Ökoppunkte für Waldkalkungen - das Land hat das lukrative Modell im Ortenaukreis erst einmal gestoppt. | Foto: Stefan Thomas

Waldkalkungen belohnt

Land stoppt lukrativen Deal mit Ökopunkten im Ortenaukreis

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Manchmal lohnt es sich, auch dicke Bretter zu bohren. Nach sechs Wochen intensiven Nachdenkens hat das Umweltministerium in Stuttgart die einzig im Ortenaukreis praktizierte Waldkalkung zur Erzeugung von so genannten Ökopunkten gestoppt. Dazu bedurfte es allerdings einiger Überzeugungsarbeit. Die hat das Zukunftsforum Natur und Umwelt Ortenau in den vergangenen Monaten geleistet.

Noch Ende September hatte Karl-Heinz Lieber, Abteilungsleiter für Naturschutz im Stuttgarter Umweltministerium, in einem mehrseitigen Schreiben die durchaus kreativ anmutende Auslegung der entsprechenden Vorschriften durch den Ortenaukreis verteidigt. Jetzt hat das Land seine Meinung geändert. Nach einem „klärenden Gespräch“ unter Beteiligung des Kreises in Stuttgart sei festgehalten worden, dass der Kreis bis auf Weiteres die auf diese Weise „erzeugten“ Ökopunkte den Kommunen nicht mehr anerkennen werde.

Zahlreiche Abgeordnete angeschrieben

Bewegung in die Sache hat möglicherweise der Umstand gebracht, dass das Zukunftsforum die Angelegenheit an die ganz große Glocke gehängt hatte. Nach dem ersten, erfolglosen, Schreiben hatte man sich unter anderem an die Bundestagsabgeordneten aus dem Südwesten sowie die Mitglieder der Umweltausschüsse in Land- und Bundestag gewandt und die Situation in der Ortenau geschildert.

Kreis zum Gespräch in Stuttgart

Was folgte, war besagtes Gespräch in Stuttgart und die feste Absicht der Landesregierung, die Liste der Kompensationsmaßnahmen zu überarbeiten, mit denen Ökopunkte erzielt werden können. Diese dienen bekanntlich dem Ausgleich nach Eingriffen in Landschaft und Natur – und sind handelbar. Dabei werden teilweise erhebliche Erlöse erzielt, die, wie das von Bürgern aus der Region getragene Zukunftsforum immer wieder betont hatte, in keinem Verhältnis zu den Kosten für die Waldkalkung stehen.

Ende der Geldvermehrung

Eine Maschine zur Geldvermehrung gewissermaßen, die jetzt erst einmal still stehen muss. Das hat nicht nur Begeisterung ausgelöst: Hatte das Land im September noch mit einem mehrseitigen Schreiben ausschweifend die Rechtslage beschrieben um letztlich zu dem Schluss kommen, dass der Kreis bauplanungsrechtliche Ökopunkte so generieren könne weil (im Gegensatz zu den naturschutzrechtlichen) keine abschließende Liste der erlaubten Maßnahmen vorliege, so ist der jüngere Brief deutlich wortkarger. Er endet mit der Feststellung, dass das Land sich seiner Verantwortung „für Natur und Landschaft bewusst“ sei und entsprechend handle.

Maßnahme läuft seit mehr als zehn Jahren

Ähnlich knapp die Stellungnahme von Nikolas Stoermer, Erster Landesbeamter im Offenburger Landratsamt. Die Wirksamkeit der Kalkungsmaßnahmen werde derzeit von der Forstlichen Versuchsanstalt in Freiburg evaluiert. Das Ergebnis werde im Laufe des Jahres erwartet, heißt es, verbunden mit dem Hinweis, dass die „Kompensationsmaßnahme“ seit mehr als zehn Jahren laufe.