Rechenspiele: Die Lücke in den Pforzheimer Kitas wird noch auf Jahre nicht zu schließen sein, auch wenn es schon viele Ausbaupläne gibt. Nun will die Verwaltung die Entwicklung noch auf anderem Wege anschieben. Von 92 Prozent Auslastung soll es in Richtung 95 oder 97 Prozent gehen. | Foto: Daniel Naupold/dpa

Kita-Krise in Pforzheim

Acht Prozent der Plätze sind unbesetzt: Wie Pforzheim die Kita-Auslastung verbessern will

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Mitten in der Pforzheimer Kita-Krise sind acht Prozent aller Plätze unbesetzt. Wer händeringend auf einen Platz wartet, wird das kaum nachvollziehen können. Jetzt will die Stadtverwaltung die Auslastung verbessern. Die Ideen dahinter klingen simpel. Doch wenn die Rechnung aufgeht, könnte das mehr als 140 Betroffenen helfen.

Rund 750 Plätze fehlen aktuell in den Pforzheimer Kitas. Die Stadtverwaltung hat etliche neue Projekte angestoßen, um die Lücken zu schließen. Dennoch werden 2025 voraussichtlich noch immer 550 bis 600 Plätze fehlen. Was kann da helfen, außer noch mehr Projekte anzustoßen – wobei keiner so recht wüsste, wie das überhaupt gehen sollte? Die Verwaltung setzt den Hebel parallel an einer anderen Stelle an. Die Auslastung der Kitas soll verbessert werden. Tatsächlich scheint es hier noch Luft nach oben zu geben.

Die Eltern werden das nicht verstehen.

Aktuell sind 92 Prozent der vorhandenen Plätze besetzt. Zu wenig, findet SPD-Stadträtin Jacqueline Roos. „Mir erschließt sich das nicht, und die Eltern werden das auch nicht verstehen“, betonte sie im alten Jahr im Jugendhilfeausschuss. Bürgermeister Frank Fillbrunn (FDP) nickte und sagte: „Unser Bestreben muss es sein, näher an hundert Prozent heranzukommen.“

Warum die Auslastung nicht höher ist…

Warum ist die Auslastung nicht höher? In den Kitas war es bisher Praxis, die Plätze von September bis zum darauffolgenden Juli zu vergeben. Kitas planten also mit einer Vollauslastung erst kurz vor Ende des Kita-Jahres. Damit folgt man den Vorgaben des Kommunalverbands für Jugend und Soziales Baden-Württemberg. Ausgewertet wird aber bereits am 1. März. Aus der Auslastung an diesem Tag ergeben sich auch die finanziellen Zuweisungen des Landes. Hier kollidieren zwei Systeme.

… erklärt sich aus vier Gründen

Laut Verwaltung gibt es vier weitere Faktoren, die die Quote drücken:
• An einigen Stellen fehlt Personal durch Bewerbermangel oder Krankheit.
• Behinderte Kinder erfordern mehr Aufmerksamkeit – für sie wird rechnerisch ein zweiter Platz freigehalten.
• Bauarbeiten oder Reparaturen können dazu führen, dass Räume nicht genutzt werden.
• Nach Wegzug von Familien werden Plätze frei. Aktuell werden sie aber nicht schnell genug wiederbelegt.

Diese Ideen sollen helfen

Jeder zusätzliche Platz würde einem Betroffenen der Pforzheimer Kita-Krise helfen. Welche Ideen gibt es im Verwaltungsapparat, um die Auslastung zu verbessern?

Der zentrale Punkt lautet: Künftig sollen die Kitas früher im Jahr voll ausgelastet sein. Nämlich schon am 1. März. Hier spielt auch das neue Punktesystem zur gerechteren Platzvergabe eine Rolle. Besonders wichtig ist hier künftig das Alter der Kinder – und nicht mehr die angehäufte Wartezeit. Wer zwischen September und März Geburtstag hat, soll künftig eine höhere Punktzahl erhalten. „Für die Kitas ist so ersichtlich, dass diese Kinder vorrangig aufgenommen werden sollen“, erklärt Claudia Lorena Rautenberg, Abteilungsleiterin Kitas in der Stadtverwaltung.

Zahlen zur Kita-Krise
4.830 genehmigte Plätze gibt es derzeit in Pforzheim
767 Plätze davon entfallen auf den Bereich für Kinder unter drei Jahre
4.063 Plätze gibt es für Kinder, die drei Jahre und älter sind
4.690 Plätze waren es insgesamt am Stichtag der Zählung am 1. März
20 Plätzen im Bereich U3 sind seither dazugekommen, außerdem 120 Plätze im Bereich Ü3
180 Plätze sind 2019 neu geschaffen worden – zwei Gruppen wurden schon vor dem 1. März eröffnet, weshalb sie bereits in den Zahlen der Erhebung am offiziellen Stichtag auftauchen
750 Plätze fehlen aktuell etwa
92 Prozent beträgt die aktuelle Auslastung
95 Prozent hält die Verwaltung für erreichbar
145 Plätze wären damit gewonnen

Kitas sollen schon im März voll besetzt sein

Weil außerdem die finanziellen Zuwendungen an den Stichtag 1. März gebunden sind, entfalle künftig der Anreiz, Plätze länger freizuhalten. „Das müsste die Auslastung erhöhen“, sagt Rautenberg. Kitas sollten künftig also schon ab März voll besetzt sein. Von Nachteil wäre die neue Regelung für Eltern, deren Kinder zwischen April und Sommer Geburtstag haben. Rautenberg verweist für die Betroffenen auf mögliche Einzelfallprüfungen – will ihnen aber vor allem über einen anderen Weg helfen: Plätze, die durch Wegzug frei werden, sollen deutlich schneller nachbesetzt werden. So würde es auch nach April noch Platzangebote geben.

Bisher sind Informationen ein wenig versandet.

Damit das neue Punktesystem greifen kann, erhält die Kita-Verwaltung eine neue 100-Prozent-Stelle. Dadurch soll auch die schnellere Nachbesetzung von freigewordenen Plätzen gewährleistet sein. Außerdem wird von der neuen Kraft erwartet, die Zusammenarbeit mit den freien Kita-Trägern zu verbessern. „Bisher sind hier Informationen ein wenig versandet, weil es keine verlässliche Ansprechperson gab“, so Rautenberg.

Geht die Rechnung auf, sind mindestens 145 Plätze gewonnen

Eine Auslastung von hundert Prozent werde man zwar nie hinbekommen, sagt sie. Dennoch hofft Rautenberg, dass die neuen Ideen eine merkliche Verbesserung bedeuten: „95 Prozent wären realistisch, 97 Prozent wären top.“ Generell schwanken die Werte laut der Fachfrau. Dennoch: Gerechnet auf das aktuelle Platzangebot würde die Steigerung mindestens rund 145 zusätzliche Plätze in der Pforzheimer Kita-Krise bedeuten.