WELTMEISTERTEAM 2018 MIT GOLDSCHEUERER ATHLETEN: Philipp Berl, Christian Egg, Martin Higel, Silvio de la Jara, Trainer Daniel Fien (alle Goldscheuer), Martin Schindler, Markus Hug, Raphael Stratz (alle Simonswald, von rechts). Im Vordergrund Coach Walter Freter (ebenfalls Goldscheuer). | Foto: SF Goldscheuer

Internationales Turnier

Goldscheuer ist die Hochburg der Tauzieher

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Der Kehler Stadtteil Goldscheuer wird am Wochenende 15./16. Juni zur Pilgerstätte für die Tauzieher. Die Sportfreunde Goldscheuer feiern ihren 70. Geburtstag, und die äußerst erfolgreiche Tauzieh-Abteilung veranstaltet deshalb auf dem Sportgelände ein internationales Turnier.

Wir erwarten 700 Athletinnen und Athleten. Viele von ihnen haben Weltklasseformat!

„Wir erwarten über die beiden Tage rund 700 Athletinnen und Athleten, viele von ihnen haben Weltklasseformat“, berichtet Daniel Fien. Bei ihm laufen die Fäden in Sachen Organisation zusammen. Der 34-Jährige stammt aus einer Dynastie von Tauziehern. „Ich bin inzwischen die dritte Generation“, sagt er nicht ohne Stolz, früher waren es Opa und Vater, jetzt seien sein Bruder und er aktiv. Manche gehen ins Fitness-Studio, andere, wie Fien, eben zum Tauziehen.

Sportart mit vielen Komponenten

Diese Sportart setze sich aus vielen Komponenten zusammen – es benötigt Kraft ebenso wie Ausdauer, die Athleten müssen Teamgeist mitbringen, müssen buchstäblich in der Lage, an einem Strang zu ziehen. „Das alles macht es so faszinierend.“ Fien ist zigfacher deutscher Champion und holte mit der Nationalmannschaft mehrere internationale Titel. Zuletzt gewann Team Deutschland 2018 die Weltmeisterschaft in der Klasse 560 Kilogramm.

Tauzieher der SF Goldscheuer sind Vereinsweltmeister

Den Kehler Vorstädtern gelang voriges Jahr noch ein weiterer Coup: Sie wurden in Kapstadt/Südafrika Vereinsweltmeister in der Klasse bis 560 Kilogramm. National- wie Vereinsteam werden, wie sollte es auch anders sein, von Daniel Fien trainiert. Schaut man auf die sportliche Landkarte, fällt auf, dass diese Variante des Kraftsports vor allem im Süden der Republik beheimatet ist.

Viele Clubs im Raum Freiburg/Hochschwarzwald

„Wir sind der nördlichste Verein in der Bundesliga“, meint Fien. Eine ganze Reihe Tauziehclubs findet sich im Raum Freiburg/Hochschwarzwald – zum Beispiel in Simonswald (stellt mit Goldscheuer das Nationalteam), Denzlingen oder in Kirchzarten-Dietenbach, in Böllen oder auch in Eschbachtal. Das Tauziehen ist, wie die meisten Sportarten auch, organisiert. In Deutschland vereint der Deutsche Rasenkraftsport- und Tauzieh-Verband (DRTV) die Sportler unter seinem Dach.

Tauziehen war von 1900 bis 1920 olympische Sportart

Es gibt Wettkämpfe in der Halle ebenso wie draußen – und das in unterschiedlichen Gewichtsklassen. Eine Mannschaft umfasst normalerweise acht Tauzieher. Dazu kommt eine Ersatzperson, die laut Reglement leichter sein muss, als diejenige, die ausgewechselt wird, ebenso ein Coach, der die zentralen Kommandos gibt und ein Betreuer. Das Wettkampfseil hat draußen eine Länge von 33,5 bis 35 Meter, in der Halle – je nach Gebäudegröße – 32 bis 35 Meter. Von 1900 bis 1920 war Tauziehen sogar olympische Sportart.

Mutterland in Europa ist England

Mutterland des Tauziehens in Europa ist England, überhaupt geben sich die Bewohner der Britischen Inseln gegenüber dieser Form der Körperertüchtigung sehr affin. „Tauziehen gibt es zum Beispiel auch in Irland, Wales oder Schottland“, berichtet Fien. Die Iren hätten bereits gemeldet. Klassische Tauzieh-Nationen auszumachen sei schwer, so Fien, „es ist eine Randsportart.“ Doch bei der Suche nach Ländern, in denen Tauziehen gepflegt wird, führt der Weg auf jeden Fall in die Schweiz.

Schweizer sind überzeugte Tauzieher

Dort gibt es mit zehn bis zwölf Clubs zwar nicht mehr als in Deutschland, aber sie habe enorme Qualität und dazu kommt eine zahlenmäßig starke Nationalmannschaft. Und in Engelberg sitzt der erfolgreichste Schweizer Verein in Sachen „Seilziehen“, der 2017 ein großes Turnier ausrichtete. Vor diesem Hintergrund freuen sich die Badener, dass am 15./16. Juni auch eidgenössische Sportler am Start sind – zusammen mit Italienern, Holländern, Schweden, Belgiern, Basken und Deutschen. „In der Summe sind es 50 Clubs aus zehn Nationen, die zusammen 135 Mannschaften in sechs Gewichtsklassen aufbieten“, so Fien. Zu Frauen- und Männerteams gesellen sich gemischte und U23-Mannschaften.

Ein bisschen vergleichbar mit einem Ruder-Achter.

Die Wettkampfsaison spielt sich schwerpunktmäßig im Freien ab. Die Goldscheuerer beginnen mit dem richtigen Training Ende Februar/Anfang März. Da geht es dann ans Seil, zwei- bis dreimal pro Woche wie Daniel Fien erläutert. In den Wintermonaten haben sich die Sportler individuell vorbereitet, „dazu gehört Krafttraining, zum Beispiel mit der Hantel, ebenso wie die Grundlagen-Ausdauer-Schulung durch Laufen“, erklärt der Experte.

Auf die mannschaftliche Geschlossenheit kommt es an

Wichtig sei aber vor allem das Teamtraining, denn wenn die Sportler untereinander nicht harmonieren, ist kein Blumentopf zu gewinnen. „Ein bisschen kann man das mit dem Ruder-Achter vergleichen“, berichtet Fien, der vor zwei Jahren, vor seiner Teilnahme an den World Games im polnischen Breslau, sogar schon für die Onlineausgabe der „Zeit“ interviewt wurde.

GUTER HALT ist beim Tauziehen sehr wichtig. Die Schuhe haben keine Stollen. | Foto: SF Goldscheuer

So wie die Ruderer ihre Schläge im Gleichtakt setzen müssen, arbeiten die Tauzieher bei den Schritten synchron. Ganz hinten steht der Ankermann, der einzige, der das Seil um den Körper geschlungen hat. Davor gibt es sieben weitere Positionen. Deren Besetzung muss gut überlegt sein, um die optimale Zugkraft herauszuholen. Es gehört viel Taktik dazu, ebenso Technik und natürlich körperliche Fitness.

Keine Ansammlung dicker Männer

Tauziehen sei so vielseitig wie faszinierend, sagt Fien. Eines sei die Sportart definitiv nicht: Eine Ansammlung großer, dicker Männer. Die Mehrzahl der Athletinnen und Athleten sei sehr gut durchtrainiert.

Beim Turnier auf dem Sportplatz der SF Goldscheuer wird in sechs Kategorien gezogen. Samstag, 15. Juni: Männer, 700 Kilogramm, 11 bis 15 Uhr; Frauen, 520 Kilogramm, 13 bis 15 Uhr. Sonntag, 16. Juni: Mix-Teams, 580 Kilogramm, 9.30 bis 12 Uhr. U23, 450 Kilogramm, 10 bis 12 Uhr. Männer 640 Kilogramm, 13 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.