Klare Worte: Schulleiterin Edith Drescher (rechts) im Gespräch mit Ben Salomo im Anschluss an seinen Vortrag im Hilda-Gymnasium. „Toleriert nichts, kein Hass gegen Niemanden“ gab er den Jugendlichen mit auf den Weg, bevor er für zahlreiche Selfies bereitstand.
Klare Worte: Schulleiterin Edith Drescher (rechts) im Gespräch mit Ben Salomo im Anschluss an seinen Vortrag im Hilda-Gymnasium. „Toleriert nichts, kein Hass gegen Niemanden“ gab er den Jugendlichen mit auf den Weg, bevor er für zahlreiche Selfies bereitstand. | Foto: Ehmann

Rapper zu Gast am Gymnasium

Ben Salomo in Pforzheim: „Antisemitismus ist das Weltkulturerbe Europas“

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Er war ein Star auf YouTube. Doch als die antisemitischen Anfeindungen zunahmen, beendete der israelische Rapper Ben Salomo sein Format „Rap am Mittwoch“. Jetzt spricht er über moderne Formen des Rassismus, auch mit Schülerinnen und Schüler des Pforzheimer Hilda-Gymnasiums.

Es ist voll am Dienstag in der Sporthalle des Hilda-Gymnasiums. Rund 400 Schülerinnen und Schüler wollen einen Star sehen: Ben Salomo, 42-jähriger Rapper, Gründer des YouTube-Formats „Rap am Mittwoch“.

Doch er kommt nicht zum Rappen, sondern zum Gespräch über Erscheinungsformen des modernen Antisemitismus. „#clapforcrap“ nennt sich die Kampagne, mit der der Rapper in Kooperation mit der Friedrich-Naumann-Stiftung aktuell durch Süddeutschland tourt.

Antisemitismus beginnt immer mit Gerüchten über Juden

„Was ich euch heute erzähle, wird einige von euch berühren, einige schockieren oder verletzen. Aber ich werde offen sprechen“, sagte Salomo gleich zu Beginn. Interaktiv nimmt der Rapper die Schülerinnen und Schüler mit, fragt sie, welche Gerüchte über Juden sie kennen, um zu schlussfolgern: „Antisemitismus beginnt immer mit Gerüchten über Juden.“

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Aufgewachsen in West-Berlin

Es folgen Erzählungen über Geschichten aus seinem und dem Leben seiner Familie. Salomo heißt mit bürgerlichem Namen Jonathan Kalmanovich. 1977 in Israel, geboren, zog er 1981 nach West-Berlin. Sein Vater stammt aus Rumänien, seine Mutter aus der Ukraine. Sein 2010 gegründetes Format „Rap am Mittwoch“ beendete er 2018. Auch, weil der immer stärker werdende Antisemitismus in der Deutschrap-Szene nicht mit den „Hip-Hop-Werten Toleranz und Respekt“ vereinbar sei.

Salomo erzählt von seinen Erfahrungen

Salomo erzählt den Jugendlichen der Klassenstufen neun bis zwölf eindringlich von seiner eigenen Vergangenheit. Angefangen als Fünfjähriger, als er wissen wollte, wieso sein Jüdischer Kindergarten von Polizisten bewacht wird, über Geschichten aus seiner Jugend, als Freunde sich abwendeten, als sie erfahren hatten, dass er Jude ist.

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Sein bester Freund als Elfjähriger etwa, wollte ihn mit Freunden schlagen, nachdem er von Salomos Glauben erfahren hat. Als ein Jugendlicher lacht, entgegnet Salomon: „Das ist nicht lustig. Gehe in dich und frage dich, wieso du lachen kannst. Weil es an dir vorbeigeht.“

Aufmerksam lauschen die rund 400 Schülerinnen und Schüler den Erzählungen des Rappers. Salomon erzählt offen von Anfeindungen gegen ihn und seine Familie aufgrund seiner jüdischen Religion.
Aufmerksam lauschen die rund 400 Schülerinnen und Schüler den Erzählungen des Rappers. Salomon erzählt offen von Anfeindungen gegen ihn und seine Familie aufgrund seiner jüdischen Religion. | Foto: Ehmann

Auch aktuelle Themen werden behandelt

Anderthalb Stunden spricht der Rapper zu den Jugendlichen. Neben persönlichen Beispielen, wie er Antisemitismus erlebt hat, nennt er auch viele Fälle aus der Zeit der NS-Diktatur, geht aber auch auf aktuelle Vorkommnisse im israelisch-palästinensischen Konflikt ein. „Antisemitismus ist das Weltkulturerbe Europas. Aber ihr könnt das abschütteln. Werdet hellhörig, ihr seid die Zukunft unseres Landes“, ruft er den Jugendlichen zu.

Abrechnung mit der Rap-Szene

Auch auf die Rap-Szene geht Salomo ein. „Die Rapper, die ihr hört, sind Hohlbratzen.“ Er nennt beispielhaft Rapper wie Kollegah oder Favorite und erklärt, wie diese in ihren Texten antisemitische Äußerungen proklamieren. Den Song „Apokalypse“ von Kollegah nimmt Salomo gezielt auseinander.

Generell fragt der Rapper zum Thema Gangsta-Rap in die Runde: „Da werden Drogen und Gewalt verherrlicht. Wollt ihr, dass eure Kinder so etwas hören?“. Selbst bezeichnet er sich mittlerweile als Außenseiter in der Szene. „Da heißt es ,Der Salomo kokst nicht, mit dem kann man keinen Spaß haben'“. Bevor es eine musikalische Kostprobe seiner aktuellen Single „Sie sagen mir“ gibt, wendet sich Salomo noch einmal an alle: „Toleriert nichts, keinen Hass gegen Niemanden“, so sein Abschlussstatement.

Auch Kritik bei Frage-Antwort-Runde

Bevor Salomo die zahlreichen Selfie-Wünsche erfüllt, gibt es noch eine Frage-Antwort-Runde. Für Gesprächsrunden in Schulen durchaus ungewöhnlich, gab es dabei auch Kritik einer Schülerin. „Ich verstehe, was Sie durchmachen mussten. Aber die Kritik war nicht nett“, sagte eine Schülerin und bezog sich auf Äußerungen über Saudi-Arabien oder Syrien, deren Menschenrechtspolitik Salomo anprangert.

Dieser hielt der Schülerin Fakten entgegen, um sie zu überzeugen, dass beide „die gleichen Sachen verbinden“. Abschließend geklärt werden konnte das Thema nicht.

Positives Feedback

„Eine sehr gute Veranstaltung. Er hat vieles gesagt, was so nicht oft öffentlich gesagt wird“, befand Andrew Hilkowitz von der Jüdischen Gemeinde Pforzheim, der ebenso wie einige Vertreter des Bündnis Pforzheim Nazifrei den Auftritt besuchten.

Rapper Ben Salomo gemeinsam mit Andrew Hilkowitz von der Jüdischen Gemeinde Pforzheim.
Rapper Ben Salomo gemeinsam mit Andrew Hilkowitz von der Jüdischen Gemeinde Pforzheim. | Foto: Ehmann