Skywalk in Sicht: Das Besucherzentrum für den Nationalpark Nordschwarzwald soll auch Weitsicht bieten. Allein die Anlieferung der Stahlkonstruktion dafür erregte Aufsehen.
Skywalk in Sicht: Das Besucherzentrum für den Nationalpark Nordschwarzwald soll auch Weitsicht bieten. Allein die Anlieferung der Stahlkonstruktion dafür erregte Aufsehen. | Foto: Doll

Architektin Pia Riegert-Matt

Chefin von Vermögen und Bau verabschiedet sich aus Pforzheim

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Personalwechsel bei Vermögen und Bau in Pforzheim. Auf Pia Riegert-Matt folgt nach elf Jahren an der Spitze Christian Lindinger als kommissarischer Leiter. Zu den Aufgaben der scheidenden Chefin gehörten  die Neubauten fürs Polizeipräsidium und die Hochschule Pforzheim, die Sanierung mit Neubau im Weltkulturerbe Kloster Maulbronn, die Restaurierung der barocken Schlosskirche Rastatt und das neue Nationalparkzentrum.

Das Vorzeigeprojekt schlechthin für Pia Riegert-Matt schmiegt sich bereits sanft an den Nationalpark Nordschwarzwald an. Im Oktober soll die kühne Holzkonstruktion für das neue Besucherzentrum bauseitig fertig sein.

Die Leiterin des Amts für Vermögen und Bau in Pforzheim hatte seit 2014 die Verantwortung dafür. Jetzt indes, in der Endphase, ist sie nicht mehr zuständig. Sie übergibt den Landesbaubezirk, den sie 2009 als „einen der schönsten“ begrüßte, am 1. August an den designierten Nachfolger Christian Lindinger, der das Amt bereits kommissarisch führt.

Das Urteil steht für die Breite der architektonischen Herausforderungen zwischen Freudenstadt, Baden-Baden und dem Gebiet unmittelbar nördlich von Pforzheim. Das Weltkulturerbe in Maulbronn gehört genauso dazu wie die einzigartige barocke Innenraumgestaltung in der Rastatter Schlosskirche, das technisch hochgerüstete Polizeipräsidium oder eben das auf schroffen Schwarzwaldkämmen gebaute Besucherzentrum des Nationalparks.

Begeisterung für die Mischung aus Denkmalschutz und zeitgenössischem Bauen

Die Begeisterung für die Aufgabe hat Pia Riegert-Matt auch wenige Tage vor dem Abschied von ihrem Amt in der Pforzheimer Simmlerstraße nicht verlassen. Die frühere Mitarbeiterin im Büro von Stararchitekt James Stirling schätzt die Mischung aus Denkmalschutz und zeitgenössischem Bauen in gewachsenen Strukturen, der sie schon beim Bau der Staatsgalerie in Stuttgart begegnete.

Auch die Auseinandersetzung mit höchst unterschiedlichen Anliegen entspricht ihrem Naturell. Riegert-Matt sieht sich als Ideengeberin und Moderatorin, wenn es darum geht, Dinge voranzutreiben, egal ob es sich um die Corona-taugliche Einteilung von Hausmeisterdiensten in Landesgebäuden, die Baden-Badener Kurverwaltung oder die Hochschule Pforzheim handelt.

Für all das wird jetzt ein Jurist zuständig. Lindinger hat das bislang alles aber schon vom Finanzministerium in Stuttgart aus beobachtet. Er ist seit einiger Zeit im Haus, was Pia Riegert-Matt die Möglichkeit eröffnete, ihren Bauschatz in all seinen Facetten geordnet zu übergeben. Sie stand mit ihrem Nachfolger auf der Baustelle zum Zentrum für Präzisionstechnik. Er weiß, was in der Justizvollzugsanstalt in Heimsheim zu tun ist, und ist bereits der Sanierung der Burgruine Liebeneck begegnet.

Das Amt hat jahrelang darunter gelitten, dass zu wenig Geld da war.

Pia Riegert-Matt, scheidende Chefin von Vermögen und Bau in Pforzheim

„Das Amt hat jahrelang darunter gelitten, dass zu wenig Geld da war“, erinnert Riegert-Matt an den Anfang. „Das war unglaublich hart, weil viele notwendige Instandsetzungen nicht durchgeführt werden konnten.“ Schwierig sei auch gewesen, dass der Personalabbau nicht strukturiert, sondern zum Beispiel nach dem System Zufall des Ruhestands gelaufen sei.

Wenn jetzt etwas länger dauert als geplant, ist es der Fachkräftemangel.

Pia Riegert-Matt, scheidende Chefin von Vermögen und Bau in Pforzheim

Seit Grün-Rot beziehungsweise Grün-Schwarz in Stuttgart das Sagen hat, werde alles daran gesetzt, den Sanierungsstau abzuarbeiten. Das Amt sei binnen zehn Jahren von 60 auf 100 Mitarbeiter gewachsen. Personalwechsel bei Vermögen und Bau in Pforzheim. Wenn jetzt etwas länger dauert als geplant, ist es der Fachkräftemangel.“  Der Staat tue sich schwer, Stellen zu besetzen, solange in der freien Wirtschaft mehr Geld zu verdienen ist, erzählt die scheidende Chefin.

Holzbauweise und Recyclingbeton

Aber das Negative, das Leiden an den Verhältnissen ist ihre Sache nicht. Natürlich quäle manchmal der deutlich gewachsene Anspruch an Brandschutz. Aber ansonsten klingt Pia Riegert-Matt begeistert, wenn sie auf die veränderten Rahmenbedingungen von Bauen zu sprechen kommt. Holzbauweise und Recyclingbeton, wo immer es geht, seien gefragt.

Fotovoltaik und am besten Plus-Energie, wenn es wirtschaftlich irgendwie vertretbar ist, gehörten sowieso zum öffentlichen Bauen in Baden-Württemberg. Schließlich sollen die Gebäude „eine Vorbildfunktion haben, auch energetisch und nachhaltig“. Es gelte auch schlichte Bauaufgaben anspruchsvoll zu gestalten, nur nicht so aufwändig. Das muss nicht teuer sein, schiebt die scheidende Amtschefin nach.

Wir haben die Komplexität des Vorhabens total unterschätzt.

Pia Riegert-Matt zur Kostenexplosion beim Nationalparkzentrum

„Wir haben die Komplexität des Vorhabens total unterschätzt“, sagt die scheidende Amtsleiterin zum Aufreger schlechthin unter ihrer Leitung: Die Kostenexplosion beim Nationalparkzentrum von 25,5 auf 50 Millionen Euro. „Das Haus ist ja einzigartig und hochinnovativ.“

Mehr zum Thema: Enormer Kostenanstieg: Schwarzbuch kritisiert Besucherzentrum Nationalpark Schwarzwald

Weder die Bauverwaltung noch die Architekten, Statiker und Firmen hätten richtig beurteilt, was das Bauen in einer solchen Höhenlage am steilen Hang und im Wald erfordert.

Feinste Steinmetzarbeit: Auch der Kreuzgang im Weltkulturerbe Kloster Maulbronn gehört zum Aufgabengebiet von Vermögen und Bau in Pforzheim.

Der Lieblingsneubau von Pia Riegert-Matt „abgesehen vom Nationalparkzentrum“ steht in Maulbronn. Es ist der Ausbau des evangelischen Seminars inmitten des als Kulturerbe hervorgehobenen Klosters, dessen Kreuzgang und Kirche parallel dazu ebenfalls zwischen 2007 und 2018 instandgesetzt wurden.

Auch das T2 genannte zweite Technikgebäude an der Hochschule Pforzheim schätze sie sehr. Es ist eines der wenigen Projekte, die sie von Anfang an bis zur Fertigstellung begleitete.

Bei der Polizei zeigen sich die verschlungenen Wege des Bauens

Wie verschlungen die Wege staatlichen Bauens sein können, zeigt beispielhaft die Bahnhofstraße 22 in Pforzheim – ein denkmalgeschütztes Sandsteingebäude. Bei der Polizeireform 2014 außer Dienst gestellt, wurde das Haus anschließend ebenso fürs Notariat wie für die Außenstelle des Landgerichts Karlsruhe in Pforzheim diskutiert, bis es am 1. Januar 2020 wieder der Polizei zugeschlagen wurde.

Ich bin richtig Stolz, dass fürs Polizeipräsidium alles fertig war zum 1. Januar.

Pia Riegert-Matt zur Herausforderung, die die Polizeireform mit sich brachte

Das Team von Vermögen und Bau in Pforzheim hatte nicht viel Zeit, die Reform der Polizeireform baulich herzustellen, die den Zuschlag für ein Polizeipräsidium in Pforzheim brachte. Sie sei deshalb „richtig stolz“, sagt Riegert-Matt, dass sie es geschafft hat, in kürzester Zeit diese Gebäude mit extrem hohen Anforderungen zum 1. Januar dieses Jahres fertig zu haben.

Polizeipräsidium Pforzheim: Wo jetzt Autos parken, plant das Land ein neues Einsatz- und Lagezentrum. Eine Entscheidung dazu sowie weiterer Entwürfe soll demnächst in Stuttgart  fallen.

Nachspiel des „Kraftakts“ Polizei ist Sache des Nachfolgers

Der „Kraftakt“ bekommt jetzt noch ein Nachspiel. Aber das wird nicht mehr ihre Sache sein. In Stuttgart liegen Pläne für mehrere Polizeineubauten in Calw und Pforzheim.

Sie werden „richtig anspruchsvoll“, freut sich die Frau, die längst nicht mehr im Amt ist, wenn sich beim Festakt alle über das Ende der provisorischen Domizile freuen. Aber sie vertraut darauf, hier wie im Frühjahr bei dem hölzernen Wahrzeichen für den Nationalpark eingeladen zu sein, zur großen Eröffnung.