Helmut Kremers (oben rechts) hatte in der Fußball-Saison 1982/83 beim SV 08 Kuppenheim das Sagen. | Foto: pr

Fußball-Prominenz beim SV 08

Weltmeister Helmut Kremers wirkte im Kuppenheimer Wörtelstadion

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Beim SV 08 Kuppenheim gab sich einst die Fußball-Prominenz die Klinke in die Hand. Ein Jahr lang wurde der einstige Fußball-Oberligist von Helmut Kremers trainiert, der 1974 zum deutschen WM-Aufgebot gehörte.

Für mich war das damals der Wahnsinn“, sagt Heiko Klenk. Der Fußball-Torhüter, beim FC Varnhalt in der Bezirksliga aktiv, sah sich vor der Saison 1982/83 nach seinem Wechsel zum damals drittklassigen Oberligisten SV 08 Kuppenheim mit einem Spielertrainer konfrontiert, den er im Normalfall kurz zuvor noch um ein Autogramm gebeten hätte. „Da stand plötzlich im Wörtelstadion der Helmut Kremers vor dir, der in Mönchengladbach, Schalke und Offenbach in der Bundesliga gespielte hatte, der Nationalspieler war und dem Weltmeister-Kader 1974 angehörte“, erinnert sich Klenk an die Situation beim Auftakttraining.

Kremers war ein lockerer Typ, ohne Allüren, sehr menschlich.

                Heiko Klenk, ehemaliger Kuppenheimer Torhüter 

Die Scheu vor dem großen Namen legte sich freilich bald. „Kremers war ein lockerer Typ, ohne Allüren, sehr menschlich, der uns an der langen Leine gelassen hat“, erinnert sich Klenk. Während der junge Rebländer bis dato in seiner Karriere noch nichts mit den Stars der Szene zu tun hatte, konnten die Kuppenheimer Verantwortlichen schon auf einschlägige Erfahrungen verweisen.

Ex-Profis im Wörtelstadion

Der Kremers-Vorgänger war Heinz Stickel (vorher 1. FC Kaiserslautern und VfB Stuttgart). Der aktuelle Spielmacher hieß Klaus Beverungen, der zuvor sein Geld bei den Bundesligisten FC Schalke 04, Eintracht Frankfurt und FC St. Pauli verdient hatte.

Bernhard Hinkelmann, Doktor der Medizin und damals SV 08-Vorsitzender, erläuterte einmal, wie es zu der Verpflichtung von Kremers gekommen war: „Wir haben den Markt genau sondiert und sind dabei auf Kremers gestoßen, der zu einem erschwinglichen Preis zu haben war.“ Trotz eines zahlenmäßig kleinen Kaders lief es unter der Regie des neuen Spielertrainers, der als offensiver Libero agierte, mehr als ordentlich. Kuppenheim hatte in der starken Oberliga nichts mit dem Abstieg zu tun und belegte in der Abschlusstabelle immerhin Platz neun.

Trainer mit Familienanschluss

Für Kremers, vor seinem Kuppenheimer Engagement in der nordamerikanischen Profi-Liga bei den Calgary Boomers unter Vertrag, war im Badischen bestens gesorgt: Hinkelmann: „Er hat bei uns zu Hause gewohnt. Zeitweise hat er auch seine Gattin und die beiden Kinder mitgebracht. Meine Frau Rosi hat dann für alle gekocht.“

Die langen Haare von einst sind bei Helmut Kremers, der in Kuppenheim ohne seinen Zwillingsbruder Erwin auftrat, längst gefallen. | Foto: imago images

Spezielle Freiheiten

Zudem wurden dem prominenten Trainer spezielle Freiheiten eingeräumt. „Nach den Spielen am Samstag ist er nach Gelsenkirchen zu seiner Familie gefahren und erst dienstags wieder zum Training gekommen“, erzählt Klenk, dem eine Besonderheit aufgefallen ist. „Er hatte immer nur seine Fußball-Schuhe dabei. Die restlichen Sport-Utensilien wurden ihm, von wem auch immer, zu Training und Spiel gebracht.“

Für Klenk hätte die Begegnung mit Kremers, der ihn nach Kräften förderte und in Kuppenheim zur Nummer eins machte, weitreichende Folgen für die eigene Karriere haben können. Klenk: „Er vermittelte mir über seinen Freund Rolf Rüssmann ein Probetraining bei Borussia Dortmund. Der BVB suchte einen zweiten Mann hinter Eike Immel. Der Termin stand, doch leider musste ich wegen einer Schulterverletzung absagen. So eine Chance kam nie wieder.“

Der Gegner muss sich nach uns richten.

                 Spiel-Philosophie von Helmut Kremers

Noch etwas fällt Heiko Klenk zum Thema Kremers ein: „Große Spielanalysen gab es nicht. Er hatte da seine eigene Philosophie. Er trichterte uns ein, dass wir uns nicht nach dem Gegner richten müssen, sondern dass der Gegner sich nach uns richten muss.“ Im Zuge der Kremers-Verpflichtung waren weitere Asse aus dem Ruhrpott ein Thema im Wörtel. Gerne hätte man Zwillingsbruder Erwin, ebenfalls Ex-Nationalspieler, verpflichtet. Der Stürmer musste allerdings aus Verletzungsgründen passen. „Auch von der Schalker Legende Aki Lütkebohmert wurde gesprochen. Das war aber wohl finanziell nicht zu stemmen“, vermutet Klenk.

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Engagement nach einem Jahr zu Ende

Obwohl die Chemie zwischen Mannschaft, Vorstand und Trainer stimmte, war das Kapitel Helmut Kremers nach einer Saison dann auch schon wieder beendet. „Er hatte Heimweh, die Trennung von seiner Familie hat ihm überhaupt nicht behagt“, sagt Bernhard Hinkelmann. Gleiches galt im Übrigen für die hiesigen Festlichkeiten. Klenk muss lachen, wenn er an eine Episode zurückdenkt: „Es war Fastnachtszeit und ich wollte ihn einmal zum närrischen Treiben nach Kartung mitnehmen. Damit konnte er aber gar nichts anfangen und hat die Mitfahrgelegenheit dankend abgelehnt.“