Die PFC-Problematik beschäftigt die Region bereits seit einiger Zeit. Besonders die Landwirtschaft ist davon betroffen. Nun soll Ackerboden aus Hügelsheim zur Problemlösung beitragen.
Die PFC-Problematik beschäftigt die Region bereits seit einiger Zeit. Besonders die Landwirtschaft ist davon betroffen. Nun soll Ackerboden aus Hügelsheim zur Problemlösung beitragen. | Foto: Schulze/dpa

Grundwasser in Gefahr?

Proben aus mit PFC belastetem Acker in Hügelsheim werden untersucht

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Die Grube auf dem Feld bei Hügelsheim ist weder besonders groß noch besonders spektakulär. Dennoch ruhen auf ihr, wie auf vier weiteren Gruben, die nun in diesem mit PFC belasteten Acker gegraben wurden, neue Hoffnungen. „Die Kieswerke Kühl und Kern sowie die Firma Peterbeton müssen sich bekanntermaßen ebenfalls mit der PFC-Problematik auseinandersetzen“, erklärt Thorsten Volkmer von der Kies und Beton AG Baden-Baden.

Von unserer Mitarbeiterin Patricia Klatt

Deshalb habe man Tests zur Bindung der Chemikalien im Boden (Immobilisierung) durchgeführt. Insgesamt seien sicher an die 400 Vorversuche mit Aktivkohle und Rembind – einem Stoffgemisch aus Kohlenstoff, Aluminiumhydroxid und anderen adsorbierenden Substanzen – gemacht worden, beides habe in unterschiedlichem Maße funktioniert.

Kooperationsprojekt zu PFC

Nun wird in einem großen Kooperationsprojekt „Nachweis PFAS-Immo“ die Immobilisierung der PFC weiter untersucht. An dem Projekt sind die Kies- und Betonwerke, das Umweltministerium, der Stadtkreis Baden-Baden, das Landratsamt Rastatt, das Regierungspräsidium Karlsruhe, die Landesanstalt für Umwelt, die Universität Tübingen, das Labor Synlab und das Mineral- und Betonlabor Baden-Baden (MBL) in unterschiedlicher Form beteiligt.

Weitere Wege: Womöglich ist diese Grube der erste Schritt zu neuen Lösungen in Sachen PFC.
Weitere Wege: Womöglich ist diese Grube der erste Schritt zu neuen Lösungen in Sachen PFC. | Foto: Klatt

„Für die Untersuchungen haben wir heute an die vier Kubikmeter Erdmaterial ausgehoben, das nun gemischt und dann in kleinen, einheitlichen Proben an die Forschungseinrichtungen abgegeben wird“, erläutert Volkmer. Die Frage, die sich hier drängend stellt, ist die nach der Langfristigkeit der PFC-Immobilisierung. Rembind wird zwar bereits in Australien, den USA oder auch Schweden angewendet, aber die Ausgangslage ist mit der hiesigen nicht unbedingt zu vergleichen.

„Das sind dort häufig lokal begrenzte PFC-Kontaminationen, die durch Löschschäume entstanden sind“, gibt David Dreher vom MBL zu bedenken. Hier habe man hingegen eine flächige Verteilung mit unterschiedlichen PFC-Konzentrationen.

Potenzielle Gefahr für das Grundwasser

Ein weiteres Problem ist für Rainer Söhlmann von der PFC-Geschäftsstelle des Landratsamtes auch die Tatsache, dass Rembind Aluminium enthält. Die Frage, ob das ins Grundwasser gelangen kann, wird deshalb in das jetzige Untersuchungsprogramm mit aufgenommen. Die Fachleute veranschlagen mindestens ein Jahr, um ein genormtes Prüfverfahren zu erarbeiten, um die Dauerhaftigkeit der Immobilisierung zu untersuchen.

Zusammensetzung ist Betriebsgeheimnis

Dafür wäre natürlich hilfreich, die genaue Zusammensetzung von Rembind zu kennen, aber die fällt unter das Betriebsgeheimnis. Das Projekt „Nachweis PFAS-Immo“ ist für Rainer Söhlmann eine „Win-win-Situation“ für alle und auch Thorsten Volkmer ist mit diesem Netzwerk zufrieden, da PFC mittlerweile ein alltägliches Thema für alle sei. Die Lösungen fallen nicht vom Himmel, sondern müssen mühsam erarbeitet werden. Und dass auch Rembind nicht die Lösung für die kompletten 877 Hektar PFC-belasteter Fläche sein kann, ist jedem der hier Anwesenden klar. Und wieder einmal bewahrheitet sich wohl: Schnell geht bei PFC gar nichts.

Das Projekt „Entwicklung einer Vorgehensweise zum Nachweis der PFAS-Immobilisierung für konkrete, vorgegebene Immobilisierungsansätze (Nachweis PFAS-Immo)“ wird vom Land Baden-Württemberg durch BWPLUS gefördert. Projektpartner sind die Universität Stuttgart – Versuchseinrichtung zur Grundwasser- und Altlastensanierung (VEGAS) – sowie das DVGW-Technologiezentrum Wasser (TZW), Karlsruhe. Das Projekt läuft 18 Monate.