Straßburg
Die Kontrollen gehen weiter: Während die Fahndung nach dem Straßburger Schützen weiter auf Hochtouren läuft, wie hier in der grenzüberschreitenden Tram, versucht der Straßburger OB Roland Ries, wieder ein Stück Normalität zu schaffen. | Foto: Gollnow

Fünf Menschen in Lebensgefahr

Straßburg sucht wieder die Normalität

Anzeige

48 Stunden nach der brutalen Bluttat in der Straßburger Innenstadt will Oberbürgermeister Roland Ries die Stadt wieder ein Stück weit zur Normalität zurückführen.

Bei einem Treffen aller wichtigen gesellschaftlichen Gruppen aus der Europastadt im historischen Rathaus machte Ries an diesem Donnerstagnachmittag deutlich, dass er sich für eine Wiedereröffnung der Weihnachtsmärkte auf der Innenstadtinsel bereits an diesem Freitag, 14. Dezember, einsetzen werde. Auch das Straßburger Kulturprogramm sollte bereits am Donnerstag wieder wie geplant anlaufen.

Große Solidarität in den Stunden der Angst

Bei der Veranstaltung im Rathaus wurde nochmals die Dramatik der Nacht zum Mittwoch greifbar. So hatten zahlreiche Betreiber von Restaurants und Hotels Passanten von der Straße gezogen, ohne sicher sein zu können, dass nicht auch der Attentäter unter ihnen ist. Es habe „sehr große Solidarität“ in den Stunden der Angst und Verzweiflung gegeben, berichtet Annette Lipowsky, Pressesprecherin der Stadt Kehl. Sie hatte gemeinsam mit dem Kehler OB Toni Vetrano an der Veranstaltung teilgenommen.

Am Donnerstag weiter Fahrzeugkontrollen

Die Folgen der brutalen Bluttat waren auch am Donnerstag noch nicht völlig zu überblicken. Bis zum Nachmittag waren drei Tote zu beklagen, fünf Menschen schwebten darüber hinaus noch in akuter Lebensgefahr, acht sind leichter verletzt, wie Ärzte berichteten. Die Fahndung nach dem Attentäter prägt weiter das Leben in Straßburg und seiner Nachbarstadt Kehl: Die Fahrzeugkontrollen bei der Ausreise aus Frankreich über die Europabrücke führten zu Staus bis weit in die Straßburger Innenstadt hinein, und auch in Kehl stockte immer wieder der über den Rhein in die Europastadt führende Fahrzeugstrom. Die Tram, die erst vor wenigen Wochen bis vor das Kehler Rathaus geführt wurde, steht weiter unter strenger Beobachtung, Polizisten kontrollierten die aussteigenden Fahrgäste und fahren teilweise bis zur Endhaltestelle mit.

Hoteliers melden Buchungsrückgänge

Der Angriff auf den Weihnachtsmarkt trifft die beiden Nachbarstädte gemeinsam – in vielerlei Hinsicht, auch wirtschaftlich. Elsässische Hoteliers berichteten am Donnerstag von erheblichen Buchungsrückgängen in der „Weihnachtshauptstadt“ Straßburg, und auch der Einzelhandel leidet unübersehbar. Überall in den von der Bluttat betroffenen Bereichen des Straßburger Stadtzentrums erinnern Blumen an die Toten und die zahlreichen Verletzten, die Stimmung ist gedrückt. Allerdings nicht überall: Die ersten Menschen sind bereits wieder mit vollen Einkaufstüten unterwegs, während die Fahndung nach dem Täter weiter auf Hochtouren läuft.