Die Kröten marschieren zum Schlossgartensee.
Jedes Jahr begeben sich die Kröten und Frösche erneut auf eine gefährliche, Kilometer lange Reise. | Foto: jodo

Nabu schützt Tiere

Viele Amphibien bleiben bei der Krötenwanderung auf der Strecke

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Wenn die Temperatur auf etwa fünf Grad ansteigt und es draußen nass ist, dann erwachen die Amphibien aus ihrem Winterschlaf. Jedes Jahr begeben sich die Kröten und Frösche erneut auf eine gefährliche, Kilometer lange Reise. Sie kommen aus dem Bergvorland und wollen zu den Laichgewässern, in denen sie geboren wurden.

Von unserer Mitarbeiterin Luisa Reith

„Die Tiere sind auf dem Weg zu Gewässern, unter anderem im Naturdenkmal Kreuzäcker oder am Schloss Favorite, um dort zu laichen“, erklärt Karl – Ludwig Matt, Vorsitzender des Naturschutzbund-Rastatt (Nabu). Doch den Tieren steht ihr größter Feind noch bevor.

Über die L47 zwischen Kuppenheim und Haueneberstein fahren täglich 14 000 Autos.

Der Verkehr ebbe erst zwischen 0 Uhr und 1 Uhr nachts ab, so Matt. Selbst wenn die Amphibien nicht direkt überfahren werden, reiche der Luftdruck von schnell fahrenden Autos aus, um die Lunge zum Platzen zu bringen. Wie die Tiere ihren Weg über die Straße zu den Gewässern finden, ist unklar. Matt erläutert, dass es zwei wissenschaftliche Theorien gebe. „Es ist noch nicht zu 100 Prozent geklärt. Allerdings gibt es einmal die Theorie, dass die Tiere ihren Weg über die Gestirne finden“, erläutert Matt. „Die andere bezieht sich auf den Erdmagnetismus.“

Krötenwanderung: Nabu-Vorsitzender Karl-Ludwig Matt hilft Kröten und Fröschen zwischen Kuppenheim und Haueneberstein beim Überqueren der Straße.
Krötenwanderung: Nabu-Vorsitzender Karl-Ludwig Matt hilft Kröten und Fröschen zwischen Kuppenheim und Haueneberstein beim Überqueren der Straße. | Foto: Reith

Zaun schützt am Straßenrand

Um den Amphibien ihre Reise zu erleichtern, gibt es den Krötenzaun am Rand der Straße. Im Fall der L47 wandern vor allem der Grasfrosch, der Springfrosch, die Erdkröte und die Kreuzkröte, erzählt Matt. In Haueneberstein wird der Zaun vom Amt für Forst und Natur aufgestellt. Alle 25 Meter gräbt der Nabu Eimer zum Auffangen der Tiere in die Erde und organisiert den weiteren Ablauf. Die Ehrenamtlichen kontrollieren die Eimer und tragen die Tiere in Tageszählbögen ein. Diese erfassen das Datum, das Wetter, die Art des Tieres, das Geschlecht und in welchem Eimer es gefunden wurde. Ebenso wird die Anzahl der Tiere, welche die Straße nicht überlebt haben, notiert. Auf der anderen Seite der Straße, in sicherer Entfernung, werden die Tiere dann wieder frei gelassen.

Schwimmen im See, Entspannung nach der Wanderung.
Kröten im Wasser. | Foto: jodo

700 Amphibien im Jahr 2018

In Kuppenheim kümmern sich die Pfadfinder um den Aufbau des Zauns und betreuen diesen zwei mal wöchentlich – und das bis Ende April.
„Letztes Jahr wurden insgesamt 700 Amphibien gezählt. 600 davon haben wir über die Straße getragen, 100 haben es leider nicht geschafft“, berichtet der Naturschützer über die Situation in Haueneberstein.

Gefährlicher Rückweg

Nachdem die Amphibien in ihren Ursprungsgewässern gelaicht haben, machen sie sich auf den Weg zurück in das Bergvorland. Dieser Rückweg könne besonders gefährlich werden, da der Zaun wegen des Ackerbaus nicht lang genug stehen bleiben kann, so Matt. Auch viele Jungtiere, die sich nach dem Schlüpfen auf die Suche nach einem geeigneten Lebensraum machen, seien gefährdet. Um den Schutz der wandernden Kröten und Frösche in Zukunft zu erleichtern, stellte Matt einen Antrag beim Regierungspräsidium.

Leitsystem für Krötenwanderung

Während Teile der L47 begradigt werden, könne ein Amphibienleitsystem eingerichtet werden. Den Tieren ist es dann möglich, in einem Graben an der Straße entlang und durch Tunnel darunter hindurch zu wandern.
„Es nützt allerdings nichts, wenn wir die Tiere nur während ihrer Wanderung über die Straße tragen. Sie benötigen geeignete Laichgebiete und Schutzflächen“, erklärt Matt.

Population schrumpft

Beispielsweise gehe die Population der Kreuzkröte stark zurück. Diese Amphibien haben eine Vorliebe für flache Gewässer, bei starker Trockenheit stirbt der Laich. „Letztes Jahr hat es von April bis September kaum geregnet. Es war eine starke Trockenperiode. Damit der Laich in den Gräben des Kreuzäckers nicht austrocknet, haben wir uns Unterstützung bei der Feuerwehr gesucht“, erzählt Matt.

Zwei Einsätze gab es, bei denen die Laichgewässer mit 10 000 Litern Wasser geflutet werden mussten.

Amphibien haben auch außerhalb der Wanderung mit Gefahren zu kämpfen. Nur jedes zehnte Tier des Laichs schlüpfe. Gründe dafür seien Wetterschwankungen, Fressfeinde oder Verschmutzung durch Pestizide, so Matt. Er sieht im Naturschutz großen Handlungsbedarf: „Die Tiere brauchen generell mehr Platz. Man muss Leichgewässer schaffen und darf ihre Lebensräume nicht vergiften“, meint Matt. „Ohne, dass man beginnt gegenzusteuern, sieht die Situation düster aus.“