Bei der Demonstration gegen die Beschränkungen in der Coronakrise wurden auf dem Marktplatz die Abstände zwischen den 300 Teilnehmern eingehalten. Einen Mund-Nasen-Schutz müssen die Demonstranten diesmal nicht tragen. | Foto: Schaub

Fast keine Masken

300 Demonstranten in Pforzheim: Protest gegen Corona-Regeln wird immer routinierter

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300 Teilnehmer, so die Schätzungen der Polizei, haben am Samstagnachmittag auf dem Pforzheimer Marktplatz gegen die Beschränkungen in der Corona-Krise demonstriert. Etwas mehr als vor einer Woche bei der dritten Demonstration dieser Art. Dabei hatte sich eine gewisse Routine eingestellt.

Ein Teil der Demonstranten kam bereits mit dem rot-weißen Absperrband in der Länge 1,50 Meter. Weitere Flatterbänder wurden vor Ort verteilt, um die städtischen Auflagen zur Abstandsregelung einzuhalten. Was sehr gut lief, wie Einsatzleiter Andreas Löb von der Polizei zum Ende der einstündigen Demonstration hinter seiner Maske feststellte. Sie verlief ohne nennenswerte Zwischenfälle.

Fast keine Masken

Die Polizisten waren fast die einzigen, die überhaupt eine Maske gegen die Ansteckungsgefahr trugen. Einen verpflichtenden Mund-Nasen-Schutz hatte das Ordnungsamt am Freitag aufgehoben. Dagegen wurden zahlreiche selbstgemalte Schilder in die Höhe gehalten, mit der die Teilnehmer gegen die Einschränkung ihrer Grund- und Freiheitsrechte demonstrierten.

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Wie in vielen deutschen Städten am Wochenende war auch in Pforzheim zu lesen: „Kein Impfzwang“ oder „Freie Entscheidung über Impfen“ war zu lesen. „Stop Shutdown – Sie ruinieren unser Land“, forderte ein Schild. „Glaube weniger, hinterfrage alles, denke selber“ lautete eine weitere Aufforderung. Aber auch Deutschlandfahnen war zu sehen oder der Ausspruch „Wir sind es leid, von Idioten regiert zu werden“.

Mit Deutschlandfahne und gegen den Impfzwang – im Protest gegen die Einschränkungen trafen sich viele Demonstranten. | Foto: Schaub

Am Rande verteilte Susanne Heel, neben Monika und Michael Schreyer, eine der Organisatoren der Veranstaltung, das Grundgesetz, auf das sich die Demonstranten beriefen. Susanne Heel wollte dabei nicht mit der AfD, linken oder anderen Gruppen in die Ecke der Verschwörungstheoretiker gesteckt werden. „Bereits seit der Schweinegrippe 2009 wissen wir, welche verheerenden Folgen es hat, wenn eine Infektionskrankheit nur auf Grund ihrer Ausbreitungsgeschwindigkeit beurteilt wird“, kritisiert sie die Beschränkungen. Der Schaden sei mittlerweile größer als der Nutzen.

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Tipps von der Heilpraktikerin

Neben dem Protest gegen die Einschränkung der Grundrechte gab es aber auch Gedichte, gemeinsame Lieder und praktische Tipps. Ute Bauer vom Naturheilverein Mühlacker erklärte, wie man sich mit Ernährung, Bewegung und Lebensbalance gesund halte. Dabei kritisierte die Heilpraktikerin die Pharmaindustrie und pries Thymian und Engelwurz gegen Husten.

Mitsingen klappt immer besser

Auf die Melodie von „Auf de schwäbsche Eisebahne“ dichtete Monika Schreyer „Unser tolles Grundgesetz, wie oft ist es jetzt verletzt“ – bei der vierten Demo klappte das Mitsingen immer besser. Sie leitete zu einer „besorgten Bürgerin“ über, die Widerstand zur Pflicht erklärte, „wenn Unrecht zu Recht“ werde. Als „Großmutter“ wolle sie solange hierher kommen, bis die Grundrechte wieder in Kraft seien. Dabei sehe sie sich in eine bestimmte Ecke gesteckt.

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Ihren Hinweis, in Kommentaren zu den Demonstrationen als Querulanten bezeichnet worden zu sein, quittierten einige Teilnehmer mit dem lautstarken Ruf „Lügenpresse“.