Die Glocken der Kirche St. Wendelin in Weisenbach wurden am Mittwoch mit Hilfe eines Autokrans vom Turm heruntergeholt.
Die Glocken der Kirche St. Wendelin in Weisenbach wurden am Mittwoch mit Hilfe eines Autokrans vom Turm heruntergeholt. | Foto: Körner

Spektakulärer Ausbau

Weisenbacher Kirchenglocken ziehen viele Blicke auf sich

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Passanten und Autofahrer in Weisenbach staunten am Mittwochvormittag nicht schlecht. An der St.-Wendelin-Kirche bot sich ihnen ein ungewöhnliches Bild: Mit dem Autokran wurde das Geläut aus dem rund 40 Meter hohen Glockenturm gehoben. Mehr als 50 Schaulustige verfolgten das Spektakel an der Ortsdurchfahrt und am alten Spritzenhaus, wo sie der Kirchenbauverein bei klirrender Kälte mit Kaffee und Würstchen versorgte.

Ihre Kameras und Handys richteten sie gespannt auf den Turm, während die fünf bronzenen Glocken mit einem Gewicht von 375 bis 1 655 Kilogramm nacheinander zu Boden gelassen wurden. Sie kehren voraussichtlich in vier Wochen an ihren angestammten Platz zurück. In der Zwischenzeit wird der alte Glockenstuhl erneuert.

Bereits 2012 Schwächen an der Konstruktion entdeckt

Bereits bei einer Turmbegehung im Jahr 2012 hatte der erzbischöfliche Glockeninspektor Johannes Wittekind Schwächen der bisherigen Konstruktion festgestellt. Nach seiner Einschätzung übertrug sie schädliche Schwingungen auf das Mauerwerk, die statische Probleme hätten auslösen können. Eine weitere Untersuchung durch einen Ingenieur ergab schließlich, dass der stählerne Glockenstuhl durch eine Halterung aus Eichenholz mit geringerem Querschnitt ersetzt werden muss. Nach Plan sollen die fünf Glocken, die bislang auf zwei Ebenen aufgehängt waren, nun auf drei Etagen übereinander angeordnet werden. Hinzu kommt der Einbau einer sicheren Treppe zur Turmbesteigung. Der bisherige Aufgang zur Aussichtsplattform glich einem alpinen Klettersteig.

Zur Sanierung des Glockenstuhls hob am Mittwoch ein Autokran das Geläut aus der St.-Wendelin-Kirche in Weisenbach.
Zur Sanierung des Glockenstuhls hob am Mittwoch ein Autokran das Geläut aus der St.-Wendelin-Kirche in Weisenbach. | Foto: Körner

Kosten von 240.000 Euro angesetzt

Ursprünglich waren für die Maßnahme im Haushaltsplan 200.000 Euro vorgesehen. Allerdings gelten seit Jahresbeginn neue Statik-Richtlinien. Demnach muss für die Befestigungsteile im Verbund mit dem Eichenholz ein spezieller Stahl verwendet werden, den die austretenden Holzsäuren nicht angreifen. „Die neuerste Kostenschätzung beläuft sich deshalb auf rund 240.000 Euro“, informiert Adi Marxer vom Kirchenbauverein. Die Finanzierung setze sich zu jeweils einem Drittel aus einem Zuschuss und einem Kredit des Erzbistum Freiburg sowie Haushaltsmitteln der Kirchengemeinde zusammen. Die Spenden des Fördervereins laufen in die Kredittilgung ein.

Um die größte Glocke mit einem Durchmesser von 1,38 Metern und mehr als 1,6 Tonnen Gewicht aus dem Gestühl zu bekommen, mussten Stücke der Schallöffnung und die Sandsteinmittelsäule entfernt werden. Auf Schienen wurden die Glocken vorsichtig aus dem Turm gefahren, ehe der Kran zugriff.

Früher wurden die Glocken mit Handwinde hochgezogen

Das Geläut der St.-Wendelin-Kirche in Weisenbach hat eine bewegte Geschichte hinter sich: In den Kriegswirren schmolzen die Nationalsozialisten die vier großen Glocken aus dem Jahr 1922 zur Waffenproduktion ein – nur die kleinste (375 Kilogramm) überlebte bis heute.

Als 1949 die übrigen Glocken neu gegossen und in den Turm eingebaut wurden, war einer schon dabei: Otmar Großmann, damals erst zehn Jahre alt, ließ sich seinerzeit auf der mächtigen Christusglocke ablichten. 70 Jahre später durfte Großmann am Mittwoch noch einmal auf sie klettern.

Und wieder entstand ein Erinnerungsfoto: „Die hänge ich nebeneinander auf“, kündigte er an. Bis heute erinnert sich der 80-jährige Weisenbacher an die beschwerlichen Arbeiten im Jahr 1949: „Damals wurden die Glocken noch mit der Handwinde hochgezogen. Das ging mindestens zehn Minuten.“