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ABMAHNUNG GEGEN AfD: Max Giesinger hat juristisch durchgesetzt, dass die AfD seinen Hit "80 Millionen" nicht mehr zu Wahlkampfzwecken nutzen darf. Die Partei hatte das Lied bei einem Wahl-Event mit Erika Steinbach in Pforzheim gespielt. | Foto: dpa

Nach Wahl-Event in Pforzheim

Abmahnung von Max Giesinger: AfD darf Lied nicht mehr spielen

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Es war die wichtigste Veranstaltung der AfD im Bundestagswahlkampf – mit Misstönen, die immer noch nachhallen: Ein Partei-Event mit Erika Steinbach vergangenen September in Pforzheim hatte auch Max Giesinger verärgert, denn die AfD hatte dort unerlaubt seinen Hit „80 Millionen“ gespielt. Der Musiker kündigte rechtliche Schritte an. Nun ist klar: Giesinger hat sich gegen die AfD juristisch durchgesetzt.

Zur Erinnerung: Es war ein warmer Spätsommerabend im September: Mehr als 1 000 Besucher waren ins Pforzheimer Congresscentrum gekommen, um die ehemalige CDU-Politikerin mit den Parteigrößen Alexander Gauland und Alice Weidel auf der Bühne zu erleben. (Der Pforzheimer Kurier berichtete.)

AfD stimmt Wahl-Event mit Giesinger-Lied ein

Bevor aber die frühere Präsidentin des Bundes der Vertriebenen zu ihrer Rede ansetzte, wurde den Besuchern erst einmal eine Diaschau zur Geschichte der Stadt Pforzheim präsentiert. Musikalisch untermalt waren diese Bilder von deutschem Liedgut – und zwar sehr erfolgreichen deutschen Liedgut: aus den Lautsprechern tönte „80 Millionen“ von Sänger und Sympathieträger Max Giesinger.

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GESINNUNGSGENOSSEN: Das Pforzheimer Gastspiel von Erika Steinbach mit Alexander Gauland und Alice Weidel (rechts) war ihr bislang einziger Auftritt für die AfD. | Foto: dpa

Max Giesinger reagiert verärgert

Das allerdings hat den aus Waldbronn-Busenbach stammende Künstler ziemlich geärgert. „Die Nutzung des Songs ‚80 Millionen‘ für Wahlkampfveranstaltungen der AfD war nicht mit mir und meinem Team abgesprochen und wäre auch niemals von mir freigegeben worden“, sagte er damals der „Stuttgarter Zeitung“. Und weiter: „Es verärgert mich extrem, dass eine Partei, deren politische Einstellung ich in keinster Weise teile, meine Musik für ihren Wahlkampf instrumentalisiert und ohne mein Wissen benutzt.“ Ein Sprecher von Giesingers Plattenfirma BMG Rights Management kündigte zudem juristische Konsequenzen an.

Beim AfD-Kreisverband Pforzheim zeigte man wenig Verständnis und verwies darauf, dass man die Veranstaltung ordnungsgemäß bei der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (Gema) angemeldet habe.

In dem Fall sind wir so vorgegangen, dass wir die AfD abgemahnt und zur Abgabe einer Unterlassungserklärung aufgefordert haben.

Wie der Streit um die „80 Millionen“ aber ausgegangen ist, war bislang unbekannt. Wie die Badischen Neuesten Nachrichten erfuhren, hat sich Max Giesinger längst gegen die AfD durchgesetzt.  Ein Sprecher der Plattenfirma bestätigte dies auf Anfrage. „In dem Fall sind wir so vorgegangen, dass wir die AfD abgemahnt und zur Abgabe einer Unterlassungserklärung aufgefordert haben. Die AfD hat dann auch innerhalb der gesetzten Frist die geforderte Unterlassungserklärung abgegeben, womit die Sache für uns erledigt war“, so der BMG-Sprecher. Darüber hinaus zeigt man sich bei dem Thema in Giesingers Umfeld äußerst diskret bei dem Thema. Man wolle der AfD „kein weiteres öffentlichkeitswirksames Forum bieten“, so hieß es.

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VOLLES HAUS: Publikum bei der AfD-Wahlveranstaltung am 6. September 2017 in Pforzheim. | Foto: Fix

Auch bei der Partei haben die Verantwortlichen wenig Anlass, die juristische Niederlage groß auszubreiten. Pforzheims AfD-Landtagsabgeordneter Bernd Grimmer bestätigte die rechtswirksame Abmahnung auf Anfrage. „Selbstverständlich halten wir uns an den Wunsch von Herrn Giesinger, zumal wir ohnehin nie vorhatten, das Lied regelmäßig zu verwenden“, wiegelt der AfD-Mann ab. Nach BNN-Informationen wurde der Giesinger-Hit tatsächlich eher spontan von einem Mitarbeiter des AfD-Bundessprechers Jörg Meuthen für die Pforzheimer Veranstaltung ausgewählt.

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PROTEST GEGEN AFD: Demonstranten vor dem Veranstaltungsort in Pforzheim. | Foto: red

Künstler mit klarer Kante

Dass in Max Giesinger einer der prominentesten und beliebtesten deutschen Musiker klare Kante gegen die Rechtsaußen-Partei zeigt, ficht die AfD offenbar nicht an. Hinter vorgehaltener Hand heißt es jedenfalls aus der Partei, in linken Künstlerkreisen gebe es bezüglich öffentlicher Abgrenzung nach rechts ja einen gewissen Erwartungsdruck.

Dass Musiker die Verwendung ihrer Titel zu Wahlkampfzwecken verbieten lassen, kommt immer wieder vor. So hatte Andreas Bourani 2014 eine einstweilige Verfügung gegen die Thüringer NPD erwirkt. Ähnlich wie „80 Millionen“ gilt Bouranis Titel „Auf uns“ als eine Art Fußball-Hymne.