Markthallencharme mitten auf dem Haidach: Für ein Treffen mit dem Pforzheimer Kurier an seinem Lieblingsort hat sich OB-Kandidat Dimitrij Walter das Café des italienischen Supermarkts nahe des Bürgerhauses ausgesucht. | Foto: Wacker

OB-Wahlkampf Pforzheim

Auf dem Haidach denkt Walter an unbeschwerte Zeiten zurück

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Seinen Pforzheimer „Lieblingsort“ kennt Dimitrij Walter seit rund 15 Jahren. Als der damals 20-Jährige ihn nahezu täglich aufsuchte, beherbergten die Räumlichkeiten auf dem Haidach die Filiale eine Supermarktkette. Seit gut einem Jahr ist dort ein italienisches Feinkostgeschäft untergebracht. Der parteilose OB-Kandidat kommt regelmäßig in das zugehörige Café. Inhaberin Enza Fedele begrüßt den 34-Jährigen mit einem herzlichen Schulterklopfen.

Auf den Haidach will sich Walter nicht verlassen

Dass Walter als Kandidat nicht unumstritten ist, interessiert sie nicht. Er sei ein positiver Mensch und ein höflicher Gast, den sie gerne unterstütze, sagt Fedele. „Weil der sich etwas traut. Genau wie wir es gewagt haben, unseren Laden hier zu eröffnen, mitten unter den Russen“, sagt die Italienerin und lacht. Walter lächelt nur müde – und unterstreicht die Ironie: Nur wenige Meter weiter, im russischen Supermarkt, habe er Plakate aufhängen wollen und sei abgeblitzt. Nun hängt dort Konkurrent Gert Hager. Zwar sei er selbst in Russland geboren, sein Akzent sorge dafür, dass auch keiner das je vergesse. Die Russlanddeutschen auf dem Haidach wollen ihn zu einem großen Teil aber gar nicht wählen, fürchtet Walter, und rührt in seinem Cappuccino. Die Haidach-Bewohner sähen ihn nicht als ihresgleichen. Zu früh sei er mit der Familie aus der Leipziger Straße nach Eutingen gezogen. Dem einen sei er zu russisch, dem anderen zu deutsch. „Und manche wählen hier gar nicht mehr. Sie glauben nicht, dass sich etwas ändert.“

Freundschaften aus der Schulzeit bestehen noch

Wenn Walter in den Laden der Fedeles komme, würden Erinnerungen an die Zeit auf der Berufsschule wach: „Wir waren vier Freunde, alle auf der Heinrich-Wieland-Schule. Jeden Mittag haben wir hier eingekauft, meistens Kuchen“, sagt Walter. Die Freundschaften bestünden noch heute. „Wir sind immer füreinander da. Das waren damals irgendwie unbeschwerte Zeiten.“ Seine Freunde unterstützen ihn auch bei der Kandidatur. „Obwohl keiner die Idee gleich toll fand. Die Reaktionen waren eher: Ohje, du blamierst uns. Warum mischst du dich da ein?“ Die anfängliche Skepsis seiner Freunde verunsichere ihn jedoch ebenso wenig wie die Tatsache, dass ihn mancher nicht ernst nehme: „Ich habe mein ganzes Leben gehört, Dimitrij, du schaffst das nicht. Und trotzdem bin ich so weit gekommen“, betont der gelernte Kommunikationselektroniker.

Die Leute denken, das ist eine Show und die wollen sie sehen.

Auf den Kandidatenvorstellungen erntete Walter Lacher und Applaus für erfrischende Ideen und Aktionen. „Die Leute denken, das ist eine Show und die wollen sie sehen. Dabei will ich wirklich etwas für Pforzheim tun“, sagt Walter. Dass er häufig „nach rechts gesetzt“ werde, versteht Walter nicht. „Ich habe immer versucht, mich anzupassen. Irgendwann habe ich gemerkt, dass sich gerade die Politiker und Leute ganz oben überhaupt nichts trauen. Jetzt sage ich, was ich denke.“ So habe er bei der Landtagswahl im vergangenen Jahr vor allem im Netz ein gutes Abschneiden der AfD prognostiziert, aber nicht etwa befürwortet. Müsste er sich politisch positionieren, dann ginge das eher in Richtung FDP. „Typ Rülke“, sagt Walter.

15000 Euro Erspartes gehen für den Wahlkampf drauf

Für den Wahlkampf hat er Urlaub genommen und in den vergangenen zwei Jahren rund 15 000 Euro als Budget gespart. Das ist jetzt aufgebraucht: „Ein bisschen Geld hab ich noch von Mama geliehen.“ Zu Beginn seiner Kandidatur wäre er mit 5 000 Stimmen zufrieden gewesen, nun könne er seinen Stand schlecht einschätzen, sagt Walter und klingt fast ernüchtert. „Jetzt schraube ich meine Erwartungen runter. Wenn man so viel investiert, will man am Ende natürlich am liebsten gewinnen.“ Wenn es mit dem Oberbürgermeisterposten nichts wird, will Walter sich erst einmal von der Politik verabschieden. Und dann? „Es gibt keinen Plan. Es geht weiter, wie immer: Ich mache einfach.“

Über die Lieblingsplätze der übrigen Kandidaten berichteten wir hier: