Der Regionalzug, den Abellio von DB Regio geliehen hat, bedient auch die kleineren Haltepunkte entlang der Strecke von Pforzheim zum Stuttgarter Hauptbahnhof. Doch aus dem Enzkreis kommt Kritik, weil es zu wenige solcher Angebote gibt. | Foto: René Ronge

Debatte nach Fahrplanwechsel

Ärger der Enzkreis-Pendler beschäftigt Landtag

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Die Klagen von Zugpendlern aus dem Enzkreis über schlechtere Anbindungen haben es am Donnerstag in den Landtag geschafft. Dort stellte der Nieferner Abgeordnete Erik Schweickert (FDP) eine Mündliche Anfrage an Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne).

Schweickert kritisierte die „Schlechterstellung kleinerer Haltepunkte, zum Beispiel Eutingen, Niefern, Enzberg, Illingen“. Schweickert kämpft wie berichtet mit anderen Abgeordneten wie Hans-Ulrich Rülke (FDP, Landtag) und Katja Mast (SPD, Bundestag) sowie Helfern aus der Bevölkerung für eine Verbesserung der Anbindung der kleineren Orte, die sich seit dem Fahrplanwechsel im Juni abgehängt fühlen.

Hermann: Verbesserung für die meisten Bahnfahrer erreicht

Minister Hermann erklärte in seiner Antwort im Landtag noch einmal das „völlig neu aufgelegte Fahrplankonzept“ mit einem halbstündlichen IRE-Takt auf der Residenzbahn. Für Pendler aus den großen Städten bringe das deutlich bessere Bedingungen. „Und das ist die große Zahl der Nutzer“, betonte der Minister. Andererseits, so räumte Hermann ein, gebe es auch die Bahnfahrer „aus Niefern, Enzberg und Eutingen, die überwiegend nach Karlsruhe wollen“. Dass diese nun in Pforzheim umsteigen müssen, sei nicht ideal. Er hält die Wartezeiten aber nicht für zu lang, eben weil der Takt des IRE verdichtet wurde.

Wird Regionalbahn von Remchingen bis Karlsruhe verlängert?

Schweickert wollte vom Minister außerdem wissen, ob man die Regionalbahn von Bietigheim-Bissingen, die derzeit in Remchingen wendet, bis Karlsruhe verlängern kann. Der Enzkreis-Abgeordnete hätte gerne zwei solche Züge morgens und zwei abends. „Das prüfen wir noch“, so Hermann. „Im Idealfall ist das schon im Dezember, aber ich kann es noch nicht sicher zusagen.“ Das hänge auch davon ab, ob genügend Züge zur Verfügung stehen. An der Stelle beklagte der Minister abermals den Lieferverzug bei Bombardier, wegen dem Bahnanbieter Abellio weiterhin mit älteren Leihzügen unterwegs sein muss. Genau an der Stelle hakt es für Hermann. Man benötige nun mal genügend Züge und Personal für alle Pläne.

Weitere Unannehmlichkeiten drohen

Derweil drohen schon aktuell weitere Zugausfälle. Weil Abellio keine Fahrzeugreserve aufbauen konnte, schlagen defekte Leihfahrzeuge oder Instandhaltungsarbeiten gleich voll auf den Fahrplan durch. Und ab September droht wie berichtet neuerliches Ungemach – nämlich dann, wenn Bombardier abermals zu spät liefern sollte. Abellio operiert auf den Linien Stuttgart – Mühlacker – Bretten – Bruchsal – Heidelberg sowie Stuttgart – Mühlacker – Pforzheim mit Zugteilung in Mühlacker derzeit noch mit Leihzügen von DB Regio. Mit diesen müsste man im Herbstbetrieb wegen der Witterung langsamer fahren. Das hätte einen ausgedünnten Fahrplan zur Folge.

Abellio will endlich in den Regelbetrieb gehen

Bisher hat Abellio erst zwei der bestellten Züge erhalten. Bis Ende August sollen weitere acht folgen. Um den Fahrplan aufrechtzuerhalten, wären aber bis Anfang September insgesamt elf nötig, um das alte DB-Material zu ersetzen. Bei Abellio hofft man, dass ein weiterer von fünf noch fehlenden Zügen schon Anfang September kommt – dann wäre das Problem beherrschbar. Längst scharrt man beim neuen Anbieter mit den Hufen. „Wir wollen möglichst bald in den Regelbetrieb gehen, um die Leistung zu bringen, die wir versprochen haben“, sagt Pressesprecherin Hannelore Schuster.

Waldorfschule Pforzheim verneint Problem

Nicht erhärten ließ sich derweil der Vorwurf, der am Donnerstag per Mail von Unterschriftensammlern ans Verkehrsministerium ging, die Waldorfschule Pforzheim habe wegen des „Verkehrschaos“ Absagen von potenziellen Lehrern bekommen. Ein solcher Fall sei nicht bekannt, hieß es aus der Schulleitung auf Kurier-Anfrage.