In Wolfsheck soll die Murg nach 100 Jahren wieder mehr Wasser führen. | Foto: Schaub

Murg verödet ökologisch

Stromproduktion ist tödlich für Lachsrevier

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„Ganz besonders wichtig ist die Murg als Lachsfluss. Sobald das Wasser etwas anschwillt, erscheint der Lachs von October bis December in grosser Zahl in der Murg, und steigt bis zur Landesgrenze auf, um zu laichen, er ist gewöhnlich 2-20 Pfund schwer. Am zahlreichsten findet er sich bis Langenbrand, weiter aufwärts nimmt seine Zahl allmählig ab“, heißt es in einer Beschreibung aus dem Jahr 1881.

1925 wird letzter Lachs gefangen

Die Murg war einst einer der bedeutendsten Lachsflüsse am Oberrhein. Zahlreiche Gastwirtschaften mit dem Namen „Zum Salmen“ erinnern im Murgtal an die einst reichen Lachsvorkommen. Gewannnamen wie Salmengrund oder Salmenkopf deuten ebenfalls darauf hin, dass viele Familien vom Lachsfang lebten.

Bis vor 100 Jahren lebten viele Familien im Murgtal vom Lachsfang. | Foto: dpa

„Nachweislich stiegen noch im vorletzten Jahrhundert tausende laichbereite Lachse in der Murg auf, einige sogar bis Baiersbronn“, berichtet Frank Hartmann von der Fischereibehörde des Regierungspräsidiums Karlsruhe.

Um 1900 waren die menschlichen Eingriffe im Unterlauf der Murg so groß, dass mit der zunehmenden Gewässerverunreinigung der Lachs immer weniger gesichtet wurde. Noch 1914 wurden in der Murg etwa 90 Lachse gefangen, nachdem angesichts abnehmender Bestände bereits Besatzmaßnahmen erfolgt waren. Die letzten historischen Lachsnachweise aus der Murg stammen aus dem Jahr 1925.

Wasser betreibt jetzt Turbinen

Der Todesstoß war 1918 die Inbetriebnahme der Rudolf-Fettweis-Werke in Forbach: Mit der Stromproduktion wurde zwar die Industrialisierung im Murgtal vorangetrieben und wo früher Flößer, Sägewerker und Müller arbeiteten, entstanden zunehmend größere Holz- und Papierwerke. Die ehemaligen Mühlen wurden zu leistungsfähigeren Wasserkraftanlagen umgebaut, die das Wasser der Murg aufstauten und in Kanälen zu den Turbinen ausleiteten. Durch die Einleitung verschlechterte sich aber die Wasserqualität zusehends und die Zahl der unüberwindbaren Barrieren nahm ebenfalls zu.

Im Sommer verwandelte sich die Murg in ein ausgetrocknetes Flussbett. | Foto: pr

Stinkendes Flussbett

Besonders im Sommer trocknete die Murg auf vielen Kilometern aus, weil die Wasserkraftanlagen fast das gesamte Wasser entnahmen. Zahlreiche Tierarten starben aus und die Murg verkam zu einem mit Algen zugewachsenen und stinkenden Flussbett. Nur vereinzelt wurden Ende des letzten Jahrhunderts kleinere Vorstöße unternommen, an der Situation der Murg etwas zu verbessern – zunächst vergeblich.