Bürgermeister-Stellvertreter und Wahlausschuss-Leiter Kurt Ebel (links) präsentierte den über 200 interessierten Zuhörern in der Remchinger Kulturhalle den einzigen Kandidaten Luca Wilhelm Prayon. Foto: Zachmann

Zukunftsprojekte in Remchingen

„Bahnhofumbau radikal angehen“

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Zügig, präzise und ohne Misstöne verlief die Kandidatenvorstellung in der Remchinger Kulturhalle für die Bürgermeisterwahl am kommenden Sonntag. Amtsinhaber Luca Wilhelm Prayon, der wie berichtet der einzige Bewerber ist, blickte in seiner 20-minütigen Rede vor über 200 Zuschauern zurück auf seine erste Amtszeit und führte aus, was er in den kommenden acht Jahren anpacken will.

Richtungsweisende Entscheidungen getroffen

Das neue Rathaus neben der Kulturhalle, Hochwasserschutz, Ortsumgehung bei Nöttingen – große Projekte seien in den vergangenen Jahren auf den Weg gebracht worden, so Prayon. Darüber hinaus habe die Gemeinde Geld in das Kanalnetz, in Schulen und Kindergärten investiert. Die Gemeinde stehe gut da, weil die Verwaltung über Jahrzehnte richtungsweisende Entscheidungen getroffen habe, sagte Prayon mit Gruß an seinen Vorgänger im Amt, Wolfgang Oechsle, den er besonders willkommen hieß, und mit dem er in den vergangenen Jahren bei Themen wie Rathausneubau und Umbau des Altenpflegeheims nicht immer einer Meinung gewesen ist.

Prayon benennt „Herzensangelegenheit“

Auch im gesellschaftlichen Bereich habe sich die Gemeinde gut entwickelt, vor allem durch das große ehrenamtliche Engagement. Dadurch habe der Zuzug von Flüchtlingen gut bewältigt werden können. Alles sei friedlich geblieben, weil sich Hunderte von Ehrenamtlichen um die Asylbewerber gekümmert hätten. Eine „Herzensangelegenheit“ ist für den 42-Jährigen, dass Remchingen eine „Gemeinde für Menschen“ wird – mit Begegnungsstätten, schönen Plätzen in den Ortsteilen, hoher Lebensqualität und einem Autoverkehr, der besser gelenkt und organisiert wird.
Im Wirtschaftsbereich will der Bürgermeister „bestmögliche Rahmenbedingungen“ für Ausbildungsplätze schaffen und den ortsansässigen Unternehmen Möglichkeiten zur Weiterentwicklung bieten. Wichtige Elemente könnten in dem Zusammenhang eine gemeinsame Plattform und Veranstaltungen sowie kostenfreie Parkplätze in Ladennähe sein.

Bahnhofumgestaltung zentrales Vorhaben

Ein zentrales Vorhaben in den kommenden Jahren sei auch die Umgestaltung des Bahnhofgeländes. Gemeinderat Lothar Wolf hakte in der Fragerunde der Veranstaltung nach, ob es einen Zeitplan gebe. Das Thema sei „nervig“, weil fertige Pläne vorliegen, aber sich nach Gesprächen mit Bahn und Land dennoch nichts tue. Das Thema soll nun auf die Agenda, mit dem Gemeinderat diskutiert und „radikal angegangen werden“– notfalls auch als kleine Lösung, kündigte Prayon an.

„Schandfleck“ Brodbeckgelände

Eine große Herausforderung für die Gemeinde dürfte auch der Umbau des Altenpflegeheims sein. Hier fallen durch ein neues Gesetz bis 2019 26 Betten weg und müssen ersetzt werden. Fehlender Wohnraum sei ebenfalls ein großes Thema, zumal Flüchtlinge vorläufig untergebracht werden müssten. Könne die Gemeinde nicht den „Schandfleck“ Brodbeckgelände kaufen und hier Wohnraum schaffen? fragte ein Bürger. Es habe Kaufgespräche mit dem Eigentümer gegeben, aber der wolle nicht verkaufen, bedauerte Prayon.

Lärmschutz in Nöttingen weiter Thema

Irmgard Zachmann von der Bürgerinitiative „Ruhe jetzt“ fragte den Bürgermeister, ob er sich künftig weiter für den Schutz vor Lärm von der Autobahn einsetzen wolle und ob die Gemeinde notfalls Geld in die Hand nehme für einen Lärmschutzwall – wie es in Niefern und Friolzheim geschehen sei. Der Wall könnte auf einem gemeindeeigenen Grundstück im Ranntal stehen, so Zachmann.

Das Thema ärgert mich

„Das Thema ärgert mich, weil wir zu wenig erreicht haben“, räumte Prayon ein. Er habe wenig Hoffnung, dass sich der Bund in der Sache rühre. Das Problem sei, dass die Gemeinde die Planungen zum Lärmschutz beim Autobahnausbau zu lange blauäugig hingenommen habe und erst dann festgestellt habe, dass Daten im Plan nicht stimmen, nachdem die Bürgerinitiative „genervt“ und wiederholt darauf hingewiesen habe. Dafür dankte er Zachmann.
Termin

Das Wahlergebnis wird am kommenden Sonntag, 12. November, gegen 19.30 Uhr in der Kulturhalle verkündet. Saalöffnung ist um 19 Uhr.