Mehr öffentlicher Nahverkehr, weniger Autos - im fast 1900 Quadratkilometer großen Ortenaukreis ist die Verkehrspolitik ein zentrales Thema. | Foto: Sven Hoppe

Politische Vorgaben gemacht

Verkehrspolitik im Ortenaukreis: Kreistag und Verwaltung mit langer Wunschliste

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„Das steht ganz oben auf der Agenda unserer Kreispolitik, und da wird es auch die kommenden Jahre stehen“. An salbungsvollen Worten wie diesen von Landrat Frank Scherer mangelte es nicht, als der Kreistag die neuen politischen Leitlinien für die Mobilität im Ortenaukreis verabschiedete. Auch von den Fraktionen gab es, mit Ausnahme der AfD, überreiches Lob.

„Eine sehr gute Stunde für den Ortenaukreis“, befand für die CDU-Fraktion der Kappelrodecker Bürgermeister Stefan Hattenbach, man habe hart gerungen und gute Lösungen gefunden. Dorothee Granderath (Grüne) lobte, was sonst selten geschieht, die konstruktive Zusammenarbeit über die Fraktionsgrenzen hinweg, und auch Jürgen Oßwald von der Linken Liste fand freundliche Worte: Es sei gut, dass dies als öffentliche Aufgabe gesehen werde; man müsse auch einmal über die echten Kosten der Mobilität im Kreis reden.

Umsetzung steht in den Sternen

Der Kreistag verabschiedete das Papier in seiner letzten Sitzung des vergangenen Jahres mit großer Mehrheit – welche konkreten Auswirkungen die vielen wohl gemeinten und wohl gesetzten Worte haben werden, das aber wird sich erst noch weisen.

Politisches Leitbild

Das Thema ist nicht neu: Bereits die Nahverkehrskommission hatte sich im vergangenen Frühjahr mit einem ersten Entwurf befasst, jetzt hat der Kreistag mit dem „politischen Leitbild“ die vielen guten Ideen in einen Rahmen gegossen. Geplant ist vor allem eine Stärkung alternativer Fortbewegungsformen sowie des öffentlichen Nachverkehrs im mit fast 2.000 Quadratkilometern flächengrößten Landkreis im Südwesten.

Lückenloses Netz

Der Kreis müsse ein lückenloses und attraktives Netz schaffen, zudem sollten neue Angebote wie Carsharing, Rufautos oder auch Leifahrräder das Netz so ergänzen, dass die Bürger es dem motorisierten Individualverkehr vorziehen, heißt es in dem Papier. Man wolle für die Bürger und Unternehmen „ein Landkreis der kurzen Wege sein“.

Bessere Vernetzung gefordert

Landrat Frank Scherer forderte eine nachhaltige Vernetzung und Stärkung der Verkehrsinfrastruktur im gesamten Kreis. Dabei verwies Scherer aber auch darauf, dass nicht alle Entwicklungen in der Hand des Kreises lägen – so spreche auch die Nahverkehrsgesellschaft des Landes ein gewichtiges Wort mit. Dies zeige sich bei den jüngsten Fahrplanveränderungen, die beispielsweise für das Renchtal erhebliche Nachteile gebracht hätten.

Gleichwertige Lebensverhältnisse

Folgt man den Leitlinien des Kreises, so soll der öffentliche Nahverkehr zu einem „integrierte Gesamtverkehrssystem weiterentwickelt“ werden, mit dem Ziel, im gesamten Kreis gleichwertige Lebensverhältnisse zu schaffen. Dafür will man sich auch für eine ausreichende Vernetzung der Verkehrsverbindungen über die Grenze hinweg einsetzen.

Mehr alternative Antriebe

Die Gesamtzahl der Fahrzeuge solle sinken, der Anteil alternativer Antriebe dabei steigen. Als wichtiges Ziel schreibt der Kreis auch ausreichende Verkehrswege für Fußgänger und Radfahrer fest. Wichtig sei auch, die erforderliche Infrastruktur für die unterschiedlichen Verkehrsträger zu schaffen – das Papier nennt dabei besonders die Ladeinfrastruktur für elektrisch betriebene Fahrzeuge und die Möglichkeit, beispielsweise Fahrräder sicher abzustellen. Zur Umsetzung der genannten Punkte gibt es noch keine klaren Vorgaben.