Allen Bemühungen zum Trotz: Die Stadtverwaltung Pforzheim erleidet beim Kita-Ausbau einen Rückschlag. Derzeit fehlen 750 Plätze. | Foto: Holger Hollemann/dpa

750 Plätze fehlen derzeit

Babyboom in Pforzheim: Rückschlag beim Kita-Ausbau

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Allen Bemühungen zum Trotz: Die Stadtverwaltung Pforzheim erleidet beim Kita-Ausbau einen Rückschlag. Allein in den kommenden beiden Jahren werden 450 zusätzliche Plätze geschaffen. Dennoch kann der vorhandene Fehlbedarf wohl erst ab 2022 abgebaut werden.

Im laufenden Jahr ist die Lücke mit voraussichtlich rund 750 fehlenden Plätzen noch größer als 2018.

Rüdiger Staib, Lorena Rautenberg, Frank Fillbrunn und Joachim Hülsmann (von links) arbeiten am Kita-Ausbau. | Foto: PK

Die aktuellen Zahlen präsentierte Sozialbürgermeister Frank Fillbrunn am Donnerstag bei einem Pressegespräch im Rathaus. Mittelfristig sollen demnach mehr als 1000 neue Plätze entstehen. „Das ist eine beachtliche Leistung, weil diese Zahl einem Fünftel aller bereits vorhandenen Plätze entspricht“, sagte Fillbrunn. Die erhoffte Entlastung wird wohl trotzdem noch auf sich warten lassen. So schließen in den kommenden Jahren auch einzelne Einrichtungen, wodurch rund 400 Plätze entfallen.

Babyboom in Pforzheim

Vor allem aber wurde die Verwaltung von der Heftigkeit der demografischen Entwicklung überrascht. Neben der ungebremsten Zuwanderung geht es hier vor allem um einen Zuwachs bei den Geburten. Sah es nach Darstellung der Stadt 2017 noch so aus, als würde sich der Trend abschwächen, gab es 2018 dann tatsächlich fast 150 Babys mehr als noch im Jahr zuvor.

Bedarf könnte weiter steigen

Ohne die zusätzlichen Anstrengungen der Verwaltung würde der rechnerische Fehlbedarf von 613 Plätzen in Kitas und Krippen im Jahr 2018 deutlich wachsen: bis 2021 wären es laut Zahlen der Stadt 1150 Fehlplätze, bis 2025 sogar rund 1500. Setzen sich die aktuellen Trends fort, könne der rechnerische Bedarf bis 2025 sogar noch weiter steigen. „In den Jahren 2020 und 2021 wird der Ausbau zwar in etwa mit der Bedarfsentwicklung mithalten können“, kündigte Fillbrunn an. „Aber wir werden es trotz aller bisherigen Anstrengungen voraussichtlich nicht schaffen, die Anzahl der bestehenden Fehlplätze abbauen zu können.“ Erst ab 2022 werden die Ausbauzahlen wohl den zusätzlichen Platzbedarf übersteigen.

Zirkus-Kita und Modulbau?

Nun sind aus Sicht der Stadt weitere Bemühungen nötig. „Wir sind jetzt gefordert zu prüfen, ob wir Dinge beschleunigen können“, sagt Sozialamtsleiter Rüdiger Staib. Man werde „alles auf den Prüfstand stellen“, wie in den nächsten zwei Jahren zusätzliche Plätze geschaffen werden könnten.
Die Überlegungen reichen bis hin zu „Zirkus-Kitas“. Noch sei da nichts spruchreif, sagte Lorena Rautenberg. Man lasse das Angebot aber prüfen. Zirkus-Kitas seien keinesfalls ein Not-Konzept. Mit ihnen verbinde sich ein „ausgefeiltes pädagogisches Konzept“ unter dem Zirkuszelt. Mit den bisher eingerichteten Natur-Kitas ist Dezernent Fillbrunn zufrieden. Damit lassen sich vergleichsweise schnell neue Plätze schaffen. Außerdem prüfe man die Möglichkeit des Modulbaus, um Bauvorhaben zu beschleunigen. „Wir sind auch für alle anderen Ideen sehr offen“, so Fillbrunn. Neben den „baulichen Hüllen“ sei die Suche nach Fachkräften die größte Herausforderung.

Auch in den Schulen verschärft sich die Situation

Auf Krippen und Kitas allein sind die demografischen Veränderungen nicht beschränkt. Für Horte lässt sich laut Verwaltung ein zusätzlicher Bedarf von rund 200 Plätzen in den kommenden fünf Jahren errechnen, wenn man die aktuelle Versorgungsquote halten will. Auch in den Schulen werde sich die Situation später bemerkbar machen.
Aktuell laufen beim Ausbau und Kitas und Krippen rund 30 kleine und größere Vorhaben. Aus diesen Projekten sollen 1100 bis 1200 Plätze bis 2023 entstehen – wenn alles glattgeht.