Im Gespräch: Initiator Lorenz Hornung präsentiert die Forderungen der Fridays for Future in der Redaktion des Pforzheimer Kuriers. | Foto: Ehmann

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Fridays-for-Future-Bewegung fordert Klimanotstand für Pforzheim

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Einen Meilenstein hat die Fridays-for-Future-Bewegung in Pforzheim schon erreicht. Über 1 000 Teilnehmer kamen vergangenen Freitag zur Kundgebung, so viele wie nie. „Jetzt können wir was bewegen“, sagt Lorenz Hornung. Daher stellen die jungen Klima-Aktivisten diesen Mittwoch neun Forderungen an den Gemeinderat Pforzheim, den Kreistag, Enzkreis-Landrat Bastian Rosenau, Pforzheims Oberbürgermeister Peter Boch sowie die Bundestags- und Landtagsabgeordneten der Region.

Auch wenn die Kraft der Fridays-for-Future-Bewegung auf der Straße liegt, „es braucht auch die Politik“, erläutert Hornung. Der 20-jährige Mit-Initiator der Pforzheimer Aktivisten weiß, dass seine Bewegung vor dem Hintergrund des gesteigerten Klimabewusstseins auch in Pforzheim nun ihre größte Wirkung entfalten kann.

Nicht Digitalisierung hat die oberste Priorität, sondern Klimaschutz

Lorenz Hornung, Mit-Organisator Fridays For Future Pforzheim

Klimanotstand und Prüfungsgremium

Als erste und vielleicht am schnellsten umsetzbare Lösung fordert die Bewegung die Ausrufung des Klimanotstands. Dieser sei das klare Signal für die Bedeutung des Klimaschutzes. „Nicht Digitalisierung hat die oberste Priorität, sondern Klimaschutz“, stellt Hornung klar. Außerdem schaffe ein entsprechender Beschluss ein Bewusstsein in Gremien und Bevölkerung. Als Konsequenz eines Klimanotstandes fordert die Bewegung eine Überprüfung von Beschlüssen aus klimapolitischer Sicht sowie ein Offenlegen von klimaschädlichen Maßnahmen.

Mehr zum Thema: Fridays for Future: Mit dabei beim Weltklimastreik in Karlsruhe und Baden

Kein weiterer Flächenverschleiß

„Der Flächenfraß muss ein Ende haben“, sagt Hornung. Pforzheim und Enzkreis sollen keine weiteren Gewerbeflächen mehr ausschreiben und den Ausbau sofort stoppen. Der Appell, beim Bauen in die Höhe zu gehen, ist zwar nicht neu, dennoch sollten die Stadt Pforzheim und der Enzkreis „den Weg mit Unternehmen gemeinsam gehen“. Es müsse einen Ausweg aus der stetigen Wachstums-Illusion geben.

Es muss ein Umdenken auf der Straße stattfinden

Radverkehrsinfrastruktur ausbauen

Ebenfalls nicht neu, aber in Sachen Verkehrswende immer ein Thema, ist der Wunsch nach einem enzkreisübergreifenden Radverkehrskonzept. Konkret gefordert ist die Realisierung und weitere Planung des Radverkehrskonzepts der Stadt aus dem Jahr 2013 sowie neue und effiziente Radwege, welche die Enzkreis-Gemeinden vernetzen. Dazu gehöre, die Infrastruktur für Fahrräder auszubauen und ein Fahrradleihsystem einzuführen. „Es muss ein Umdenken auf der Straße stattfinden“, fordert Hornung. Positiv sieht er die geplante Verlegung des Enztalradwegs.

Mehr regionale Lebensmittel

„Dass der Enzkreis eine Bio-Musterregion ist, ist ein richtiges Signal“, findet Hornung. Er sieht darin eine sehr gute Chance, das Bewusstsein für regionale Bio-Lebensmittel in der Bevölkerung zu stärken. Kritik kommt dagegen beim Thema der Pforzheimer Wochenmärkte auf. „Viele Leute arbeiten zu den Marktzeiten. Eine Markthalle wäre sinnvoller, um mehr Leute für regionale Lebensmittel zu gewinnen.“ Darüber soll individuell Kohlenstoffdioxid reduziert werden. Ein weiterer Punkt der Forderung betrifft Wasserstoff und E-Mobilität als Chance. „Hier kann Pforzheim als Stadt Akzente setzen“.

Es kommt alles auf die Priorisierung an

Kostenloser Nahverkehr

„Der ÖPNV ist nicht dafür da, Geld zu verdienen“, macht Hornung deutlich. Auch mit Blick auf den Vorstoß der Bundesregierung zur Einführung eines kostenlosen Nahverkehrs ruft die Bewegung dazu auf, die öffentliche Infrastruktur auszubauen. Bund und Kommunen sollen der „Geldfrage“ mit nachhaltigen Konzepten wie klimaneutralen Bussen und der Anpassung von Taktung und Frequenz begegnen.
Gefordert wird auch die klimaneutrale und faire Beschaffung kommunaler Güter. Grundressourcen gelte es, regional zu beziehen. Auch wenn das zunächst einen finanziellen Mehraufwand bedeute, stärke es die Region als Wirtschaftsstandort. „Es kommt alles auf die Priorisierung an“, sagt Hornung.

Hornung in Aktion: Mehr als 1000 Menschen führte der 20-jährige FFF-Organisator bei der jüngsten Klima-Demo in Pforzheim am 20. September durch die Stadt. | Foto: aoe

Vegane kommunale Verpflegung

Klar vom „Veggie-Day“-Vorschlag der Grünen von 2013 grenzt Hornung die Forderung einer veganen Verpflegung in kommunalen Einrichtungen ab. Ein Verzicht auf übermäßigen Fleischkonsum vermindere nicht nur klimaschädliche Nutztierhaltung, sondern sei auch gesünder. „Trotzdem kann jeder abends Fleisch essen, wenn er das will.“

Förderung erneuerbarer Energien

Der Ausbau alternativer Energiegewinnung sorge nicht nur für „mehr Jobs“, mit jeder Windkraftanlage vor Ort könnten die Kommunen im Enzkreis zur Energiewende beitragen und mit Stolz eine Vorreiterrolle einnehmen.

Geschwindigkeitsbeschränkungen

„Tempo 30 statt Stop-and-go“. Eine Geschwindigkeitsbeschränkung verringere den Kohlenstoffdioxidausstoß und bediene zugleich die immer lauter werdenden Forderungen von Lärmschutz in den Kommunen. Weil man dann „mindestens genauso schnell unterwegs sei“, steigere das auch die Attraktivität klimafreundlicher Alternativen wie Fahrrad und ÖPNV.

Die AfD bekommt die neun Forderungen übrigens nicht. „Wir sehen hier keinen Gesprächsbedarf“, erklärt Hornung mit dem Verweis auf die Leugnung der globalen Erwärmung durch Parteivertreter.