Um die Vielfalt zu bewahren, beobachten die Schüler der Naturschutz-AG am WHG Durmersheim den Teich. Experten veranlassen Sanierungsmaßnahmen.
Um die Vielfalt zu bewahren, beobachten die Schüler der Naturschutz-AG am WHG Durmersheim den Teich. Experten veranlassen Sanierungsmaßnahmen. | Foto: Collet

Naturschutz-Projekt

Schüler schützen Teich in Durmersheim vor Kalikokrebsen

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Schlamm raus, Kies rein und der Teich hat gute Chancen. Noch ist das Gewässer in der Nähe des Wilhelm-Hausenstein-Gymnasiums (WHG) in Durmersheim frei von Kalikokrebsen. Das soll auch so bleiben: Deshalb kümmern sich in einem Gemeinschaftsprojekt gleich mehrere Akteure – von Schülern bis zu Umweltexperten – um die Natur rund um den Teich.

Da dieser in unmittelbarer Nähe zum eigenen Klassenzimmer liegt, engagieren sich neben dem Naturschutzzentrum Rappenwörth, der Gemeinde Durmersheim sowie Studenten der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe auch die Teilnehmer der Naturschutz-AG des WHG an dem Vorhaben.

Kinder profitieren von Lage

„Noch sind keine Kalikokrebse im Teich“, erklärt Michal Lang, Lehrerin am WHG und Leiterin der AG. Ihr Ziel ist es, den Teich für den Unterricht nutzen zu können. „Die Schule liegt im Gegensatz zu anderen im Grünen und nicht in der Stadt. Davon sollten die Kinder profitieren“, betont sie. „Was können wir also tun, damit der Teich auch frei von Kalikokrebsen bleibt?“

Ich bin wöchentlich mit den Schülern an den Teich gegangen.

Da Lang jedoch in Mutterschutz geht, pausiert das AG-Projekt nun ein Jahr lang. „Ich bin wöchentlich mit den Schülern an den Teich gegangen“, erinnert sie sich. Dabei standen nicht nur spannende Sachen wie die Bestimmung von Arten auf dem Programm. Manchmal wurde auch schlicht Müll eingesammelt. Die Ideen kommen besonders in Zusammenarbeit mit dem Naturschutzzentrum auf, das in regelmäßigen Abständen die AG besucht und neuen Input gibt.

Zusammenarbeit mit Experten

„Seit fünf Jahren arbeiten wir zusammen“, sagt Tanja Hofmeister, freie Mitarbeiterin am Naturschutzzentrum Rappenwörth. Die Sanierung des Teichs ist Teil des Projekts „Lebensader Oberrhein“, erklärt sie. „Das Gewässer wird immer wieder beobachtet.“ Es sei verschlammt gewesen und im Sommer oft umgekippt, sagt Hofmeister.

Kalikokrebse verdrängen andere Arten binnen Monaten.
Kalikokrebse verdrängen andere Arten binnen Monaten. | Foto: Kraft (Archiv)

Verkiesung statt Kalikokrebse

Dagegen hat die Gemeinde bereits erste Maßnahmen ergriffen, bestätigt Isa Weinerth vom Umweltamt Durmersheim. Das Gewässer wurde Ende des vergangenen Jahres entschlammt. „Kalikokrebse brauchen Erdboden, um Röhren zu graben und dort ihre Eier abzulegen.“ Die bevorstehende Verkiesung des Grundes soll hier entgegenwirken, so Hofmeister. Außerdem sollen Holzbarrieren um den Teich gebaut werden. „Amphibien können diese noch überqueren, die Kalikokrebse schaffen es hingegen nicht mehr zum Wasser“, betont sie.

Innerhalb eines halben Jahres war alles leergefressen.

An einem anderen Teich in Durmersheim konnten die Kinder beim Keschern bereits erleben, was passiert, wenn der Kalikokrebs einwandert. „Dieses Gewässer wurde einst als Amphibienbiotop angelegt. Innerhalb eines halben Jahres war alles leergefressen“, berichtet Hofmeister von einer gemeinsamen Exkursion mit der AG.

Schüler werden sensibilisiert

Darin liege auch die Gefahr des Krebses: Andere Arten hätten im Wasser kaum eine Überlebenschance. Die Schulkinder seien durch diese Erfahrung engagiert und sensibilisiert. „Sie bezeichnen den Teich beim WHG immer wieder als ,ihren Teich‘“, sagt sie. Ihr Wissen tragen sie auch an ihre Mitschüler weiter.

Naturpark ist geplant

Doch nicht nur die Naturschutz-AG erkennt den Wert des Gewässers. „Wir möchten in einem langjährigen Projekt die Umgebung des Teichs in eine Art Naturpark umgestalten“, erzählt Siegfried Baumgart, Vorstand der Lokalen Agenda 21 Durmersheim. Der Bereich soll unter anderem mit Hilfe der Schüler angelegt und für die Öffentlichkeit gestaltet werden, etwa durch eine Wildblumenwiese.

Kommentar
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Naturnah

Was im Schulbuch schnell abstrakt und weit weg von der eigenen Lebenswelt wirkt, gewinnt in Natura an Einfluss. Mit einem eigenen Projekt, wie dem in Durmersheim, ist Naturschutz für Schüler nicht mehr nur ein mahnendes Wort, sondern eine aktive Aufgabe.

Schlammiges Problem

Das Ergebnis von Nicht-Handeln oder wiederum Engagement erleben die Kinder und Jugendlichen so in unmittelbarer Nähe: Lebewesen siedeln sich um und im Gewässer an statt aufgefressen zu werden. Auch im Sommer ist der Teich womöglich ein schöner Platz zum Sein statt eines übel riechenden Schlammlochs.

Sinne im Einsatz

Mit der Eigenverantwortung steigt auch die Bereitschaft der Schüler, sich für etwas einzusetzen. Dabei geht es um mehr als nur gute Schulnoten oder die Erfüllung von Pflichten. Die Kooperation aus Umweltschutz-Akteuren, der Gemeinde sowie dem Nachwuchs bildet langfristiges Bewusstsein aus – für konkrete Probleme und Zusammenhänge in der Natur. Während im klassischen Schulunterricht lediglich der Kopf gefragt ist, kommen am Teich alle Sinne zum Einsatz. Involvierte Schüler stecken auch ihre Mitschüler mit Begeisterung an, verteidigen bereits erreichte Erfolge und tragen die Botschaft weiter.