Telefonseelsorge
TELEFONISCHEN RAT wegen des Coronavirus oder den damit einhergehenden Einschränkungen suchten im März viele Menschen. | Foto: Daniel Reinhardt/dpa

Beratung und Seelsorge

Sorgen rund um Corona: Telefon-Hotlines in der Ortenau zählen mehr Anrufer

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Der Draht aus der Isolation und der Extremsituation „Corona“ heraus läuft heiß: Die verschiedenen telefonischen Anlaufstellen für Ratsuchende in der Ortenau verzeichnen mehr Anrufer als in anderen Zeiten. Knapp 1.000 Gespräche hat beispielsweise die Telefonseelsorge Ortenau-Mittelbaden im März entgegengenommen – das waren 15 Prozent mehr als im März 2019.

Das Coronavirus sei in der Mehrheit, nämlich in etwa einem Drittel der Anrufe das Thema, sagt die Psychologin Elke Wahl, die die Telefonseelsorge mit der Pastoralreferentin Antke Wollersen leitet. Weitere häufige Themen seien Einsamkeit, konkrete Ängste, die durch Bilder in Medienberichten über das Virus hervorgerufen würden, aber auch Konflikte mit anderen Menschen oder Beziehungssorgen.

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Die meisten Anrufer sind mehr als 50 Jahre alt

„Die Telefonseelsorge ist immer sehr nachgefragt, jetzt sind allerdings die Leitungen mehr mit Ehrenamtlichen besetzt als sonst“, sagt Elke Wahl. Von den Anrufern seien mehr als 60 Prozent zwischen 50 und 79 Jahre alt; in der Chat-Seelsorge, die ebenfalls angeboten wird, seien 70 Prozent der Teilnehmer 15- bis 30-Jährige.

Das Risiko für häusliche Gewalt wird absehbar steigen.

Ullrich Böttinger, Leiter des Amts für Soziale und Psychologische Dienste

Auch das Landratsamt hat eine Hotline eingerichtet, nachdem sich unter der Rufnummer des Gesundheitsamts Fragen im Bereich der psychischen Belastung gehäuft hatten. „Dieses Angebot läuft seit etwa einer Woche, in der Zeit gab es ungefähr 50 Anrufe“, sagt Ullrich Böttinger, Leiter des Amts für Soziale und Psychologische Dienste.

Er macht unter den Anrufern drei Gruppen aus: erstens Menschen mit Ängsten vor dem Virus selbst und vor einer Ansteckung, zweitens Menschen, für die durch die Kontaktregelungen die familiäre Situation zu Hause problematisch wird („Das Risiko für häusliche Gewalt wird absehbar steigen“) und drittens Menschen mit alltagsbezogenen Fragen, etwa zum Homeoffice parallel zur Kinderbetreuung.

Von Coronavirus-Ängsten bis zu Alltagsfragen

„Beim Thema Angst muss man den Leuten auch sagen, dass das nicht unbedingt pathologisch ist: Ängste sind real und können positiv sein, indem sie uns zum Beispiel hindern, etwas zu tun“, sagt Böttinger. Man dürfe der Angst aber nicht den ganzen Tag „zugestehen“ und sich zwar über die Situation informieren, aber auch nicht ununterbrochen Nachrichten verfolgen.

Alle Beratungsstellen des Kreises sind weiter telefonisch erreichbar; bei Bedarf vermitteln Experten der Psychologischen Beratungsstellen in der Ortenau über die Hotline an andere Einrichtungen weiter.

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Auch das Sorgentelefon des Kinderschutzbundes, Kreisverband Ortenau, wird seit der Schließung von Schulen und Kitas häufiger und auch länger genutzt als üblich. Problematisch sei etwa, dass unter anderem der „begleitete Umgang“ von Kindern und Eltern nach deren Trennung, den der Kinderschutzbund anbietet, eingestellt wurde, berichtet Mitarbeiterin Dana Flößer.

Die Anfragen drehen sich aktuell häufig um Konflikte in der Erziehung, um Eltern, die fürchten, ihre Kinder anzustecken, oder auch Großeltern, die sich um ihre Enkel sorgen.

Telefonseelsorge Ortenau-Mittelbaden: 24 Stunden täglich, (08 00) 1 11 01 11 oder (08 00) 1 11 02 22, Chat unter www.telefonseelsorge.de.
Hotline Psychologische Beratung Corona des Landratsamts: Montag bis Freitag 9 bis 12 Uhr und von 13 bis 16 Uhr, (0 78 21) 91 57 25 57.
Sorgentelefon des Kinderschutzbundes, Kreisverband Ortenau: Montag bis Freitag vormittags, Dienstag bis Donnerstag nachmittags bis zum Ende des Osterferien am 17. April, (07 81) 4 33 38, kinderschutzbund-og@t-online.de, www.kinderschutzbund-ortenau.de.