KOMMT DIE KOMBILÖSUNG? Das Konzept der Stadtverwaltung Pforzheim für eine Gesamtbäderstrategie sieht den Ausbau des Freibads auf dem Wartberg zum zentralen Kombi-Bad für 48 Millionen Euro vor. Im Gemeinderat gibt es aber auch viele Stimmen für eine Lösung beim Emma-Jaeger-Bad. | Foto: BNN-Archiv

Konzept der Stadtverwaltung

Bäder Pforzheim: Widerstand gegen Wartberg-Lösung

Mehrere Bäder sollen geschlossen werden, auf dem Wartberg soll ein Kombi-Bad entstehen: Die Stadtverwaltung Pforzheim hat ein Konzept für die Zukunft der Goldstadtbäder vorgelegt, das erhebliche Veränderungen und Einschnitte vorsieht. Darüber entscheiden soll nun der Gemeinderat. Eine erste Umfrage bei den Fraktionen zeigt allerdings: Gegen die Lösung von Oberbürgermeister Peter Boch gibt es Widerstand, die Zustimmung im Rat ist ungewiss. 

Hintergrund des Bäderkonzeptes von Oberbürgermeister Peter Boch und Bäder-Dezernent Dirk Büscher sind die von der Finanzaufsicht ausgelösten städtischen Sparmaßnahmen. Im Juni 2016 hatte der Gemeinderat als wesentlichen Bestandteil der Haushaltskonsolidierung beschlossen, dass dem Eigenbetrieb Pforzheimer Verkehrs- und Bäderbetriebe (EPVB) ab dem Haushaltsjahr 2020 keine Mittel mehr aus dem Haushalt zur Verfügung stehen. Hinzu kommt der teilweise erhebliche Sanierungsbedarf in den städtischen Badeanstalten.

Bäder Pforzheim
DOCH NOCH HOFFNUNG? Im Gemeinderat Pforzheim gibt es viele Befürworter für einen Neubau beim maroden Emma-Jaeger-Bad. | Foto: Archiv/Ehmann

Das Bäder-Konzept für Pforzheim

Ziel des Konzeptes sei „die langfristige Sicherung einer attraktiven, wirtschaftlich tragfähigen Bäderlandschaft in Pforzheim“. Dazu soll das marode innerstädtische Emma-Jaeger-Bad geschlossen werden – zugunsten eines neuen Kombi-Bades auf dem Wartberg, beim jetzigen Freibad.

Langfristig weiter betrieben werden sollen die Schulbäder Brötzingen („Fritz-Erler-Bad“) und Buckenberg. Für das Hallenbad in Huchenfeld, das zum Jahresende schließen soll, sieht das städtische Bäderkonzept bis auf Weiteres keinen Neubau vor. Ebenfalls von der Schließung bedroht sind das Nagoldfreibad in Dillweißenstein und das Hallenbad in Eutingen, das „nach Ablauf seiner technischen und wirtschaftlichen Lebensdauer“ geschlossen werden soll, so die Stadtverwaltung in ihrem Bäderkonzept.

Die Reaktionen der Fraktionen

Dieses Konzept soll nun von den politischen Gremien diskutiert und schließlich vom Gemeinderat verabschiedet werden. Doch schon kurz nachdem die entsprechende Ratsvorlage an die Stadträte verschickt wurde, hagelt es Kritik – nicht nur von betroffenen Ortsvorsteher, Schwimmvereinen und Sportfunktionären, sondern auch aus dem Gemeinderat.

FDP/Freie Wähler

Die Ratsfraktion aus FDP und Freien Wählern erteilt dem Bäderkonzept eine Absage: Laut Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke gehe es nicht an, „einerseits für Millionen Prestigeprojekte wie Innenstadt-Ost voranzutreiben und andererseits Versprechen gegenüber den Ortsteilen zu brechen.“ Bereits vor Jahren habe ein Gutachten ergeben, dass die bestehende Wasserfläche in Pforzheim einer Großstadt dieser Größenordnung entspreche. Deshalb sei es die falsche Politik, einerseits unsinnige und überteuerte Prestigeprojekte voranzutreiben, um andererseits die Bäderlandschaft einzudampfen und Versprechungen gegenüber den Ortsteilen zu brechen.

Grüne Liste

Eine Absage an die Pläne kommt auch aus der Ratsfraktion Grüne Liste, die sich zuletzt für den Standort Wartberg stark gemacht hatte. Dies sei aber unter der Prämisse eines Investoren-Modells geschehen, so Fraktionschef Axel Baumbusch. Da die Stadtverwaltung aber keinen Investor gefunden habe und nun die Wartberglösung in Eigenregie plane, sei seine Fraktion nun für die innerstädtische Lösung. „Wir wollen einen Neubau am Standort des Emma-Jäger-Bades sowie den Erhalt der Ortsteilbäder.“ Dies sei erkennbar auch der Wille der Bürger. Mehrkosten könnten teilweise durch die Erhöhung von Eintrittsgeldern aufgefangen werden.

AfD

Auch die Pforzheimer AfD-Fraktion will ihrem Chef Bernd Grimmer zufolge am Erhalt des Emma-Jaeger-Bades festhalten. „Das ist die bessere Lösung, auch wenn sie etwas teurer sein mag als der Neubau auf dem Wartberg“, so Grimmer. Zur Finanzierung der Mehrkosten sagte Grimmer, dass es für die AfD „nicht in Stein gemeißelt“ sei, dem Bäder-Eigenbetrieb EPVB ab 2020 keine Zuschüsse mehr zu gewähren.

SPD

„Die SPD präferiert emotional das Emma-Jaeger-Bad. Aber wir sehen auch, welche Auswirkungen diese Lösung auf andere Bäder haben könnte“, so SPD-Fraktionschef Ralf Fuhrmann, der befürchtet, dass bei einem innerstädtischen Neubau schließlich der Erhalt der Freibäder nicht mehr finanziert werden könne. Was das Stadtteilbad Eutingen betreffe, sei die SPD-Fraktion sehr klar: Dessen Schließung könne man nur akzeptieren, wenn stattdessen eine andere Sportstätte, eine Turnhalle verbindlich projektiert werde.

Wir in Pforzheim / Die Linke

Die Fraktionsgemeinschaft WiP/Die Linke ist grundsätzlich gegen Bäderschließungen, Sparmaßnahmen seien in anderen Bereichen sinnvoller. Für befangen erklärt sich unterdessen Fraktionssprecher Christof Weisenbacher. „In meiner Eigenschaft als Vorsitzender des Fördervereins Wartbergbad begrüße ich aber die Wartberg-Pläne.“

CDU

Allein die größte Fraktion im Pforzheimer Rat hält sich zum Thema Bäderlandschaft unterdessen noch bedeckt. CDU-Fraktionschef Florentin Goldmann: „Wir werden die Vorlage in einer Klausursitzung am kommenden Montag intensiv diskutieren und eine gemeinsame Position suchen.“

Externer Link: Die Bäder der Stadt Pforzheim