Hier entstehen schwarze Zahlen: Das medizinische Versorgungszentrum (MVZ) erwirtschaftet immerhin einen bescheidenen Gewinn von 23.000 Euro.
Hier entstehen schwarze Zahlen: Das medizinische Versorgungszentrum (MVZ) erwirtschaftet immerhin einen bescheidenen Gewinn von 23.000 Euro. | Foto: Collet

Debatte nach Studie

Räte in Rastatt plädieren für dezentrale Kliniken

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Unter dem Eindruck der Bertelsmann-Studie zu den Krankenhäusern in Deutschland haben mehrere Kreisräte für die Beibehaltung der dezentralen Kliniken im Landkreis Rastatt plädiert. Bei der Verabschiedung des Ergebnisses im Klinikum Mittelbaden gingen einzelne Sprecher hart ins Gericht mit der Studie und der Berichterstattung darüber im öffentlich-rechtlichen Fernsehen.

Die Studie kommt zum Ergebnis, dass von den derzeit 1 400 Krankenhäusern in Deutschland mittelfristig nur noch 600 übrig bleiben dürfen, damit die Versorgung der Menschen weiterhin gewährleistet ist. Begründet wird dies unter anderem damit, dass große Kliniken mit viel Personal eine höhere Qualität erbringen könnten als mehrere kleine Kliniken.

Grundversorgung gefordert

Am deutlichsten positionierte sich der Fraktionschef der Freien Wähler, Karsten Mußler: „Ein Großklinikum ist für uns keine Lösung.“ Er forderte vielmehr eine flächendeckende Grundversorgung, „die für die Bürger auch bezahlbar ist“. Für die SPD erklärte Walter Jüngling, dass die Qualität der Versorgung Priorität habe, danach müsse über die Finanzierung geredet werden.

Defizit von 5,9 Millionen Euro

Die Debatte lief freilich vor dem Hintergrund des Ergebnisses für das Jahr 2018. Das Klinikum Mittelbaden schließt mit einem Defizit von 5,9 Millionen Euro ab – bei einem Umsatz von rund 220 Millionen Euro. Klinikgeschäftsführer Jürgen Jung machte nochmals deutlich, dass die Verluste im Bereich der Kliniken entständen – die gesetzlichen Rahmenbedingungen seien sehr problematisch. Er erhofft sich von neuen gesetzlichen Vorgaben eine Entlastung. Die derzeitigen Regelungen bevorzugten vor allem private Kliniken, die im Gegensatz zu den kommunal getragenen Krankenhäusern – wie etwa im Landkreis Rastatt – ihre Mitarbeiter zum Teil untertariflich bezahlten.

Die wollen immer nur große Häuser, das ist bekannt.

Insofern kritisierte Jung, dass im Zusammenhang mit der Bertelsmann-Studie ausgerechnet ein Experte zitiert wird, der selbst Geschäftsführer eines privaten Klinikums gewesen sei. „Die wollen immer nur große Häuser, das ist bekannt“, so Jürgen Jung.

Überblick über Gewinne

Neben dem reinen Klinikbetrieb machen andere Bereiche durchaus bescheidene Gewinne. So wirft etwa das medizinische Versorgungszentrum (MVZ) in Rastatt und Baden-Baden 23.000 Euro ab, hinzu kommen weitere 2000 Euro vom MVZ Durmersheim. Der Bereich Catering, also die Zentralküche, erwirtschaftet 53.000 Euro Gewinn, das Ergebnis des Aspichhofs liegt bei 25.000 Euro. Den dicksten Gewinn erwirtschaftet der Betriebszweig Service mit 217.000 Euro. In diesem Betriebsbereich werden Reinigungs- und hauswirtschaftliche Dienste zusammengefasst.

Debatte in Rastatt

Der Kreistag in Rastatt segnete das Ergebnis des Klinikums und damit das Defizit ab. Alle Fraktionssprecher betonten, dass die Mitarbeiter des Klinikums eine gute Arbeit leisteten. CDU-Sprecher Andreas Merkel bedauerte, dass die Umstrukturierungen im finanziellen Bereich „noch nicht voll greifen“. Man sei eben „eingemauert in viele Vorgaben“.

Wir sind gut gefahren mit der Politik der kleinen Schritte.

FW-Fraktionschef Karsten Mußler stellte die Frage, ob man bei zurückliegenden Entscheidungen nicht mutig genug vorgegangen sei. Landrat Toni Huber verteidigte die bisherige Linie: „Wir sind gut gefahren mit der Politik der kleinen Schritte.“ Geschäftsführer Jung unterstrich, dass die kleinen Schritte zu einer großen Akzeptanz in der Belegschaft geführt hätten.