Schützenhilfe im Endspurt des Wahlkampfs gab es gestern in Mühlacker für Gunther Krichbaum (links) von Ursula von der Leyen. | Foto: Wacker

Ursula von der Leyen in Mühlacker

Absage an „sozialistische Umverteilungspläne“

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Die vergangenen Monate waren vermutlich die ungemütlichsten im Leben von Ursula von der Leyen. Rechtsextremismus-Skandal in der Bundeswehr, bizarre Aufnahmerituale, Misshandlungsvorwürfe – und mittendrin eine Verteidigungsministerin, die alles andere als eine gute Figur abgibt. Die erfahrene Politikerin wirkte angeschlagen, distanziert, ja isoliert. Die Kritik an ihrer Person wurde lauter, die Unterstützung aus den eigenen Reihen leiser. Stürmische Zeiten, denen sich die 58-Jährige gestern beim Wahlkampfendspurt im Uhlandbau in Mühlacker mit einem selbstbewussten Auftritt entgegenstemmte.

Von Termin zu Termin eilt Ursula von der Leyen im Wahlkampf. In Mühlacker wurde sie von OB Frank Schneider (vorne) empfangen. | Foto: Wacker

Plädoyer für Europa und Nato

Knapp 200 Zuhörer verfolgten, wie sich die stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende für ein starkes Europa und die Nato einsetzte. „Länder, die früher Todfeinde waren, sind nach dem Zweiten Weltkrieg aufeinander zugegangen“, sagte von der Leyen. Der Blick auf die Vergangenheit verdeutliche die Wichtigkeit von Bündnissen. „Konflikte werden heute am Verhandlungstisch gelöst.“ Jeder Nato-Partner müsse sein Scherflein dazu beitragen, dass das Bündnis funktioniert. Das Verhältnis zur Türkei sei „ohne Zweifel schwierig“.

Kritik an der Türkei

Dann wird von der Leyen deutlicher: „Es ist richtig, den Beitrittsprozess mit der Türkei auf den Prüfstand zu stellen.“ Es könne nicht sein, dass Recep Tayyip Erdogan Deutschland und Angela Merkel beleidige – der Applaus zwischen den Redepausen wird lauter. Die Türkei müsse sich an europäische Werte wie Religions- und Meinungsfreiheit anpassen.

Sparte in Mühlacker nicht mit Kritik an der SPD: Ursula von der Leyen. | Foto: Wacker

Haben Jugendarbeitslosigkeit besiegt

Nach der Außenpolitik folgt ein Ritt durch Wahlkampf-Themen wie Arbeit, Wirtschaft und Familie. Noch nie hätten so viele Menschen einen Arbeitsplatz gehabt wie jetzt. Wie könne da Martin Schulz – von der Leyen sagt „der Kandidat“ – die CDU kritisieren und von fehlender Gerechtigkeit sprechen? „Wir haben die Jugendarbeitslosigkeit besiegt, vor zwölf Jahren waren wir noch der kranke Mann in Europa, heute sind wir der Stabilitätsanker“, ruft die Ministerin energisch in den Saal.

Das ist gelebte Generationengerechtigkeit

Dann lobt sie Ministerkollege und Parteifreund Wolfgang Schäuble. Der Finanzminister habe sein Versprechen gehalten, keine neuen Schulden zu machen, die Steuern nicht zu erhöhen und einen ausgeglichenen Haushalt vorzuweisen. „Das ist gelebte Generationengerechtigkeit.“ Die SPD wolle dagegen die Steuern für den Mittelstand erhöhen, der laut von der Leyen aber den Großteil der Arbeitsplätze geschaffen hat. „Wir erteilen der SPD und ihren sozialistischen Umverteilungsplänen eine klare Absage“, sagt die rhetorisch gut aufgelegte Ministerin, die in 45 Minuten kaum auf ihr Redemanuskript schaut.

Baukindergeld von 12 000 Euro pro Kind

Die Mutter von sieben Kindern verspricht, dass Eltern künftig mehr Steuererleichterungen bekommen. In der neuen Legislaturperiode werde die CDU ein Baukindergeld von 12 000 Euro pro Kind einführen, um junge Familien zu unterstützen. Pflegekräfte, aber auch Kinder, die ihre Eltern selbst pflegen seien die „wahren Helden unserer Gesellschaft“.

Krichbaum zur SPD: Gemeinsamkeiten aufgebraucht

Zum Schluss geht die eigentlich auf Verteidigung spezialisierte Ministerin richtig gegen die SPD in die Offensive: „Wer nicht weiß, ob er mit der Linken oder mit der FDP eine Koalition eingehen will, der hat kein Konzept für dieses Land.“ Auch der Bundestagsabgeordnete Gunther Krichbaum sehnt ein Ende der Großen Koalition herbei: „Die Gemeinsamkeiten sind aufgebraucht.“