Aufgehängte Krähen an einem Feld bei Durmersheim | Foto: Privat

Grausiger Fund

Tote Krähen in Durmersheim aufgehängt

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Ein grausamer Anblick: Eine Frau hat beim Spaziergang in Durmersheim zwei tote, aufgehänge Krähen entdeckt. Die Polizei ermittelt. Wahrscheinlich handelt es sich bei der Aktion um den Versuch, die Feldpflanzen vor Vögel zu schützen – die Effektivität ist aber fraglich.

Das war ein Schock am Abend für Maggie Pelzer. Während sie auf ihrem Spaziergang mit dem Hund eigentlich nur einen schönen Sonnenuntergang erwartete, bot sich ein grausiges Bild. Zwei tote Krähen hingen direkt neben Durmersheimer Erdbeerfeldern an den Füßen festgebunden an einem improvisierten Galgen. „Der Anblick war grausam und furchterregend“, sagt Pelzer.

Die von ihr informierten Behörden wussten zunächst nichts mit dem ungewöhnlichen Fund anzufangen. Inzwischen ermittelt die Polizei.

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Experte hält Aktion für „grausam und sinnlos“

Bei dem mittelalterlich anmutenden Ritual handelt es sich offenbar um den verzweifelten Versuch eines Erdbeerbauern, seine Planzungen vor gefräßigen Rabenvögel zu schützen. Die Idee dahinter ist nach Einschätzung von Stefan Eisenbarth, ehrenamtlicher Naturschutzwart des Landkreises Rastatt, dass lebende Raben nicht fressen wollen, wo ihre toten Artgenossen baumeln. Doch dieses Vorgehen, so Eisenbarth, ist so grausam wie sinnlos. „Das kann allenfalls kurzfristig andere Vögel davon abhalten, das Erdbeerfeld anzufliegen. Länger als ein bis zwei Tage lassen sich die Tiere nicht verscheuchen. Dafür sind die Raben viel zu klug.“

Zum Schutz der Erdbeeren?

Dass sich die Krähen derzeit für die Erdbeerfelder interessieren ist für Erdbeerbauer Rolf Enderle keine Überraschung. Er glaubt nicht an den Erfolg einer solchen Aktion, kann sich aber vorstellen, warum Kollegen von ihm zu solchen Mitteln greifen. „Wir haben die frischen Erdbeerpflanzen fürs nächste Jahr gesetzt. In den ersten zwei Wochen sind die Pflanzen noch nicht richtig angewachsen. Die Krähen ziehen die Pflänzchen aus dem Boden, weil sie darunter Würmer und Käfer finden.“ Enderle reagiert auf den Schaden nicht damit, Krähen zu schießen und aufzuhängen.

„Wir konzentrieren uns darauf, die kahlen Stellen nachzupflanzen. Viel mehr kann man nicht tun.“ In diesem Jahr sei der Schaden nicht ungewöhnlich groß. Er rechnet damit, dass seine Arbeiter etwa zusätzliche 80 Stunden aufwenden müssen, um die Schäden zu beheben.

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Suche nach der Todesursache läuft

Die Polizei hat inzwischen dafür gesorgt, dass die Vogelkadaver von Mitarbeitern des Durmersheimer Bauhofs von ihrem Galgen abgehängt und zur Untersuchung ins Chemische- und Veterinäruntersuchungsamt gebracht wurden. „Wichtig ist zunächst, herauszufinden, wie die Tiere zu Tode gekommen sind und um welche Art von Krähe es sich handelt“, erklärt ein Sprecher des Polizeipräsidiums Offenburg.

Stellen die Veterinäre fest, dass geschützte Saatkrähen getötet und aufgehängt wurden, hat sich der Unbekannte strafbar gemacht. Wurden hingegen zwei der von August bis Februar zum Abschuss freigegebenen Rabenkrähen von einem zugelassenen Jäger erlegt, bleibt Maggie Pelzers grausiger Fund juristisch folgenlos. „Es gibt kein Gesetz, das das verbieten würde“, räumt der Polizeisprecher ein.
Er rechnet damit, dass es einige Wochen dauern könnte, bis man von den Veterinären ein Untersuchungsergebnis bekommt. Bis dahin laufen die Ermittlungen auf Sparflamme. Den örtlichen Jagdpächter hat man aber dennoch schon mal gefragt. „Er sagt, er wisse von nichts“, erklärt die Polizei.

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