Im Bereich der Blockhütte im Remchinger Wald hält sich zurzeit ein nach Vandalismus entlaufenes Kamerunschaf samt Nachwuchs auf - trotz Abschussfreigabe wollen es die Jäger nicht schießen. Foto: privat

Zwei Schafe ausgebüxt

Abschussfreigabe ruft Tierschützer auf den Plan

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Rehen und Wildschweinen kann man bei einem Waldbesuch durchaus mal begegnen, mitunter auch Eichhörnchen und Füchsen. Freilaufende Schafe findet man in der Regel aber in heimischen Wäldern nicht – weswegen sie durchaus die Gemüter erhitzen können. So wie zurzeit zwei braune Kamerunschafe, die im Bereich der neuen Remchinger Forst-Blockhütte zwischen Wilferdingen und Nöttingen im Dickicht grasen.
Der Wilferdinger Hobbyschäfer Lutz Kapp möchte am liebsten nicht an jene Nacht Anfang Mai zurückdenken, in der ein oder mehrere Unbekannte auf seiner Weide nahe des Sperlingshofs vandalierten, einen Teil des Weidezauns samt Stromgerät beschädigten und die Schafe so sehr verstörten, dass man es ihnen Wochen später noch anmerke.

Trächtiges Schaf flüchtet vor Vandalen

Neben mehreren hundert Euro Schaden bleibt Kapp, der auf eine Anzeige verzichtete und stattdessen umso mehr auf Vernunft und Einsicht hofft, der Verlust eines dabei ausgebüxten trächtigen Schafes, das wenige Tage später sein Lämmchen im Wald zur Welt brachte: „Leider hat es nicht mehr zur Herde zurückgefunden und beim Versuch, es mit Futter zu locken und zu fangen, verteidigt es das Junge und flüchtet“, erklärt der erfahrene Tierhalter, der die beiden Vierbeiner aufgrund eigener Gehbeeinträchtigungen zumindest nicht alleine fangen konnte.

Welchen Grund gibt es, die Tiere zu erschießen?

Im Wald bleiben sollen die Schafe allerdings auch nicht: Mittlerweile hat der Schäfer gegenüber der Gemeinde seinen Besitzverzicht erklärt und eine Abschussfreigabe der beiden Tiere liegt vor. „Ein Schaf fällt niemanden an, sie befinden sie relativ weit weg von den Straßen – welchen Grund gibt es da, die Tiere zu erschießen?“, wandte sich nun eine engagierte Tierschützerin aus dem Ort an die Redaktion und brachte damit die verzwickte Geschichte um die Wilferdinger Problemschafe weiter ins Rollen. Selbst wenn das Fleisch der meisten Kamerunschafe ohnehin am Ende auf dem Teller lande, gehe es ihr in diesem Fall ums Prinzip.

Zuständige Jäger weigern sich, die Tiere zu erschießen

Ähnlich sehen es die vier im entsprechenden Revier zuständigen Jäger: Sie wollen der Ausnahmegenehmigung, die zwei Tiere zu erlegen, obwohl sie laut Definition keine jagdbaren Wildtiere sind, nicht nachkommen: „Wir werden das nicht tun, schließlich werden die zwei Tierlein schon nicht den ganzen Wald niederfressen und man könnte sie auch gemeinschaftlich einfangen, statt sie einfach abzuschießen“, erklärte Klaus Zachmann im Namen der Jagdpächter. Er konnte die Tiere schon öfters beobachten, war aber selbst gehandicapt und konnte sie nicht fangen: „Wir können doch keine Kröten über die Straßen tragen und dagegen Schafe ohne vernünftigen Grund einfach schießen.“

Kamerunschafe sollen sich nicht ausbreiten

„Tatsache ist, dass Kamerunschafe keine Wildtiere unserer Forstlandschaft sind oder waren und es daher unsere Aufgabe ist, darauf zu achten, dass sie sich hier nicht weiter ausbreiten“, erklärte dagegen Revierförster Dieter Konstandin auf Nachfrage den entscheidenden Beweggrund. Selbst wenn es im Moment nur zwei Schafe seien: „Der nächste setzt sonst ein Zebra aus oder ein Indisches Wildrind.“ Da der Aufwand, die nun herrenlosen Tiere einzufangen oder sie zu betäuben, in keinem Verhältnis stehe zu den Kosten, sei ein Abschuss zurzeit das nahe liegendste, so Konstandin.
Dabei habe der Revierförster persönlich im Falle entsprechenden Engagements oder den nötigen Mitteln auch nichts gegen eine andere Methode einzuwenden: „Man muss die Tiere nicht schießen. Aber sie draußen rumlaufen zu lassen ist keine Lösung.“  Julian Zachmann