Ob verschlossen oder nicht: Fahrräder sind leichte Beute für ausgebuffte Diebe. Trotz begrenzter Ermittlungschancen bittet die Polizei aber darum, Fahrraddiebstähle immer anzuzeigen.
Ob verschlossen oder nicht: Fahrräder sind leichte Beute für ausgebuffte Diebe. Trotz begrenzter Ermittlungschancen bittet die Polizei aber darum, Fahrraddiebstähle immer anzuzeigen. | Foto: Weisenburger

Steigende Zahlen

Opfer von Fahrraddiebstählen in Rastatt machen sich keine Hoffnung

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Es war nur eine kurze Unaufmerksamkeit, da war das Fahrrad weg. Andrea Pink dachte nicht daran, dass man Fahrräder in Rastatt längst nicht mehr einfach abstellen darf – so ganz ohne Schloss und Kette. Sie glaubte, ihr Zweirad sei sicher, unmittelbar vor dem Schaufenster des Sonnenstudios, in dem sie arbeitet, immer direkt in ihrem Blickfeld. „Am hellichten Tag, einfach geklaut.“ Zur Polizei geht sie nicht.

Stattdessen kauft sie sich wieder ein Fahrrad, gebraucht, nicht zu teuer. Man weiß ja nie, wie lange man es hat. Ähnlich geht es Monika Späth. Sie hat ihr Fahrrad abgeschlossen. Weg kommt es trotzdem. „Ich hatte es vor dem Büro abgestellt. Als ich abends runter kam, war es nicht mehr da.“ Auch sie geht nicht zur Polizei. Warum auch?

Anzeige für die Versicherung

Laut Kriminalitätsstatistik wurden im vergangenen Jahr in Rastatt 278 Räder geklaut. Die Drahtesel von Andrea Pink und Monika Späth sind da nicht mitgerechnet. Und auch nicht die all der anderen Rastatter, die den Diebstahl nicht anzeigten. „Ich muss zugeben, richtig schnelle Hilfe bietet die Anzeige nicht“, räumt Polizeisprecher Rüdiger Schaupp ein. Viele Diebstahlopfer kommen nur, weil sie für die Versicherung den Nachweis brauchen, dass der Verlust bei der Polizei angezeigt wurde. Kaum jemand macht sich Hoffnung, dass ihm die Ordnungshüter das Fahrrad wiederbeschaffen.

Beim Rad handelt es sich dann doch um ein Massenprodukt mit begrenztem Wert.

„Aber eine Anzeige macht trotzdem Sinn“, beteuert Schaupp. „Wenn wir eine groß angelegte Fahrradhehlerei ausheben und nicht nachweisen können, dass die Räder gestohlen sind, haben wir nichts in der Hand.“ Einen Fahndungsaufwand wie für 278 geklaute Autos dürften die Fahrradbesitzer aber nicht erwarten. „Beim Rad handelt es sich dann doch um ein Massenprodukt mit begrenztem Wert“, so Schaupp.

Polizei braucht Nachweise

Sind Fahrräder also vogelfrei? „Nein, das nicht. Wenn wir bei Nacht jemanden antreffen, der zwei Fahrräder schiebt, werden wir schon misstrauisch. Aber auch hier können wir den Diebstahl nur nachweisen, wenn er angezeigt wurde und der rechtmäßige Besitzer mit Rechnung oder Quittung beweisen kann, dass ihm das Fahrrad auch gehört.“

Alles andere wäre mir zu unsicher.

Schaupp selbst würde sich für den Alltag allenfalls ein gebrauchtes Billigfahrrad anschaffen. „Alles andere wäre mir zu unsicher.“ Wer auf die Freiheit, ein teures Rad zu nutzen und auch zu behalten, nicht verzichten will, der muss selbst in Sicherheit investieren.

Sicherheit für Fahrräder

„Ich mache den Sattel ganz nach unten und führe dann das Schloss durch Sattel und Hinterrad um eine Straßenlaterne und wieder zurück“, sagt Ralph Neininger vom örtlichen Fahrradclub ADFC. Die Regel, zehn Prozent vom Kaufpreis für ein Schloss auszugeben, hat sich inzwischen verfestigt. Dass über zehn Prozent des Gesamtgewichts vom Schloss her rühren, müssen sicherheitsbewusste Radler wohl ertragen. Neininger fordert deutlich mehr sichere Fahrradboxen an den Bahnhöfen.

Spaßrad in der Wohnung

Er glaubt sich noch an Zeiten erinnern zu können, in denen man sein Fahrrad einfach so abstellen konnte, ohne Angst haben zu müssen, dass es geklaut wird. Bis diese Zeiten wiederkommen schlägt er eine Doppelstrategie vor. Das teuere Spaßrad bekommt einen festen Platz in der Wohnung, während draußen unter der Laterne ein altes, vielleicht rostiges, auf alle Fälle aber billiges Rad darauf wartet, seinen Besitzer durch den Alltag zu tragen.