Das betroffene Wasserwerk in Förch.
Das betroffene Wasserwerk in Förch. | Foto: Collet

Trinkwasser verunreinigt

Stadtwerke Rastatt rufen wegen schlechter PFC-Werte das THW zur Hilfe

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Eine Infoveranstaltung zum Thema PFC im Trinkwasser am Freitagnachmittag in Förch stieß auf großes Interesse. Mehr als zwei Stunden lang stellten sich Vertreter der Stadtwerke Rastatt, der Stadt Kuppenheim und des Versorgers Eneregio den Fragen der Besucher. Die Verunsicherung bei den Betroffenen ist groß.

Das Umweltbundesamt hatte in der vergangenen Woche den Leitwert für eine PFC-Verbindung von 0,1 auf 0,05 Mikogramm gesenkt. Im Wasserwerk Förch des Verbands Vorderes Murgtal lag der letzte gemessene Wert am 9. Dezember allerdings bei 0,052 Mikrogramm. Als Folge sollen Schwangere und Kinder bis drei Jahre kein Leitungswasser mehr trinken. Betroffen sind Förch, Kuppenheim, Gernsbach und Gaggenau-Selbach.

Fast alle der 175 Stühle in der Festhalle waren am Freitagabend besetzt. Kuppenheims Bürgermeister Karsten Mußler betonte: „Uns allen ist daran gelegen, dass wir sauberes Trinkwasser haben.“ Noch deutlicher wurde Stadtwerke-Geschäftsführer Olaf Kaspryk, der mit Blick auf die Ursache des PFC-Skandals sagte: „Für die ganze Schweinerei können wir alle nichts.“

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Bürgerinfo in Förch zu PFC-Werten im Grundwasser
Großer Andrang am Freitagabend in der kleinen Festhalle Förch: Vertreter der Stadtwerke Rastatt, der Stadt Kuppenheim und des Versorgers Eneregio stellen sich den Fragen der Besucher. | Foto: Collet

PFC-Werte in Kuppenheim könnten sich bald verbessern

Kaspryk und die anderen Vertreter äußerten sich aber zuversichtlich, dass die Werte in vielen Bereichen bereits wieder unter der Richtlinie liegen oder sie bald unterschreiten. Dafür liefen mehrere Maßnahmen parallel.

In Kuppenheim sind die sogenannte Hochzone oberhalb der Spitalstraße und der Stadtteil Oberndorf betroffen. Dort soll laut Jochen Mühlen vom Versorger Eneregio schon nächste Woche eine alternative Versorgung aufgebaut werden. Bürgermeister Mußler schätzt, dass diese bis Mitte, spätestens Ende Januar in Betrieb geht.

Mehr zum Thema: Was man über den PFC-Skandal wissen muss, haben wir in einem Dossier zusammengefasst

Bereits jetzt werde aber zeitweise unbelastetes Wasser der Stadtwerke Gaggenau beigemischt, so dass die Werte laut Mühlen wahrscheinlich schon jetzt wieder die Grenzen einhalten. Sicherheit werde aber erst die nächste Messung am 7. Januar bringen, deren Ergebnisse am 22. Januar vorliegen sollen.

Eine Filteranlage in Förch geht frühestens Ende 2020 in Betrieb

Problematischer ist die Situation in Förch, wo aktuell keine alternative Versorgung möglich ist. Derzeit laufen die Planungen, eine geschätzt 1,5 Millionen Euro teure Aktivkohle-Filteranlage ins Wasserwerk einzubauen, die langkettige PFC-Verbindungen entfernt.

Doch die Anlage wird frühestens Ende 2020 in Betrieb gehen. Mindestens ebenso lang dauert der Bau einer Wasserleitung von Niederbühl nach Förch. Dieses Projekt soll parallel angegangen werden, um in Zukunft über eine Alternative zu verfügen.

Technisches Hilfswerk soll einen Container mit Wasserfilter aufstellen

Als kurzfristige Lösung planen die Stadtwerke, in Zusammenarbeit mit dem Technischen Hilfswerk bis Mitte Februar einen Container mit Filteranlage aufzustellen. Dieser kann einen Teil des Wassers aufbereiten, so dass die Gesamtmenge dann wieder den Leitwert einhält.

Bis die Maßnahmen greifen, wollen sowohl die Stadtwerke Rastatt als auch die Stadt Kuppenheim Betroffenen Flaschenwasser bezahlen. Wer zu den Risikogruppen gehört, kann entsprechende Rechnungen bei ihnen einreichen.

Viel Kritik äußerten Besucher, aber auch Bürgermeister Mußler, an der Landesregierung, die Kommunen und Versorger bislang mit den Kosten allein lässt. Der anwesende Grünen-Landtagsabgeordnete Thomas Hentschel verteidigte diese Politik ein Stück weit, versprach aber auch: „Ich werde daran arbeiten, dass Umweltminister Franz Untersteller hierher zu Ihnen kommt.“

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