Raser auf den Straßen: Zahlreiche Autofahrer schossen bundesweit in den vergangenen Wochen drastisch über das Ziel hinaus. In der Ortenau scheint es dieses Phänomen dagegen nicht zu geben.
Raser auf den Straßen: Zahlreiche Autofahrer schossen bundesweit in den vergangenen Wochen drastisch über das Ziel hinaus. In der Ortenau scheint es dieses Phänomen dagegen nicht zu geben. | Foto: Matthias Balk/dpa

Kaum Reisende wegen Corona

Autofahrer in der Ortenau halten sich trotz leerer Straßen meist an die Verkehrsregeln

Anzeige

Allmählich kehrt der Alltag zurück. Lockerungen stehen an der Tagesordnung von Politikern derzeit weit oben, wobei die Gesundheit nach wie vor oberste Priorität genießt. Lehrer unterrichten wieder in Schulen, Friseure bringen die Haare wieder in Form, bei Autobauern rollen wieder die Bänder. Und so pendelt sich auch der Verkehr auf den Straßen wieder auf ein normales Level ein.

In den vergangenen Wochen gab es so gut wie keine Reisenden und kaum Pendler. Das Coronavirus fegte die Straßen weitgehend leer. Es waren quasi paradiesische Zustände für Autofahrer, um sich so richtig auszutoben. In vielen Regionen in Deutschland schossen einige weit übers Ziel hinaus, die Polizei hatte viel zu tun.

Mehr zum Thema: Corona-Krise führt zu weniger Verkehrsunfällen

Keine Abweichungen zur Zeit vor Corona

Allerdings scheint es nicht überall so gewesen zu sein. Jedenfalls stellt Günther Preis, Leiter des Verkehrskommissariats Offenburg, das für die Ortenau fest. „Es gab keine Abweichungen zur Zeit vor Corona, obwohl Messfahrzeuge unterwegs waren und wir weiter kontrolliert haben“, sagt Preis.

Auf Autobahnen und Landstraßen sei deutlich weniger los gewesen, der Verkehr demzufolge schneller geflossen. „Mehr Raser haben wir nicht festgestellt“, teilt der Beamte mit.

Raser spielen eine eher untergeordnete Rolle

Dem ADAC zufolge spielen Raser in der Region „zum Glück eine eher untergeordnete Rolle im Unfallgeschehen“, sagt Andreas Müller, Leiter der Abteilung Verkehr, Technik und Umwelt in Südbaden. In Großstädten in Bayern und Berlin scheint es dieses Phänomen eher zu geben.

Bei illegalen Autorennen sieht es ähnlich aus. In anderen Gegenden gab es einen massiven Anstieg während Corona. „Im Bereich des Verkehrskommissariats Offenburg kam es zu ein bis zwei Hinweisen“, berichtet Preis. Das sei nicht mehr als sonst.

Mehr zum Thema: A8 bei Pforzheim in der Corona-Krise: Raser nutzen die freie Fahrbahn aus

 

20 Prozent der beanstandeten Autofahrer mussten ihren Führerschein abgeben

Ohne es auszusprechen, lobt er damit gewissermaßen die Autofahrer in der Ortenau. Einzige Auffälligkeit: Von den Autofahrern, die sich nicht an die Regeln gehalten haben, mussten Preis zufolge 20 Prozent ihren Führerschein abgeben, weil sie zu schnell gefahren sind. Das gehe aus Messungen während der Corona-Zeit hervor, wirklich Vergleiche zu Vorjahren und damit Aufschlüsse ließen sich aber nicht ziehen.

Die Unfälle sind signifikant gesunken

Günther Preis,  Leiter des Verkehrskommissariats Offenburg

Einen positiven Trend beobachtet das Polizeipräsidium auch bei der Sicherheit. „Die Unfälle sind signifikant gesunken“, sagt der Leiter des Verkehrskommissariats Offenburg. Während es im Februar in den Landkreisen Ortenaukreis und Rastatt sowie im Stadtkreis Baden-Baden noch ungefähr so viele Unfälle und dabei Verletzte wie im Durchschnitt der Vorjahre gab, ging deren Anzahl im März und April deutlich zurück. So krachte es in den beiden Monaten nicht mal halb so oft und entsprechend weniger Verletzte registrierte das Präsidium.

Eine wesentliche Entspannung im Straßenverkehr registrierte auch der Automobilclub. Rücksichtsvoller und entspannter seien die Autofahrer laut Müller gefahren. Außerdem hätten viel mehr Leute das Rad für sich entdeckt.

Deren Unfälle veränderte sich verglichen mit dem Vorjahr indes nicht. Zwischen Februar und April starben insgesamt fünf Verkehrsteilnehmer, davon drei Radfahrer, teilt das Polizeipräsidium mit.

Auch interessant: Corona lässt den Verkehr auch an Baustellen in und um Karlsruhe fließen

Berufsfahrer nähern sich wieder dem Niveau vor Corona

Mit dem Ende vieler Einschränkungen normalisiert sich der Straßenverkehr wieder. Schon jetzt nähern sich laut Preis die Berufsfahrer wieder dem Niveau vor Corona. Am Wochenende erkennt er aber noch immer einen klaren Unterschied. Da hierbei ebenfalls damit zu rechnen ist, dass bald mehr Autos den Asphalt füllen, blickt der Polizist realistisch in die Zukunft. „Es wird wieder mehr Unfälle geben“, sagt er.

Um die Autofahrer davon abzuhalten, sich nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzungen zu halten, wurde der Bußgeldkatalog aktualisiert. Unter anderem müssen Verkehrssünder den Führerschein jetzt für einen Monat abgeben, wenn sie innerorts 21 oder außerorts 26 Kilometer pro Stunde schneller als erlaubt geblitzt worden sind.

Außerdem werden Vergehen deutlich teurer. „Das war überfällig, die Strafe muss finanziell wehtun“, sagt Preis. Für die Verkehrssicherheit sei es absolut richtig gewesen. Zumal die Strafen im Vergleich zum Ausland deutlich milder gewesen seien.

Für den ADAC gehen die Änderungen in die richtige Richtung. „Allerdings sollte mit Augenmaß und Vernunft eine Unterscheidung stattfinden, indem zum Beispiel nach wie vor eine Geschwindigkeitsübertretung in Höhe einer Schule oder Kindertagesstätte härter bestraft wird als der gleiche Verstoß auf einer Schnellstraße oder Autobahn“, erklärt Müller.