Docht umgeben von Wohnbebauung ist das Offenburger Krankenhaus. Für den Neubau werden 20 Hektar Fläche benötigt. | Foto: rbu

Kreis gerät unter Zeitdruck

Standort für Offenburger Großklinikum scheitert vermutlich am Bahnhalt

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Es könnte eng werden für die als „Agenda 2030“ angekündigte große Klinikreform des Ortenaukreises. Nach Informationen dieser Zeitung steht der von der Kreisverwaltung favorisierte Standort in Windschläg vor dem Aus. Die Alternative, das von der Stadt vorgeschlagene Gelände „Nördlich Holderstock“ zwischen den Offenburger Stadtteilen Bohlsbach und Bühl, wäre zumindest in strategischer Hinsicht zweite Wahl. Am Dienstagabend wollte die Offenburger Stadtverwaltung den Gemeinderat in nichtöffentlicher Sitzung über das Ergebnis einer „Bewertungsmatrix“ informieren, die die beiden Standorte gewichten sollte. Dabei fällt Windschläg offenbar durch.

Ende September ist „Deadline“

Im Landratsamt ist man alarmiert: Während der Zeitplan für den Neubau des Acherner Krankenhauses angesichts des bereits gefundenen Standorts recht kommod ist, steht man beim Offenburger Großklinikum unter hohem Druck: „Wenn wir bis Ende September keinen Standort haben, dann haben wir ein zeitliches Problem“, sagt Kreissprecher Kai Hockenjos. Was er nicht sagt: Wenn ein neuer Kreistag darüber zu beraten hätte, dann würde vieles möglicherweise nochmals aufgedröselt. Auch das kostet gehörig Zeit.

Das Problem ist der Bahnhalt

Der zentrale Punkt bei der Bewertung der beiden favorisierten Standorte ist bereits durchgesickert: Windschläg, ideal gelegen zu den Großen Kreisstädten Offenburg, Kehl und Oberkirch, scheitert an der Bahn. Und zwar nicht, wie vielleicht zu vermuten war, am Konflikt zwischen dem Bau des Offenburger Güterzugtunnels und dem gleichzeitigen Betrieb des benachbarten Krankenhauses, sondern aus einem viel banaleren Grund.

Kurze Wege für die Mitarbeiter benötigt

Das Staatsunternehmen sieht offenbar keine Möglichkeit, dort einen Bahnhalt zu installieren. Das aber wäre, jedenfalls nach bisheriger Lesart, ein k.o.-Kriterium, zumal gerade viele Ärzte mit dem Zug zur Arbeit kommen. Zum Klinikum am Ebertplatz genügte noch ein kurzer Fußmarsch vom Bahnhof aus – nach Windschläg müssten Mediziner, Pflegekräfte, Patienten und Besucher aber in jedem Fall fahren. Bleibt als Alternative der Holderstock – nicht gerade ideal gelegen zwischen einem Industriegebiet und der Wohnbebauung des Offenburger Stadtteils Bühl.