“, sagt Gerber-Schaufler. Wegen Corona selbst meldet das Unternehmen keine personellen Engpässe. Bis dato sei niemand positiv getestet, erzählt die Geschäftsführerin.

Müllentsorgung zählt in Corona-Krise zum systemrelevanten Bereich

Auch geschlossene Kindergärten und Schulen würden sich kaum auswirken. „Das Thema Kinderbetreuung merken wir nicht so, weil wir sehr männerlastig sind.“ Zudem fällt die Müllentsorgung unter die sogenannten systemrelevanten Berufe. „Unsere Mitarbeiter haben deshalb unter Umständen Anspruch auf Notbetreuung“, informiert Gerber-Schaufler.

Um Ansteckung bei der Arbeit zu vermeiden, krempelt das Unternehmen intern einige Abläufe um. Unter anderem habe es sämtliche Sozialräume geschlossen und anstelle einer persönlichen Übergabe von Unterlagen und Schlüsseln teilweise Fächer eingerichtet. „Ferner bitten wir die Leute, fertig angezogen zur Arbeit zu kommen und so auch wieder nach Hause zu fahren“, sagt die Chefin.

Nach Möglichkeit schicke sie zudem stets dieselben Teams von Fahrer und Müllwerker los, damit wenig unterschiedliche Kontakte entstehen. Auf den Wagen selbst gebe es dann genügend Abstand, versichert sie. Die Stimmung innerhalb der Mannschaft sei trotz der Mehrarbeit nach wie vor sehr gut.

Jetzt in der Corona-Krise misten die Leute aus.

Kathrin Gerber-Schaufler, Geschäftsführerin der Mittelbadischen Entsorgungs- und Recyclingbetriebe (Merb)

„Gott sei Dank sind die Mitarbeiter hoch motiviert und mit vollem Einsatz bei der Sache. Darüber freuen wir uns riesig“, informiert die Chefin.

Bleibt zuletzt die Frage: Warum eigentlich stellen die Menschen derzeit so eifrig ihren Sperrmüll vor die Tür? Die Merb-Geschäftsführerin vermutet zwei Ursachen. „Jetzt in der Corona-Krise misten die Leute aus. Außerdem waren die Wertstoffhöfe wochenlang geschlossen, sodass die Menschen den Müll nicht selbst entsorgen konnten.“