Beliebter Platz zum Grillen und „Abhängen“: Die Wiese an der Nagold zwischen Pforzheim und Dillweißenstein war am Vatertag Ziel mancher Ausflügler. | Foto: Susanne Roth

An Enz und Nagold

Am Vatertag herrscht gute, aber verhaltene Stimmung bei den Ausflüglern in Pforzheim

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Zum Vatertag zog es viele ins Freie an Enz und Nagold. Die Stimmung war gut, aber verhalten. Besonders die Gastronomen freuten sich über die Umsatzmöglichkeit, auch wenn der einiges an Vorbereitungsarbeit vorausgegangen war.

Von unserer Mitarbeiterin Susanne Roth

„Hörst du das? Da ist ja Musik!“ Stefan Seubert aus Ispringen fühlt sich magisch angezogen. Zwar dudelt die Volksmusik nur als dezente Untermalung im Hintergrund, aber sie funktioniert trotzdem als „Lockvogel“ im Biergarten des Enzauenparks. Irgendwie ist ihre sonst über den Fluss dröhnende Lautstärke auch symbolisch für die Wiedereröffnung der Gastronomie nach den Corona-Einschränkungen.

Die Stimmung ist gut, aber verhalten

Die Stimmung an diesem sonnigen Vatertag ist gut auf allen Wegen, in allen Lokalitäten, aber sie ist verhalten, kommt auf leisen Sohlen daher. Als ob man keine schlafenden Hunde namens Corona wecken wollte und sich nur vorsichtig tastend wieder einen Weg an die frische Luft sucht.

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Aber es ist auch ganz deutlich zu spüren: Erleichterung, Freude über das, was wieder möglich ist. „Stört mich überhaupt nicht“, sagt Stefan Seubert, als er vor dem Biergartengenuss erst noch an einer Station bei Markus Maier Halt machen und einen Kontaktzettel ausfüllen muss.

Corona stellt die Gastronomen vor große Herausforderungen

„Das ist so schön, wieder bei dir zu sein, Frank“, ruft ein anderer in Richtung Biergartenbetreiber Frank Daudert. Der freut sich zurück, hat aber zwei anstrengende Tage hinter sich, die er nach der Freigabe auch für Biergärten vonseiten der Politik benötigt hat, um mit transparenter Folie bespannte hölzerne Gestelle anzubringen, Abstandshalter auf den Boden zu kleben und seinen Bereich mit provisorischen Barken abzusichern. 1.900 Gäste können normalerweise Platz nehmen, „jetzt ist es noch ein Viertel davon“.

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Beklagen will er sich nicht, von der Platzreduzierung abgesehen gefällt es ihm sogar optisch. Und den Gästen offenbar auch. Mancher Senior allerdings muss sich erst noch daran gewöhnen, dass auch hier die Einbahnstraßenregelung gilt, das Essen jetzt durch eine Luke gereicht und die Kaffeemaschine von Roxana Deni bedient wird. Die gute Sache müsse man einfach unterstützen, sagt Stefan Seubert.

Familien und Väter zieht es ins Freie

Bollerwagen parken hier aber nicht. Die vier Kumpels Kim Krüger, Marcel und Marko Susak sowie Pascal Schmidt ziehen es sowieso vor, direkt in den Biergarten zu gehen, dort ein paar kühle Helle zu zischen und den Herrgott einen guten Mann sein zu lassen. „Gut, dass wir das mal wieder dürfen“, sagt Marko Susak. „Nur arbeiten und zu Hause, da wird man ja langsam verrückt.“

Normalerweise sei die Vatertagsgruppe größer, aber um die gewonnene Freiheit nicht zu gefährden, nimmt das Kleeblatt gern die Einschränkung in Kauf. Da muss man sich dann aber schon gut überlegen, mit wem man einen Ausflug macht: Nur zwei Haushalte dürfen zusammenkommen.

Wir sind froh, dass wir wieder öffnen dürfen. Es macht richtig Spaß.

Alexandra Gehrum, Gastronomin

Am Vatertag herrscht „Trubelwetter“ mit Sonne satt und einer angenehmen Prise Wind. Es ist jede Menge los, vor allem auf den Wegen an der Enz, wo sich Hunderte von Fahrradreifen einen Weg durch den Kies, vorbei an mindestens ebenso vielen Spaziergängern, bahnen. „Wenn die Gastronomie noch geschlossen hätte, wären wir nicht zu unserer Radtour aufgebrochen“, lautet aber das klare Statement von Norbert aus Ötisheim, der mit Frau und einem befreundeten Ehepaar unterwegs ist. Unter Schatten spendenden Kastanien genießen Gäste der „Sonderbar“ an der Nagold Rostbraten & Co. „Wir sind froh, dass wir wieder öffnen dürfen. Es macht richtig Spaß“, sagt Alexandra Gehrum.

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„Dürfen wir das eigentlich?“ Die Frage des kräftigen jungen Mannes, der einen Grill an das Flussufer der Nagold in der Nähe des Kupferhammers schleppt, ist ganz klar mit Nein zu beantworten. An dieser Stelle zwischen Pforzheim und Dillweißenstein versammeln sich auch an diesem Tag die Familien. Die Frage des Grillträgers, flankiert von Kühltaschen schleppenden Kumpels, dürfte sich spätestens erledigt haben, wenn die nächste Polizeistreife vorbeikommt.