OB-Wahl Offenburg Marco Steffens
Ausblick in die Menge: Anne und Marco Steffens nach der Bekanntgabe des Wahlergebnisses in Offenburg. Rund 1 500 Bürger gratulierten. Steffens wird sein Amt am 3. Dezember antreten. | Foto: Christian Schäfer

Viel Arbeit für neuen OB

Marco Steffens will kommunalen Ordnungsdienst für Offenburg

Anzeige

5,4 Prozent für die AfD! Dies ist einen Tag nach dem überraschenden Sieg von Marco Steffens (CDU) bei der Oberbürgermeisterwahl in Offenburg vom 14. Oktober die vielleicht zentrale Nachricht. Sie versöhnt das traditionell liberale Bürgertum der „Freiheitsstadt“ wieder mit einem Wahlergebnis, dass man in dieser Deutlichkeit allenfalls in den letzten Tagen vor dem Urnengang kommen sah und das dennoch alle überrascht zurückließ – Gegner wie Anhänger des 40 Jahre jungen Willstätter Bürgermeisters, der in den kommenden acht Jahren die Geschicke im Offenburger Rathaus lenken wird.

Probleme einer prosperierenden Kommune

Dass ihm die Arbeit nicht ausgeht, dafür ist gesorgt. Offenburg, das rasant die Marke von 60 000 Einwohnern überschritten hat, leidet an den typischen Problemen einer prosperierenden Kommune dieser Größe: Verstopften Straßen, Fachkräftemangel und einem überhitzten Immobilienmarkt. Die Erwartungen an den künftigen OB sind entsprechend hoch.

5,4 Prozent als Erfolg verkündet

Das Wahlergebnis in Offenburg wirkt weit über die Ortenau hinaus. Hatte sich doch mit Ralf Özkara zum ersten Mal im Südwesten ein prominenter AfD-Politiker um ein OB-Amt beworben. Dass er mit 5,4 Prozent nach Hause geschickt wurde, versuchte noch am Sonntag der Pressesprecher der Partei in der Ortenau, Taras Maygutiak, in einen Erfolg umzudeuten. Man habe es auf diese Weise geschafft, das Thema Sicherheit ins Zentrum des Wahlkampfs zu rücken, verkündete er per Pressemitteilung. Der Vorsitzende der AfD-Landtagsfraktion, Bernd Gögel, sprach hingegen von einem „sehr enttäuschenden Ergebnis“. Es zeige, dass Kommunalwahlen auf ganz anderer Ebene stattfinden würden und weniger mit Landes- und Bundesebene zu tun hätten. Man müsse sich in Zukunft wohl überlegen, wo man im Kommunalbereich tatsächlich antrete und mit welchem Personal.

Steffens will sich für Ordnungsdienst einsetzen

Tatsächlich hatte der Wahlkampf eine Debatte darüber gebracht, ob Offenburg einen kommunalen Ordnungsdienst braucht – ausgestattet mit Befugnissen ähnlich wie die Polizei. Steffens hatte bereits früh angekündigt, sich dafür einzusetzen: „Ich war überrascht, von Ihnen zu hören, dass Sie sich nicht sicher fühlen“. Auch die von OB Edith Schreiner lange abgelehnte Videoüberwachung will der neue OB einführen – allerdings nur an Brennpunkten. Die gibt es durchaus in Offenburg. Zwar hatte der brutale Tod eines Arztes Mitte August bundesweit für Schlagzeilen gesorgt, doch das Problem der Alltagskriminalität, die langsam auch auf sicher geglaubte Viertel übergreift, existiert schon länger.

Amtsantritt ist am 3. Dezember

Einzelne Gebiete, beispielsweise der Pfählerpark in Bahnhofsnähe, werden von vielen Bürgern, zumal nach Einbruch der Dunkelheit, gemieden. Die Polizei hat zuletzt konsequent eingegriffen, aber auch klargestellt, dass sich die Situation gerade in den Offenburger Grünanlagen nur mit Unterstützung der Kommune auf Dauer kontrollieren lässt. Andernfalls ziehe die Szene nur von einem Park in den anderen. Der neue OB hat also gut zu tun. Am 3. Dezember tritt er sein Amt an.

32,9 Prozent für zweiten Favoriten

In Offenburg galt Steffens zwar durchaus als einer der Favoriten, doch man hatte mit einem zweiten Wahlgang am 28. Oktober gerechnet, da sich insgesamt sechs Kandidatinnen und Kandidaten eingefunden hatten. Steffens hatte 52 Prozent der Stimmen erhalten, 32,9 Prozent gingen an den zweiten Favoriten, den Kölner Sozialdezernenten Harald Rau. Keine Rolle beim Ergebnis spielten die Landschaftsarchitektin Frauke Brudy mit 1,6 Prozent der Stimmen und der Kehler Malermeister Bernhard Halter, der bei 0,3 Prozent landete.