Ernste Mienen: Infrastruktur-Dezernent Michael Loritz, Klinik-Geschäftsführer Christian Keller und Landrat Frank Scherer | Foto: hrd

Ende der Standortdebatte?

Die Mühen der Ebenen bei der Klinikreform im Ortenaukreis

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Das nennt man wohl die Mühen der Ebenen. Vier Stunden lang diskutierte der Krankenhausausschuss des Kreistags in Offenburg über die Details der Klinikreform. Da man anschließend auch nichtöffentlich noch eine Menge vorhatte, reichte die Verwaltung Kuchen und Schnittchen – um die Kreisräte bei Kräften und bei Laune zu halten. Heraus kam das von Klinik-Geschäftsführer Christian Keller und Landrat Frank Scherer Gewünschte: Klare Beschlüsse für den Holderstock als Standort für das neue Großklinikum in Offenburg sowie für die Zukunft der Häuser in Oberkirch und Gengenbach.

Am Lack gekratzt

Allerdings mussten die Oberkircher erfahren, dass die Offenburger, wiewohl klare Profiteure der Reform, den Bemühungen des Kreises um eine vernünftige Folgenutzung für das Haus im Renchtal sofort kritisch entgegen stehen, sollte dem Offenburger Klinikum auch nur am Lack gekratzt werden. Es dürfe, so mahnte Martina Bregler (SPD, Offenburg) keinesfalls die Zertifizierung der Offenburger Unfallchirurgie zum Überregionalen Traumazentrum in Frage gestellt werden.

Beschluss mit Vorbehalt

Ein entsprechender Vorbehalt wurde in den Beschluss zur Verlegung der ambulanten Reha aus Achern und Offenburg nach Oberkirch bis 2023 aufgenommen – obwohl das Statement des eigens angereisten Chefarztes Eike Mrosek nicht unbedingt Anlass zu tiefer Sorge geben musste: Die Reha am Standort der Unfallklinik sei „ein nicht ganz unnützer Zacken in der Krone“, falle sie weg, sei das „nicht mehr so luxuriös“.

Risiken und Chancen

Geschäftsführer Keller warnte unterdessen davor, nun bei jedem der zahlreichen anstehenden Schritte eine vergleichbare Debatte anzustrengen: Das Verschieben von Abteilungen in andere Häuser sei selbstverständlich mit Risiken ebenso wie mit Chancen behaftet – „das werden wir jetzt ganz oft haben“.

Wenig Zuhörer

Recht überschaubar war die Zahl der Zuschauer angesichts der harten Auseinandersetzungen, die es im Vorfeld der Sitzung insbesondere um den Standort des künftigen Offenburger Großklinikums gegeben hatte. Und so erlebte nur eine Handvoll Bürger mit, wie der Ausschuss für Gesundheit und Kliniken, wie er inzwischen offiziell heißt, damit begann, die Debatte um die Krankenhausreform wieder vom Kopf auf die Füße zu stellen – mit einer sachlichen und rationalen Beratung, in der die Kritiker der Reform selbst zunehmend Kritik auszuhalten hatten.

Dissens in der FDP

Das galt namentlich für die Freien Demokraten, bei denen ein einziger Kreisrat seit Monaten für möglichst heftigen Gegenwind aus dem Renchtal sorgt – und sich zunehmend isoliert. „Sie wissen, dass da gerade aus Teilen der FDP etwas komische Töne gekommen sind in den letzten Wochen, von denen ich mich hier distanzieren möchte“, sagte Eberhard von Hodenberg, Sprecher der Liberalen im Krankenhausausschuss.