Eigenbau: Nabu-Referent Jochen Goedecke, Betriebsleiter Joachim Huber und Simon Schumacher vom Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer (von links) begutachteten die Brut-Röhre für den Steinkauz, die auf dem Huber-Hof installiert wird.
Eigenbau: Nabu-Referent Jochen Goedecke, Betriebsleiter Joachim Huber und Simon Schumacher vom Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer (von links) begutachteten die Brut-Röhre für den Steinkauz, die auf dem Huber-Hof installiert wird. | Foto: Collet

Pilotprojek

Huber-Hof in Iffezheim: Blühende Felder neben sprießenden Spargeln

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Blühende Wiesen, Grünstreifen und Totholzhaufen direkt neben ausgedehnten Erdbeer- und Spargelfeldern: Der Huber-Hof in Iffezheim gehört zum Pilotprojekt des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) und des Verbandes Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer (VSSE), in dem dokumentiert werden soll, dass sich Spargel- und Erdbeeranbau auf der einen und Naturschutz auf der anderen Seite keineswegs ausschließen.

Vor der Presse verteidigte Simon Schumacher, Geschäftsführer vom Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer, dabei auch den Einsatz von Spargelfolien: Hierdurch lasse sich der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln reduzieren, was auch im Interesse der Verbraucher liege. Zu den naturschutzfördernden Maßnahmen beim Spargelanbau zählt Schumacher etwa die Anlage von Grünstreifen zwischen den Folientunneln, um die Verlagerung von Nährstoffen in das Grundwasser zu vermindern und den Humusgehalt des Bodens zu erhöhen.

Vielfalt an Blühpflanzen

In wenigen Wochen sollen auf dem Huber-Hof auch die angelegten Blühsteifen mit einer breit gefächerten Vielfalt an Blühpflanzen ihre Pracht entfalten – möglichst das ganze Jahr über. Schumacher erwähnte auch die vorgesehenen Wurzelanalysen, womit die Landwirte erkennen könnten, dass möglicherweise durch reduzierte Stickstoffgaben ähnliche Ernteergebnisse zu erzielen wären und somit die Düngung reduziert werden könnte.

Huber-Hof als Ort für Tiere

Auch Nützlingshäuser und Nistmöglichkeiten für Wildbienen, Hummeln und Wespen sollen geschaffen werden, genauso wie Stein- oder Totholzhaufen für Reptilien und andere wärmeliebende Tierarten. Bei den Erdbeeren sei ferner etwa eine Begrünung zwischen den Foliengewächshäusern zur kontrollierten Versickerung des Regenwassers zu befürworten, genauso wie der Einsatz von nützlichen Insekten gegen tierische Schädlinge im Folientunnel.

Es ging darum, wie landwirtschaftliche Produktion und Naturschutz gemeinsam gut funktionieren.

Jochen Goedecke, Referent für Landwirtschaft beim Nabu, lobte die gute Zusammenarbeit mit den an dem Projekt beteiligten Landwirten: „Es gab sehr gute Gespräche und es ging darum, zu überlegen, wie landwirtschaftliche Produktion und Naturschutz gemeinsam gut funktionieren können.“

Huber-Hof macht Naturschutz

Joachim Huber, Betriebsleiter beim Huber-Hof, betonte die jahrelange gute Kooperation mit der Iffezheimer Initiativgruppe Naturschutz. 25 Nistkästen für Fledermäuse und Singvögel seien installiert worden. Huber lenkte den Blick stolz auf eine gemeinsam mit der Initiativgruppe aufwendig gebaute Brutröhre für den Steinkauz, die gar mit einem Marderschutz ausgestattet worden sei. Sechs Totholzhaufen seien in der Nähe der Äcker als Rückzugsorte aufgeschichtet worden. Klar sei, dass beim Blick auf den Naturschutz wirtschaftliche Einbußen im Rahmen des Tragbaren bleiben müssten.

Jede Art von Landwirtschaft ist ein Eingriff in die Natur.

Rolf Enderle, Betriebsleiter vom Erdbeerland Enderle aus Durmersheim, hob hervor, dass dieses Projekt bei ihm auf offene Ohren gestoßen sei. 200 Hektar umfasst sein Betrieb, davon zehn Prozent Sonderkulturen. Jede Art von Landwirtschaft sei ein Eingriff in die Natur, erklärte Enderle und deshalb sei es auch wichtig, einen Ausgleich zu schaffen. Wirtschaftliches Interesse und der Erhalt der Natur seien gleichermaßen von Bedeutung. Er verwies auf die Begrünung mit Weißklee zwischen seinen Folientunneln, der gerade für die Insekten sehr günstig sei.

Bilanz nach ein bis zwei Jahren

Florfliegen und Raubmilben würden, so Enderle, gegen tierische Schädlinge eingesetzt, wenn es aus produktionstechnischer Sicht sinnvoll sei. Enderle bekräftigte ebenfalls die Bedeutung der Grün- und Blühstreifen als Lebensraum für Insekten, die für die Bestäubung der Kulturpflanzen so wichtig seien. Nach ein bis zwei Jahren, so ist sich im Übrigen Jochen Goedecke mit den beteiligten Landwirten einig, soll eine erste Bilanz des Pilotprojektes gezogen werden.