Kleine Geschenke sind einer fruchtbaren Zusammenarbeit zuträglich. Bürgermeisterin Müller überreichte Ministerpräsident Kretschmann bei dessen Besuch ein Präsent. Jetzt gibt es ein Präsent vom Land, als Ergebnis der Nachbarschaftsgespräche. | Foto: Ehmann

Geld gegen Armut in Pforzheim

100 000 Euro vom Land zum Aufbau eines Netzwerks in der Weststadt

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Die Nachricht sorgte für Freude im Rathaus: Das Land macht 100 000 Euro locker zur Bekämpfung von Kinderarmut in einem der Pforzheimer Stadtteile, die davon besonders gefährdet sind. Unter dem Titel „Präventionsnetzwerk gegen Kinderarmut in Pforzheim-West“ hatte die Stadt in den Sommerferien einen Antrag beim Sozialministerium Baden-Württemberg gestellt – nach einer Empfehlung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann höchstpersönlich. Jetzt kam der positive Bescheid.

Armut wirkt sich auf Bildungschancen auf

Laut Sozialbürgermeisterin Monika Müller ist es Ziel des Projekts, Kitas, Schulen, soziale Träger, Stiftungen und (Sport-)Vereine zusammen zu bringen, um gemeinsam ein Netz zu schaffen gegen Kinderarmut. „Armut ist in jedem Lebensalter schwer auszuhalten und wirkt sich auf Bildungschancen, Gesundheit und Entwicklung aus“, erklärte Müller. Um so wichtiger sei es daher, besonders bei Kindern dafür zu sorgen, dass sie nicht in Armut aufwachsen.

Individuelle Hilfe beim Wechsel in die Grundschule

Es geht darum Kooperationen anzustoßen und Förderangebote zu unterbreiten, ergänzte Joachim Hülsmann vom städtischen Jugend- und Sozialamt. „Man guckt, was ein Kind beim Wechsel von der Kita in die Grundschule beziehungsweise beim Übergang in die nächst höhere Schule an individueller Unterstützung braucht.“

Teilhabe als Prävention

Neben dem schulischen Lernen ist soziales Lernen in der Gruppe essenziell, und hier kommen die Vereine mit ins Boot. „Man weiß aus der Wissenschaft, dass gesellschaftliche Teilhabe ein ganz wesentlicher Faktor zur Armutsprävention ist“, erläuterte Hilsmann weiter. Neben konkreten Angeboten für Kinder sollen auch deren Eltern unterstützt werden. Man wolle Eltern von Grundschulkindern eine Anlaufstelle bieten.

Bei Erfolg ist Weiterförderung denkbar

Das Projekt läuft ab 1. November und endet Mitte Dezember nächsten Jahres. Bei Erfolg ist laut Müller eine Weiterförderung denkbar. „Sinnvoll ist natürlich auch eine Ausweitung auf andere Stadtteile.“
Dass es im reichen Südwesten Kinder gebe, die in Armut aufwachsen, sei nicht hinzunehmen, so wird Sozial- und Integrationsminister Manne Lucha in einer Pressemitteilung zitiert. Armut habe auch soziale, kulturelle und gesundheitliche Dimensionen.

Kinder und Eltern im Fokus

Die Bewilligung der Fördermittel wird vom Land damit begründet, dass das Projekt in Pforzheim einen mehrdimensionalen Ansatz verfolge. Kinder und Eltern müssten in den Fokus genommen werden. Gemeinsam mit einem Netzwerk bereits vorhandener Akteure vor Ort solle in der Weststadt der Kreislauf der „Vererbung von Armut“ durchbrochen werden. Lokale Partner sind hier unter anderem Kitas, Schulen, Lukaszentrum, Kinderschutzbund und Stadtjugendring.

Kretschmann-Besuch zeigt Wirkung

Auslöser für die Antragstellung der Stadt war laut Müller der Besuch von Ministerpräsident Kretschmann Ende Mai. Damals erfuhr der Landesvater aus direkter Quelle, aus Volkes Mund, von den Nöten in Teilen der Goldstadt. Bei den vom Land initiierten „Nachbarschaftsgesprächen“ hörte er, was Vertretern einzelner Stadtteile auf den Nägeln brennt. „Ich hatte wirklich das Gefühl, dass er Pforzheim danach anders wahrgenommen hat“, erinnerte sich Müller. Dem Landesvater war damals offenbar klar geworden, dass er im reichen Ländle neben Mannheim mit Pforzheim ein zweites Sorgenkind hat: Beides Städte mit hohem Migrantenanteil, die nach Einschätzung von Experten ein besonderes Armutsrisiko haben.