Rocky im Einsatz: Bundeswehrsoldaten nutzen bei einer Übung in Litauen den tragbaren Computer des badischen Spezialherstellers Roda aus Lichtenau.
Rocky im Einsatz: Bundeswehrsoldaten nutzen bei einer Übung in Litauen den tragbaren Computer des badischen Spezialherstellers Roda aus Lichtenau. | Foto: Bundeswehr/Jane Schmidt

Digitale Militärausrüstung

Roda Computer aus Lichtenau baut robuste Rechner für die Bundeswehr

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Rocky ist hart im Nehmen. Er steckt kräftige Schläge weg, läuft bei sengender Hitze genauso gut wie bei beißender Kälte. Auch Wüstenstaub oder Regenwasser machen ihm nichts aus. Mit diesem tragbaren PC im robusten Metallgehäuse begann die Erfolgsgeschichte von Roda Computer. Martin Bertsch gründete das Unternehmen 1987 in Scherzheim, einem Stadtteil von Lichtenau im Landkreis Rastatt.

Damals entwickelte und verkaufte er Zubehör für Atari-Computer. Dass seine Firma einmal zum weltweit gefragten Militärausrüster wird, hätte Bertsch damals nicht gedacht.

Den ersten Rocky baute er für das Landesvermessungsamt Bayern. „Die wollten einen Notebook, der eine lange Akkulaufzeit hat, wasser- und temperaturunempfindlich ist und in einem gehärteten Gehäuse steckt“, erinnert sich der Unternehmensgründer und Geschäftsführer.

Erst um die Jahrtausendwende begann sich die Bundeswehr für die widerstandsfähige Hardware zu interessieren. Inzwischen ist sie der Hauptkunde von Roda Computer. Doch auch andere Armeen sowie Rüstungshersteller zählen zu den Abnehmern. Das Unternehmen steigert seinen Umsatz von Jahr zu Jahr in beachtlichen Sprüngen. 42,5 Millionen Euro waren es im vergangen Jahr – fast doppelt so viel wie 2015 (23,3 Millionen).

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„Rocky“ ist der Star

„Jeder Bundeswehrsoldat kennt Rocky“, sagt Frank Scholz, der seit 2012 Co-Geschäftsführer von Roda Computer ist. Er weiß wovon er spricht, denn er hat eine Offizierslaufbahn hinter sich. Zwölf Jahre war er bei der Bundeswehr, zuletzt Batteriechef der Gebirgsartillerie. Der olivgrüne, tragbare Computer wurde dort etwa für die Feuerleit-Software genutzt.

Auch wenn Rocky nach wie vor ein Star bei Roda ist: Das Produktportfolio des hoch spezialisierten IT-Herstellers ist breiter geworden. Denn mit der voranschreitenden Digitalisierung wächst auch der Bedarf der Streitkräfte.

Inzwischen bietet Roda Geräte in allen Größen an: vom Mobiltelefon über das Tablet bis zum mobilen Server. Hinzu kommen Netzwerktechnik und Stromversorgung. Alles ist auf die Bedürfnisse des Militärs abgestimmt: Roda-Produkte sind sehr widerstandsfähig gebaut, haben spezielle Schnittstellen für eine sichere Verkabelung und erfüllen strenge Sicherheitsvorschriften.

Hergestellt werden sie am zweiten deutschen Standort des Unternehmens: in Hüllhorst, Nordrhein-Westfalen. Einzelne Produktteile kommen von Partnerfirmen, etwa aus Taiwan. Niederlassungen hat Roda Computer in Indien, Frankreich und der Ukraine. Vielleicht kommt demnächst noch eine in Australien hinzu. Denn der Rüstungshersteller Rheinmetall steht dort kurz vor einem Milliardenauftrag. Und in den Panzern, die der Düsseldorfer Konzern für die australische Armee bauen will, sollen Roda-Computer stecken.

Digitaltechnik für die Nato-Speerspitze

Martin Bertsch und Frank Scholz freuen sich bereits über einen anderen prestigeträchtigen Auftrag, den sie Ende vergangenen Jahres erhalten haben: Roda soll die neue Nato-Speerspitze der Bundeswehr mit robusten Displays, Stromversorgungen und mobilen Rechnern im Notebook- und Tabletformat ausstatten.

Die „Very High Readiness Joint Task Force“ (VJTF) ist eine Reaktion auf die Bedrohung östlicher Nato-Staaten durch Russland unter Präsident Putin. Sie soll innerhalb von fünf Tagen verlegebereit sein und muss daher komplett ausgestattet sein. Das Vertragsvolumen liegt Unternehmensangaben zufolge „im zweistelligen Millionenbereich“. Geliefert werden soll dieses und kommendes Jahr.

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Standort auf dem Land unattraktiv?

Die Umsätze, da sind sich die beiden Manager relativ sicher, werden daher auch in den kommenden Jahren weiter steigen. „Deutschland hat bei der Digitalisierung seiner Armee Nachholbedarf“, sagt Roda-Gründer Bertsch. Und auch im Ausland sehe er noch große Marktchancen.

Sein Problem sei es momentan eher Mitarbeiter zu finden. „Für viele junge Leute ist unser Standort auf dem Land offenbar unattraktiv“, meint Bertsch, der das Unternehmen immer noch vom Stammsitz, also seinem Elternhaus in Lichtenau-Scherzheim, aus führt. „Das verstehe ich nicht. Es ist doch schön hier und das Leben ist billiger als in der Stadt.“

68 Mitarbeiter hat Roda Computer inzwischen. Es könnten bald mehr werden. Erst im vergangenen Jahr wurden neun neue Stellen besetzt.