Mit den Plänen: Bei der Waldbegehung machte man in Iffezheim an fünf Stationen Halt. Die Bestandsaufnahme hatte nicht nur die Zukunft des Forsts im Blick, auch die Gefahren wurden erläutert.
Mit den Plänen: Bei der Waldbegehung machte man in Iffezheim an fünf Stationen Halt. Die Bestandsaufnahme hatte nicht nur die Zukunft des Forsts im Blick, auch die Gefahren wurden erläutert. | Foto: Holbein

Waldbegehung in Iffezheim

Trockenheit und Wildverbiss bereiten Sorgen

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Von der Klimaerwärmung und der langen Trockenheit war an diesem Freitag-Märznachmittag, an dem sich der Iffezheimer Gemeinderat zusammen mit den Verantwortlichen des Iffezheimer Forstes zur Waldbegehung aufmachte, nichts zu spüren. Statt Fahrrad wie üblich, hieß es also einsteigen, und zwar in zwei Fahrzeuge der Feuerwehr Iffezheim, die Bürgermeister Christian Schmid angefordert hatte.

Von unserer Mitarbeiterin Martina Holbein

Auf dem Programm hatte Revierleiter Norbert Kelm nichts weniger, als an fünf Stationen den Mitgliedern des Gemeinderates die Forsteinrichtung für die nächsten zehn Jahre direkt vor Ort zu erläutern. Mit von der Partie war Forsteinrichter Thomas Lehn und von der unteren Forstbehörde im Landratsamt Bezirksleiter Clemens Erbacher. Dass die Oberrheinebene quasi „Frontzone“ des Klimawandels ist, verdeutlichte Thomas Lehn bereits an der ersten Station auf der Hardt.

Bäume sind krank

Dort waren wegen des sandigen Bodens vor Jahrzehnten Kiefern gepflanzt worden, an denen die Schäden durch die lang anhaltende Trockenheit der Sommermonate des vergangenen Jahres jetzt deutlich werden. Die Kronen sind nur noch dünn mit Nadeln besetzt, Misteln verbreiten das meiste Grün, ein Anzeichen dafür, dass die Bäume krank sind, sonst könnten sich die Parasiten in der Form nicht ausbreiten und den Bäumen noch zusätzlich Wasser entziehen. Denn, so Lehn, nur die ersten 20 Zentimeter des Bodens sind feucht, darunter ist es staubtrocken. Es sei angedacht, den Ausfall mit Douglasien, die in der Region großgezogen wurden, aufzuforsten.

Trockenheit lässt Wald leiden

Auch die Buchen, die in vielen Teilen des Iffezheimer Waldes stehen, haben unter der Trockenheit so gelitten, dass sie teilweise die dürren Blätter im Herbst nicht abgeworfen haben. „Das bereitet uns Sorge“, so Thomas Lehn, der die Forsteinrichtung für die kommenden zehn Jahre vorgenommen hatte.

Vier Fünftel des Walds gerodet

Diese Bestandsaufnahme mit zukünftiger Planung hat in Baden-Württemberg eine Tradition, die bis in Jahr 1833 zurückreicht. Damals waren vier Fünftel des heutigen Waldbestandes gerodet und der Aufbau des Waldes das Thema der Stunde. 1850 gab es das erste Landeswaldgesetz und seitdem ist die Pflege des Waldbestandes eine hoheitliche Aufgabe, sprich die Forsteinrichtung der kommunalen Wälder wird vom Land bezahlt.

Baumtriebe zeigen Spuren von Verbiss

Die Trockenheit ist das eine Probleme, der Wildverbiss das nächste. In der Geggenau setzt Revierleiter Norbert Kelm auf Naturverjüngung, doch die jungen Baumtriebe, die sich zwischen dem Laub des Vorjahres emporschieben zeigen deutliche Verbiss Spuren auf.

Verlust der PEFC-Zertifizierung

Der zu hohe Wildverbiss war auch der Grund, warum der Iffezheimer Wald seine PEFC-Zertifizierung verloren hat. Zäune oder Tuben können nur beschränkt helfen, davon sind die Forst-Fachleute überzeugt. Eine strengere Bejagung sei das einzige Mittel, das auf Dauer dem Wald helfe. Aber auch dessen Wirkung zeige sich erst in circa fünf Jahren, so Lehn.

Aufforsten mit Pappeln

Zum Punkt Waldnutzung steuerte die Gruppe den Faschinenwald an, wo ein Altpappelbestand gefällt werden muss. Hier am Rheindamm soll auch wieder mit Pappeln aus heimischen Plantagen aufgeforstet werden. Dazwischen sollen Habitatbäume stehen bleiben, um die Biotope untereinander besser zu vernetzen. Als potenzielles Waldrefugium stellte Norbert Kelm das „Kuckuckswäldchen“ vor, das schon seit einigen Jahren sich selbst überlassen ist, wie das dichte Unterholz erahnen lässt. Es ist Teil einer Liste von möglichen Waldrefugien, für die die Kommune Ökopunkte generieren könnte.

Bäume wurden gefällt

Ein ausgewiesenes Waldrefugium befindet sich ebenfalls direkt am Hochwasserdamm und stellt Norbert Kelm vor Probleme der Verkehrssicherungspflicht. Hier mussten auch schon Bäume gefällt und liegen gelassen werden, die auf den Damm als öffentlichen Weg zu stürzen drohten. Ein kleiner Teil dieses „stillgelegten Waldes, der nach Sturm „Lothar“ nachwuchs, ist mittlerweile „Biber-Erwartungsland“, verriet der Revierförster. In der anschließenden Gemeinderatssitzung beschloss der Gemeinderat die Erneuerung der Forsteinrichtung.