Ortstermin: Umweltminister Franz Untersteller (links) und Eva Bell, Präsidentin der LUBW, bewundern einen Laubfrosch als Beispiel für erfolgreichen Artenschutz im Ried.
Ortstermin: Umweltminister Franz Untersteller (links) und Eva Bell, Präsidentin der LUBW, bewundern einen Laubfrosch als Beispiel für erfolgreichen Artenschutz im Ried. | Foto: Klatt

Artenschutz

Minister Untersteller besucht Froschkonzert im Rastatter Ried

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Eigentlich war es kein Wetter für ein Froschkonzert, aber ein paar unerschrockene Vertreter quakten trotz kühler Witterung im Naturschutzgebiet Rastatter Ried, das geprägt ist durch eine Fülle verschiedener Lebensräume. „Baden-Württemberg hat eine besondere Verantwortung für die Amphibien, denn 19 der 20 Arten kommen hier vor“, betonte Umweltminister Franz Untersteller, der sich im Ried mit eigenen Ohren von der erfolgreichen Naturschutzarbeit überzeugen konnte.

Von unserer Mitarbeiterin Patricia Klatt

Die biologische Vielfalt zu schützen, sei eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben für die Menschheit, so der Minister, und auch eine Überlebensfrage für uns alle. Der bekannte Rückgang der Insekten habe selbstverständlich auch Auswirkungen auf andere Tierarten wie die Vögel oder eben die Amphibien, denen dann die Nahrungsgrundlage fehlen würde.

Investition in Trendwende

„Noch ist es aber für eine Trendwende nicht zu spät“, zeigte sich Untersteller überzeugt. Das Land habe die Naturschutzmittel von 30 auf 90 Millionen Euro bis 2021 erhöht und vor rund eineinhalb Jahren das Sonderprogramm zur Erhöhung der biologischen Vielfalt verabschiedet. Daraus investiere man in diesem und dem vergangenen Jahr alleine 36 Millionen Euro zum Erhalt der Artenvielfalt.

Man braucht ein begleitendes Monitoring.

Dabei sei es zum einen wichtig, die Lebensbedingungen zu verbessern, aber „Naturschutz kann nur gelingen, wenn man die Maßnahmen auch kontrolliert, deswegen braucht man ein begleitendes Monitoring“, so Untersteller. Er dankte dafür allen ehren- und hauptamtlichen Unterstützern.

Arten werden kartiert

Die Kartierungen der Arten wie Laubfrosch, Gelbbauchunke, Knoblauchkröte oder Kammmolch liefern die Basis für die Arbeit, „dafür gibt es zwei Kartierungsprogramme“, erläuterte Eva Bell, die Präsidentin der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW). Das sei die landesweite Artenkartierung (LAK) und das landesweite Arten-Stichproben-Monitoring (LASMo), beide werden von der LUBW koordiniert.

Unterstützung notwendig

Seit 2014 wird mit der Kartierung untersucht, wo welche Amphibien- und Reptilienarten noch vorkommen, der erste landesweite Durchgang ist bald abgeschlossen. „Das ist ohne die Unterstützung der Naturschutzverbände und der vielen ehrenamtlichen Helfer sowie des Naturkundemuseums in Stuttgart aber gar nicht möglich“, bedankte sich auch Eva Bell ausdrücklich. Bei dem LASMo, das in diesem Jahr beginnt, wird der Bestand von zehn Arten zusätzlich professionell erfasst.

Die Ansprüche sind von Art zu Art völlig unterschiedlich.

„Der Oberrhein ist ein Hotspot-Gebiet für die Amphibien“, betonte Michael Waitzmann, der Sachgebietsleiter Artenschutz der LUBW. Hier könne man 17 der 20 Arten beobachten. Es sei unabdingbar, neben den Laichgewässern auch die zugehörigen Landlebensräume der Tiere wie hier im Rastatter Ried zu schützen. „Die Ansprüche sind von Art zu Art völlig unterschiedlich, der Laubfrosch ist zum Beispiel ein Kletter- oder Baumfrosch, die Knoblauchkröte gräbt sich tagsüber ein und die Wechselkröte ist eine Offenland-liebende Art“, so Waitzmann.

Daten fließen in Rote Liste

Die bislang erfassten Daten, sind in die bundesweite neue Rote Liste eingeflossen, die in diesem Jahr erscheinen wird. Die Bestände des Laubfrosches haben sich am Oberrhein stabilisiert, die Knoblauchkröte hingegen ist am nördlichen Oberrhein eine absolute Rarität. Beide Arten konnten sich die Teilnehmer des Vor-Ort-Termines im Ried zunächst in Aquarien anschauen, bevor man anschließend an einem Tümpel im Gebiet das kleine Froschkonzert zu hören bekam

Drei Fragen zum Froschkonzert

Der Chef der Rastatter Stadtwerke, Olaf Kaspryk, über den Besuch des Umweltministers bei den Fröschen und dessen Weigerung, sich über PFC auszutauschen.

Olaf Kaspryk
Olaf Kaspryk | Foto: Hurst

Runder Tisch ist überfällig

Sie hatten um einen Termin beim Umweltminister gebeten, bei dem Sie über die Folgen der PFC-Belastung im Trinkwasser sprechen wollten. Haben Sie inzwischen einen Termin bekommen?

Kaspryk: Nein. Ein im Jahr 2018 in Aussicht gestellter Termin kam von Landesseite nicht zustande. Dafür bekamen wir im Januar 2019 einen Brief vom Ministerium, in dem den Stadtwerken Rastatt – die PFC aus dem Grundwasser filtern – vorgeworfen wird, sie würden aus der wasserrechtlichen Bewirtschaftungsplanung finanzielle Ansprüche ableiten wollen. Wir stellten in einem Schreiben an Minister Untersteller die Sachlage klar und baten erneut um ein Gespräch. Ohne Erfolg. Wir bitten um einen Runden Tisch in Rastatt, an dem alle Beteiligte mal über die Situation sich austauschen sollten.

Der Schutz der wichtigsten Ressource hat für mich ein anderes Gewicht.

Der Umweltminister war jetzt in Rastatt bei einem Froschkonzert in den Rheinauen. Wie finden Sie das?

Kaspryk: Jeder mag die Wichtigkeit Frösche zu Menschen selbst werten. Nur so viel: Der Umwelt gebührt Schutz; sie ist die Lebensgrundlage unserer Generation und die unserer Enkel. Artenschutz ist wichtig, auch der Schutz der Frösche. Der Schutz der wichtigsten Ressource, ja des wichtigsten Lebensmittels für uns Menschen, hat für mich allerdings ein anderes Gewicht.

Sind Amphibien nach Ihrem Kenntnisstand eigentlich auch mit PFC belastet?

Kaspryk: Ich weiß nicht, ob Amphibien untersucht wurden. Nach meiner Kenntnis werden Amphibien auch durch PFC geschädigt. Deshalb mein Appell für ein Gespräch mit allen Beteiligten: Behörden, Wasserversorger, Landwirte, Grundstückseigentümer, Pächter, Angler, Umweltschützer, Bürger, Verbraucher, Kommune, Land – die Liste ist nicht komplett. Wann gibt es einen Runden Tisch hier in Rastatt? Dies ist längst überfällig nach über sechs Jahren!