Das Kinderbuch "Trau keinem Fuchs auf grüner Heid und keinem Jud bei seinem Eid" gilt als eine der „widerlichsten Veröffentlichungen des Stürmer-Verlags“. Ein Exemplar dieses Buches wurde im Oktober bei einem Auktionshaus aus der Region Pforzheim versteigert.
Das Kinderbuch "Trau keinem Fuchs auf grüner Heid und keinem Jud bei seinem Eid" gilt als eine der „widerlichsten Veröffentlichungen des Stürmer-Verlags“. Ein Exemplar dieses Buches wurde im Oktober bei einem Auktionshaus aus der Region Pforzheim versteigert. | Foto: dpa

Nachdruck steht auf dem Index

Auktionshaus aus der Region Pforzheim versteigert umstrittenes Nazi-Kinderbuch

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Ein hohes Maß an „sadistischer Rohheit und demagogischer Verlogenheit“ bescheinigte die Schriftstellerin Erika Mann dem Bilderbuch „Trau keinem Fuchs auf grüner Heid und keinem Jud bei seinem Eid“. Ein Auktionshaus aus der Region Pforzheim hat eben jenes umstrittene Buch, das zur rassenideologischen Erziehung diente, jetzt versteigert.

Große Bilder, bunte Zeichnungen, dazwischen ein bisschen Text in Deutscher Schrift. Das alte Bilderbuch aus dem Jahr 1936 sieht auf den ersten Blick harmlos aus. Auf den zweiten Blick ist es eine antisemitische Hetzschrift, geschrieben von der damals 18-jährigen Erzieherin Elvira Bauer. Veröffentlicht wurde das Buch „Trau keinem Fuchs auf grüner Heid und keinem Jud bei seinem Eid“ vom nationalsozialistischen Stürmer-Verlag und diente der rassenideologischen Erziehung von Kindern.

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Buch für 1.100 Euro versteigert

Ein Exemplar, Erstausgabe, eben jenes umstrittenen Buches wurde im Oktober bei einem Auktionshaus aus der Region Pforzheim versteigert. Für 1.100 Euro wechselte das Bilderbuch den Besitzer. Nicht die erste Auktion dieser Art. Bereits bei einer früheren Auktion wurde ein Exemplar der dritten Auflage des Buches versteigert. Beide Male wurden mehrere Inhaltsseiten, mit Bildern und Texten, auf der Homepage des Auktionshauses gezeigt.

Nachdruck steht auf dem Index

Seit November 2017 ist der Nachdruck des Buchs von einem deutschen Verlag aus Leipzig offiziell indiziert, wie die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien auf Nachfrage mitteilt. Das Gremium kam damals zu dem Ergebnis, „dass der Inhalt des Buches strafrechtlich relevante Inhalte im Sinne des Paragraph 130 Absatz 2 Strafgesetzbuch (Volksverhetzung) aufweist.“ Das Original lag der Bundesprüfstelle nicht vor.

Das Werk von 1936 wurde schon zur Nazizeit heftig kritisiert. Schriftstellerin Erika Mann, Tochter des Literaturnobelpreisträgers Thomas Mann, erkannte 1938 in dem Werk ein hohes Maß an „sadistischer Rohheit und demagogischer Verlogenheit“.

Große Auflage

Mindestens sieben Auflagen sind erschienen, weit mehr als 100 000 Exemplare wurden gedruckt. Auch das erklärt, wieso das Buch heutzutage immer mal wieder bei Auktionen in ganz Deutschland zu finden ist. In den letzten 20 Jahren wurde es laut der Internetseite Auktionspreise-Online 34 Mal angeboten.

Händler sichert sich über AGBs ab

Das Auktionshaus aus der Region Pforzheim, das als Zwischenhändler fungiert, sichert sich beim Verkauf von Gegenständen aus der NS-Zeit über seine Allgemeinen Geschäftsbedingungen ab. Darin heißt es, dass Schriften und Plakate aus dieser Zeit „nur zu Zwecken der staatsbürgerlichen Aufklärung, der Abwehr verfassungswidriger Bestrebungen, der Kunst oder der Wissenschaft, der Forschung oder der Lehre, der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte oder ähnlichen Zwecken angeboten“ werden.

Wer ein Gebot abgibt, akzeptiert das. Inwieweit aber überprüft wird, was nach der Auktion mit dem verkauften Gegenstand passiert und was die Absichten des Käufers sind, darüber hält sich das Auktionshaus bedeckt. Auf Anfrage teilte der Inhaber des Auktionshauses mit: „Wir zensieren in unseren Auktionskatalogen keine geschichtlichen Fakten. Wir verkaufen zeitgeschichtliche Werke.“

Es ist ein heißes Eisen

„Solche Bücher dürfen gehandelt werden, es muss aber jeder mit sich selber ausmachen, ob er das offen anbietet“, sagt Sibylle Wieduwilt, Vorstandsvorsitzende des Verbands Deutscher Antiquare auf Nachfrage dieser Zeitung. Ein anderer Auktionator aus der Region sagte ebenfalls auf Anfrage: „In der heutigen Zeit so etwas zu verkaufen, das geht nicht. Alleine schon aus moralischen Gründen. Es ist ein heißes Eisen.“ Auch wenn es natürlich eine wirtschaftliche Frage sei, da der Markt für NS-Literatur und -Devotionalen durchaus vorhanden sei.

Handel mit NS-Literatur nicht verboten

Der Handel mit Büchern aus der NS-Zeit, selbst wenn diese auf dem Index stehen, ist nicht verboten. Für indizierte Medien gilt allerdings ein weitreichendes Verbreitungs- und Werbeverbot nach Paragraph 15 des Jugendschutzgesetzes. Demnach dürfen Inhalte nicht für Kinder und Jugendliche zugänglich gemacht werden.

Dies gilt auch für Trägermedien, die mit einem auf der Liste der jugendgefährdenden Medien stehenden Medium „ganz oder im Wesentlichen inhaltsgleich sind“. Inwieweit dies hier der Fall ist, lässt sich so einfach nicht klären. Ein fader Beigeschmack aber bleibt, findet auch Rami Suliman. „Dass man Propaganda verkauft, auf der Suche nach Geld, das ist schlimm. Man verbreitet so diese Ideologie weiter“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Pforzheim.

Käufer nicht aus der Region

Wer das Buch erworben hat, möchte das Auktionshaus mit Blick auf den Datenschutz nicht verraten. Ein Mitarbeiter teilt nur so viel mit: Es ging in den Besitz einer Privatperson, die nicht aus dem Raum Pforzheim kommt, über. Wer das ist, und was seine Absichten sind, darüber gibt es keine Informationen.

Bücher zur ideologischen Erziehung der Kinder und Jugend gab es im Dritten Reich viele. Der Nürnberger Stürmer-Verlag von NSDAP-Gauleiter Julius Streicher gehörte auch zu den Herausgebern. Insgesamt drei Kinderbücher erschienen in dem Verlag, der für das antisemitische Wochenblatt „Der Stürmer“ bekannt ist.
1936 erschien „Trau keinem Fuchs auf grüner Heid und keinem Jud bei seinem Eid“ von der Erzieherin Elvira Bauer. 1938 folgte das Buch „Der Giftpilz“ von Ernst Hiemer, mit Illustrationen von Philipp Rupprecht. Ebenfalls von Hiemer ist das 1940 erschienene „Der Pudelmopsdackelpinscher“. Während die beiden ersten Bücher große Bilder und einfache Texte haben, ist das 1940 erschienen Werk eher an ältere Kinder gerichtet. Alle Bücher erreichten für die damalige Zeit sehr hohe Auflagenzahlen, wodurch sie heute noch gehandelt werden. Die Nachdrucke der drei Bücher sind von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indiziert worden.