Alles im Plan: Die neue Projektleiterin Kathrin Hellwig steht in der Baugrube vor dem künftigen Nordportal des Arlingertunnels. Am Freitag beginnt der bergmännische Teil und damit die größte Herausforderung der Arbeiten. Hellwig: "Wir freuen uns, wenn es jetzt in den Berg reingeht und wir größere Ergebnisse sehen."
Alles im Plan: Die neue Projektleiterin Kathrin Hellwig steht in der Baugrube vor dem künftigen Nordportal des Arlingertunnels. Am Freitag beginnt der bergmännische Teil und damit die größte Herausforderung der Arbeiten. Hellwig: "Wir freuen uns, wenn es jetzt in den Berg reingeht und wir größere Ergebnisse sehen." | Foto: J. Müller

Pforzheim

Baustelle Westtangente: Jetzt geht es unter den Arlinger

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Auf der Baustelle Westtangente in Pforzheim wird es jetzt kompliziert. Am Freitag ist Auftakt für die bergmännischen Arbeiten am künftigen Arlingertunnel. „Damit beginnt der schwere Teil“, sagt Referatsleiter Jürgen Gentner vom Regierungspräsidium Karlsruhe.

Bisher ist bei dem Straßenbau-Großprojekt weiter alles im Plan. Bis Ende August wollte man die Baugrube vor dem künftigen Nordportal ausgehoben haben – und erledigte das pünktlich. Dafür wurden rund 90 Meter Strecke in offener Bauweise freigemacht und mehr als 30.000 Kubikmeter Erde ins Bernhardshäuleloch bewegt. Auf der Baustelle hat der Beobachter momentan eine hohe Wand vor sich, die mit Spritzbeton gesichert ist. Das Portal für den künftigen Rettungsstollen ist bereits zu ahnen, rechts davon soll die rund 1,35 Kilometer lange Hauptröhre entstehen.

Neue Projektleiterin ist mit Fortschritt zufrieden

Die neue Projektleiterin Kathrin Hellwig, die die Aufgabe vom beförderten Michael Schwab übernommen hat, ist zufrieden mit den Fortschritten. „Wir freuen uns, wenn es jetzt in den Berg reingeht und wir größere Ergebnisse sehen“, sagt sie. Damit es immer einen Fluchtweg gibt, eilt der Vortrieb des Rettungsstollens gegenüber der Hauptröhre stets rund hundert Meter voraus.

Laut Referatsleiter Gentner gibt es aber noch einen weiteren Grund für dieses Vorgehen: „Der Rettungsstollen dient auch zur Erkundung, damit wir wissen, was kommt.“ Man erforsche beim Tunnelbau das Gelände zwar viel intensiver als früher. „Aber man kann trotzdem Überraschungen erleben.“

Ende 2023 könnten Autos durch Tunnel fahren

Schon jetzt ist bekannt, dass man auf ganz unterschiedliches Material stoßen wird und stellt sich auf verschiedene Vortriebsarten ein: Sprengen, Meißeln und Baggervortrieb. Falls es keine allzu negativen Überraschungen gibt, soll der eigentliche Tunnel inklusive der Baugrube Süd Mitte 2021 fertig sein. Dann folgen Innenausbau und technische Ausrüstung. Ende 2023 könnten dann die Autos durchfahren. Der Weg von der A8 bis zur B294 im Enztal wäre dann frei.

Vor dem Rettungsstollen finden Armierungsarbeiten an der Luftbogenstrecke statt.
Vor dem Rettungsstollen finden Armierungsarbeiten an der Luftbogenstrecke statt. | Foto: J. Müller

Die Fortführung der Westtangente von dort weiter ins Nagoldtal ist dagegen bekanntlich Zukunftsmusik. Dieser zweite Bauabschnitt ist Gegenstand eines gesonderten Planrechtsverfahrens, das aktuell nicht weiterverfolgt wird.

OB gibt Fortführung der Westtangente nicht auf

Aufgegeben hat die lokale Politik das Projekt aber nicht. Auf Anfrage des Pforzheimer Kurier räumt Oberbürgermeister Peter Boch zwar ein: „Um den zweiten Bauabschnitt zu verwirklichen, werden wir noch dicke Bretter zu bohren haben.“ Man habe leider keinen Einfluss darauf, wann mit dem Projekt begonnen werde.

Das Land verweise mit Blick auf die Prioritätenliste darauf, aktuell keine Planung zur Vorbereitung einer Planfeststellung beginnen zu können. Boch betont: „Dennoch werden wir in unseren Bemühungen mit Sicherheit nicht nachlassen: Die Stadt Pforzheim setzt sich gemeinsam mit unseren Abgeordneten in Berlin und Stuttgart für einen möglichst baldigen Projektstart ein. Das Thema wird bei jeder sich bietenden Gelegenheit angesprochen, der Druck aufrecht erhalten.“

Boch lobt den parteiübergreifenden Einsatz für das Projekt in der Vergangenheit. „Für die gesamte Region bedeutet die Westtangente eine gewaltige Entlastung, die ihre volle Wirkung allerdings erst mit dem Weiterbau bis ins Nagoldtal entfalten wird.“

Derweil stehen auf dem fertigen Abschnitt der Westtangente zwischen A8 und Dietlinger Straße ab Montag noch Markierungsarbeiten an. Weil der Abschnitt früher fertig war als geplant, wurde im Frühjahr witterungsbedingt nur ein Provisorium aufgebracht. Nun soll die endgültige Markierung aufgebracht werden.

Die empfindlichen Arbeiten sind zwischen Montag und Freitag vorgesehen, wie das Regierungspräsidium mitteilt. Demnach müssen die Fahrbahnen der B463 (Westtangente) und L562 zeitweise eingeengt werden. Es ist mit geringen Verkehrsbehinderungen zu rechnen.