Rettet ein Investor die Pläne für ein Kombi-Bad auf dem Wartberg? Immer mehr Stadträte sind da skeptisch. Im Bild: Das inzwischen geschlossene Emma-Jaeger-Bad. | Foto: Wacker

Bäder-Krise

Bangen um Wartbergbad in Pforzheim: Hoffnung auf Investor schwindet

Anzeige

Die Zukunft der Pforzheimer Bäder beschäftigt erneut die Politik. Knapp ein halbes Jahr nachdem der Gemeinderat seinen jüngsten Bäderbeschluss gefeiert hat, wird dessen Schwachpunkt immer deutlicher: die ungesicherte Annahme, ein Investor würde die Erweiterung des in die Jahre gekommenen Wartbergbades übernehmen.

Denn gemäß dem Beschluss vom Januar wird zwar in der City („Emma-Jaeger-Bad“) und in Huchenfeld für neue Hallenbäder mit Schwerpunkt Schul- und Vereinssport richtig Geld ausgegeben. Dafür sind 36 Millionen Euro veranschlagt. Doch daneben bleibt für den angestrebten Ausbau des Wartbergfreibades zu einem kombinierten Familienbad kein öffentliches Geld mehr übrig. Private Geldgeber sollten es richten.

Für eine Investorenlösung geworben hatten im Januar vor allem Großfraktionschef Hans-Ulrich Rülke (FDP) und SPD-Fraktionssprecher Uwe Hück. Insbesondere letzterer hatte den Eindruck erweckt, er habe bereits konkrete Geldgeber an der Hand. Nach einer europaweiten Ausschreibung kam nun die Ernüchterung: Ein einziger Investor bekundet sein Interesse. Wie seriös das Angebot tatsächlich ist, ist noch fraglich.

Ich glaube nicht an eine Investorenlösung unter den aktuellen Bedingungen.

Stadtrat Christof Weisenbacher (Wir in Pforzheim)

Laut Beschlusslage soll für ein privatisiertes Wartbergbad kein städtisches Geld mehr fließen. Stadtrat Christof Weisenbacher (Wir in Pforzheim) sagt unumwunden: „Ich glaube nicht an eine Investorenlösung unter den aktuellen Bedingungen.“ Zumal das Wartbergbad in Teilen marode ist. So müssen in der kommenden Winterpause Umkleideräume abgerissen werden.

Auch interessant: 25 Jahre Reichstagsverhüllung: Pforzheimer Architekt über das historische Projekt und Künstler Christo

In den Fraktionen schwindet die Hoffnung

Auch in anderen Fraktionen und Gruppierungen schwindet offenbar der Glaube an eine schnelle Investorenlösung. Die hatten den Bäderbeschluss vom Januar mitgetragen. In einem aktuellen Antrag, den SPD-Fraktionsgeschäftsführer Ralf Fuhrmann für die SPD, die CDU, die Grüne Liste und WiP/Die Linke eingebracht hat, drängt man auf Transparenz.

Auf dem Trockenen: Georg Busch, Bäder-Bereichsleiter vom städtischen Eigenbetrieb Pforzheimer Verkehrs- und Bäderbetriebe (EPVB), im Becken des maroden und deshalb Ende 2018 endgültig stillgelegten Emma-Jaeger-Bades in der Pforzheimer Innenstadt.
Auf dem Trockenen: Georg Busch, Bäder-Bereichsleiter vom städtischen Eigenbetrieb Pforzheimer Verkehrs- und Bäderbetriebe (EPVB), im Becken des maroden und deshalb Ende 2018 endgültig stillgelegten Emma-Jaeger-Bades in der Pforzheimer Innenstadt. | Foto: Archivfoto: Fix

Mit dem Investor müssten nun „weitere klärende Gespräche zu führen, um ernsthafte Realisierungs- und Umsetzungsmöglichkeiten zu besprechen und zu erkunden“, so heißt es. Zudem wird beantragt: „In den Fachausschüssen sollen diese Ergebnisse bezüglich ihres Inhalts, Auswirkungen und Folgen für die gesamte Bädersituation und der Finanzierungsgrundlage diskutiert und beraten werden.“

Auch interessant: Paar aus dem Enzkreis geht auf Pink-Ribbon-Tour quer durch Deutschland

Mit den Ergebnissen aus den Gesprächen mit dem Investor müsse dann geprüft werden, „ob dies eben Auswirkungen auf die Realisierung (Ausstattung und/oder Finanzierung) des Innenstadtbades am Standort Emma Jäger hat“, so heißt es.

Fuhrmann steht zum Bäder-Beschluss

Fuhrmann will das Vorgehen aber nicht als ersten Schritt zu einem Ausstieg aus dem mühsam erarbeiteten Bäderbeschluss verstanden wissen. „Es geht um eine Weiterentwicklung und gegebenenfalls Modifizierung“, betont der Antragsteller nicht von ungefähr.

Denn nach Jahren der Verzögerung, auch durch politische Uneinigkeit, ist der Leidensdruck bei Schwimmvereinen und Badengästen enorm. Das Unverständnis über die Politik ist groß. Schon nach jetzigen Zeitplan dauert es aber noch Jahre, bis in der City und in Huchenfeld wieder ein Hallenbad eröffnet. Laut Planung der Bäderverwaltung sollen der „Emma“-Neubau Ende 2025 und das Bad in Huchenfeld immerhin schon Ende 2024 in Betrieb gehen.

Auch interessant: Die Pforzheimer „Winterträume“ fallen wegen Corona aus

Den Kommunalpolitikern ist klar: Eine neuerliche Verzögerung schlüge auf die gesamte Stadtpolitik zurück. Im Antrag heißt es beschwörend: „Wir tragen alle die gemeinsame Verantwortung für eine gute Versorgung der Pforzheimer Bürgerinnen und Bürger mit entsprechenden Wasserflächen für den Schul-, Freizeit- und Schwimmsport.“ Ungeachtet der politischen Diskussion bemüht sich die Verwaltung um die Umsetzung der gültigen Beschlusslage. Ein Sprecher: „Die Ausschreibung für die Planungsarbeiten ist jetzt erfolgt.“