Wölfe
Im Nordschwarzwald treibt sich offenbar ein zweiter Wolf herum: Das hat eine Kot-Analyse des Senckenberg-Instituts ergeben. | Foto: Carsten Rehder

Gründen sie ein Rudel?

Kot-Probe bestätigt: Zweiter Wolf im Nordschwarz­wald

Anzeige

Im Nordschwarzwald treibt sich offenbar ein zweiter Wolf herum: Das hat eine Kot-Analyse des Senckenberg-Instituts ergeben.

Wie die Forschungseinrichtung in Frankfurt am Main mitteilt, habe die Untersuchung einer Kot-Probe, die Ende September in Forbach gefunden worden war, den Aufenthalt eines zweiten Wolfs – zumindest zum Zeitpunkt des Funds vor zwei Monaten – bestätigt.

Nur durchgezogen oder noch da?

Die DNA des Tiers sei in der Region noch nicht nachgewiesen. Unklar sei noch, ob der Wolf nur durch den Nordschwarzwald gezogen sei oder sich immer noch dort aufhalte. Das Geschlecht und eine Rudelzugehörigkeit seien ebenfalls noch unbestimmt.

Wölfe könnten Rudel gründen

Mit einem Konflikt zwischen den zwei Wölfen, falls sich beide noch im Murgtal befinden, sei nicht zu rechnen: „Zwei Rüden könnten sich in diesem Gebiet problemlos aus dem Weg gehen“, erklärt Martin Hauser, der Wildtierbeauftragte des Landkreises Rastatt, auf Nachfrage der BNN. Spannend werde es dagegen, sollte der Neuankömmling ein Weibchen sein. Nach Hausers Einschätzung dürften sich die beiden Tiere in diesem Fall über ihren ausgeprägten Geruchssinn finden und im Frühjahr möglicherweise ein Rudel gründen.

Einiges auf dem Kerbholz

Seit Monaten streift ein Wolfsrüde, genannt „GW852m“, durch das Murgtal. Dutzende Schafe sollen bereits durch seine Angriffe gestorben sein, so etwa Ende April in Bad Wildbad, als 44 Schafe getötet wurden, oder Anfang September in Gernsbach, wo vier Tiere starben. DNA-Abgleiche bringen „GW852m“ zumindest mit zwei Schafen aus dem Gernsbacher Fall in Verbindung.

Nicht verantwortlich war der Wolf – anders als zunächst angenommen – für ein Mitte Oktober in Loffenau gerissenes Rehkitz.

Welcher Wolf tappte in die Fotofalle?

Im Sommer hatten die BNN exklusiv das Bild einer Fotofalle aus dem Murgtäler Höhengebiet veröffentlicht, das „GW852m“ zeigen soll. Der neue Fund wirft nun die Frage auf, ob es sich dabei tatsächlich um den Rüden aus Norddeutschland oder um ein anderes Tier handelt. Denn: Im Gegensatz zum Luchs lassen sich Wölfe nicht zweifelsfrei anhand ihrer Fellzeichnung identifizieren.

In eine Fotofalle ist dieser Wolf getappt. Er streifte im Sommer durch das Höhengebiet des Murgtals. | Foto: FVA Baden-Württemberg

Zahlreiche Hinweise aus der Bevölkerung

Meldungen von Wolfssichtungen aus der Bevölkerung sind in diesem Jahr drastisch angestiegen: Allein bis Ende September waren es über 450 Meldungen, die bei der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) des Landes eingegangen sind. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es 310, 2016 sogar nur 120.

CDU fordert Wolfsabschuss

Die Politik reagierte bereits auf die Wolfsthematik: Der naturschutzpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Raimund Haser, hatte sich jüngst gar für die Möglichkeit des Abschusses ausgesprochen. „Die CDU-Fraktion ist schon seit längerem der Auffassung, dass es einen absoluten Schutz zu Lasten anderer Schutzgüter nicht geben kann“, so Haser.