Fast vollständig zerstört wurde Pforzheim bei einem Bombenangriff am 23. Februar 1945. Der Turm der Herz-Jesu-Kirche (rechts) war eines der wenigen Bauwerke, die stehen blieben. | Foto: Archiv/Engel

Pforzheimer Gedenktag

18000 Tote in 20 Minuten

Wenn am Abend des 23. Februar um 19.50 Uhr alle Glocken der Pforzheimer Kirchen läuten, dann erinnern sie an die dunkelste Stunde dieser Stadt. 20 Minuten reichten der Royal Air Force bei ihrem Angriff 1945, um die Stadt an der Enz in Schutt und Asche zu legen.

Der Weltkrieg kommt heim

Fast 18000 Menschen fanden bei dem Luftangriff den Tod. In Relation zur Einwohnerzahl war dies der Angriff der Alliierten mit den meisten Bombenopfern. In Pforzheims Altstadt entwickelte sich ein Feuersturm, weit über 90 Prozent der Stadt wurde zerstört. Der vom nationalsozialistischen Deutschland entfesselte Weltkrieg hatte Pforzheim mit erbarmungsloser Härte getroffen.

Zwischen Trauer und Verantwortung

Im Zwiespalt zwischen Trauer und Verantwortung ist die Stadt an diesem Datum bis heute gefangen. Am Ehrenkreuz der Großgrabstätte auf dem Hauptfriedhof findet um 16 Uhr die offizielle Gedenkfeier statt. Mit zahlreichen Aktionen versuchen Bürger und Institutionen auch eine Brücke zu schlagen von den Bomben, die Pforzheim zerstörten, zu den Bomben, vor denen so viele Menschen in diesen Tagen aus den Krisenherden der Welt auch nach Pforzheim fliehen.

Brücken zu den Bomben der Gegenwart

In einem Versuch, die Toten von 1945 zu instrumentalisieren, werden sich auch heute wieder Rechtsradikale auf dem Wartberg zu einer sogenannten Fackelwache treffen. Weil sich gegen diesen Aufmarsch der Neonazis alljährlich heftiger Widerstand regt, gehört inzwischen auch ein massives Aufgebot der Polizei fest zum Stadtbild am 23. Februar.