Erneuter Rückschlag: Der Ortenaukreis kommt mit seinen ambitionierten Breitband-Plänen nicht voran. | Foto: Kasper

Unternehmen springen ab

Dritter Anlauf für die Breitbandversorgung im Ortenaukreis

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Nicht so richtig voran kommen die Bemühungen des Ortenaukreises um die Installation eines flächendeckenden Breitbandnetzes. Zuletzt hatte man im Landratsamt vor etwas mehr als einem Jahr nach der Notbremse gegriffen und das eher schleppende Verfahren durch eine Neuregelung zu beschleunigen versucht: Der Kreis verabschiedete sich vom Vorhaben, ein eigenes Netz zu bauen und suchte einen Partner aus der Wirtschaft. Auch wenn es niemand laut sagte: Gemeint war damit natürlich in erster Linie Branchenriese Telekom. Doch der Plan scheiterte.

Gewagte Konstruktion scheitert

Wer sich um den Netzbetrieb bewirbt, so hieß es seinerzeit, der müsse sich damit auch einverstanden erklären, sein Netz in das Konstrukt einzubringen – unabhängig davon, ob er letztlich den Zuschlag erhält oder nicht. Eine mutige Rechnung, die allem zur Schau getragenen Optimismus zum Trotz nicht aufging: Weil potenzielle Betreiber nach und nach abgesprungen sind, muss neu ausgeschrieben werden.

Bundesförderung attraktiver

Durch die Vorteile der gegenüber der Landeszuschüsse inzwischen attraktiveren Bundesförderung erhoffe man sich mehr Nutzer und dadurch für Betreiber größere Anreize. Der Aufsichtsrat der Breitband Ortenau GmbH & Co KG hat am Montag einstimmig beschlossen, Betrieb und den Bau des Breitbandnetzes Ortenau neu auszuschreiben, um mehr Bewerber anzusprechen und die Vorteile der attraktiveren Bundesförderung nutzen zu können, wie der Kreis in einer Pressemitteilung erklärte.

Wenig Interesse privater Netzbetreiber

In ländlichen Regionen wie der Ortenau hätten private Netzbetreiber wenig Interesse, Breitband-Internetanschlüsse in weiter entfernte und dünn besiedelte Gegenden zu verlegen. Deshalb habe sich der Ortenaukreis im vergangenen Jahr mit seiner Breitband Ortenau GmbH & Co KG, der 46 Kommunem im Kreis angehören, auf den Weg gemacht, durch den Einsatz öffentlicher Finanzmittel den Landkreis flächendeckend mit schnellem Internet zu versorgen. Nach dem Abschluss der Planungen für die Ortsnetze und das sogenannte „Kreis-Backbone-Netz“, also der Verbindungen zwischen den Kommunen, wurde im vergangenen Jahr in Abstimmung mit dem Land Baden-Württemberg der Bau und Betrieb des kommunalen Breitband-Netzes zusammen ausgeschrieben. Zu diesem Zeitpunkt betrug die voraussichtliche Landesförderung bis zu 60 Prozent.

Glasfaser für Privathaushalte

„Jetzt hat der Bund im Frühjahr die Fördermittel noch einmal deutlich aufgestockt“, so Landrat Frank Scherer als Aufsichtsratsvorsitzender der Breitband Ortenau GmbH. „Die Hälfte der förderfähigen Kosten des Glasfaserausbaus bis in jedes unterversorgte Gebäude trägt der Bund und das Land gibt nochmals 40 Prozent hinzu. Selbst wenn dabei die voraussichtlichen Pachteinnahmen des Kreises und der Kommunen anzurechnen sind, sind diese Rahmenbedingungen auch mit Blick auf den geförderten technischen Ausbaustandard, also Glasfaser für Privathaushalte und Gewerbe, deutlich attraktiver. Das wollen wir nutzen“, sagt Scherer.

Potente Bewerber zogen zurück

Hinzu kommt allerdings, dass zuletzt auch potente Bewerber ihre Bewerbung auf die laufende Ausschreibung zurückgezogen haben, weil sie ihre Ressourcen auf lukrativere Ballungsräume und den 5G-Ausbau konzentrieren wollen, wie das Landratsamt weiter mitteilt. In anderen Landkreisen sei dies ebenfalls der Fall. Durch die nun von der Netzerrichtung getrennte Ausschreibung des Netzbetriebs erhofft sich die Breitband Ortenau ein breites Bewerberfeld. Der neue Zeitfahrplan werde jetzt erarbeitet und umgehend kommuniziert.

Vectoring der Telekom als Konkurrenz

2018 wurden 4,5 Millionen Euro Landesfördermittel zugesagt. In 23 Kommunen wurden damit mehrere größere und kleinere Ausbaumaßnahmen begonnen oder geplant. Weitere seien in Vorbereitung. Das Engagement des Kreises hatte auch dazu geführt, dass beispielsweise die Telekom zuletzt dazu übergegangen war, Haushalte mit der sogenannten Vectoring-Technik besser zu versorgen.

Lassahn weiter optimistisch

Davon hatten unter anderem weite Teile der Acherner Kernstadt profitiert, wo es zum Teil nur Geschwindigkeiten um oder unter zehn Mbit pro Sekunde gegeben hatte. Peter Lassahn, Geschäftsführer der Breitband Ortenau GmbH: „Den Zeitverlust bei der Suche nach einem Betreiber machen wir insofern wett, als die Kommunen mit der neuen Förderung jetzt die Möglichkeit haben, ihren Ausbau bei gleichbleibendem Budget schneller voranzubringen.“

Der Landrat irrte

Im Frühjahr 2018 hatte Landrat Frank Scherer noch die Vorteile der jetzt aufgehobenen Verfahrensweise gepriesen: „Wir können uns bei dieser Form der Ausschreibung entspannt zurücklehnen.“ Da irrte er.