Durch ihre Präsenz wollen die Biker der Ortsgruppe Neckar-Enz-Chapter vom Verein B.A.C.A. Kindern Selbstbewusstsein geben. Gestern warteten sie vor dem Polizeirevier in Pforzheim auf ein Kind, das eine Aussage bei der Polizei machte.,. | Foto: Kraus

Lederjacken vor Polizeirevier

Biker beschützen Kinder

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13 Frauen und Männer in Motorradjacken stehen mit ihren schweren Maschinen vor dem Polizeirevier Nord in der Bahnhofstraße. Der ungewöhnliche kleine Auflauf gestern ist mit der Polizei abgesprochen, wie diese auf Nachfrage bestätigt. Das Klischee von „Rockern“, das in diversen Netzwerken die Runde gemacht hat, trifft auf diese Gruppe nicht zu: Die Biker sind Mitglieder einer deutschen Ortsgruppe von B.A.C.A (Bikers Against Child Abuse), einem in den USA gegründeten Verein.

„Wir geben Kindern Kraft“

Sie betreuen Kinder, die Opfer von sexuellem Missbrauch waren oder sind. „Wir geben Kindern Kraft“, sagt der Präsident. Vor dem Polizeirevier warten die Biker auf ein Mädchen, das in Begleitung eines Elternteils gerade eine Aussage macht. „Wir wollen es für seinen Mut feiern“, sagt der Präsident des Neckar-Enz-Chapter von B.A.C.A. Er nennt sich Tomcat, sein Vize hat den Namen „Viking“ auf seiner Lederjacke stehen. Ihre wirklichen Namen tun nichts zur Sache, finden sie. Sie haben einen Prospekt dabei, in dem alles über sie und ihre ehrenamtliche Arbeit steht. „Die pure Anwesenheit von uns sorgt dafür, dass die Kinder sich sicher fühlen.“
Die Biker setzen dabei auf einen festen Ablauf von Ritualen. Der Erstkontakt geschieht meist über das Notfalltelefon. Es folgt ein Treffen von Kind und Erziehungsberechtigten mit einzelnen Bikern oder einer größeren Gruppe. Das Kind wird in die „B.A.C.A.-Familie“ aufgenommen.

Die Biker kommen mit ihren Motorrädern

Die Biker kommen mit ihren Motorrädern und stellen sich vor. „Das Kind kann gemeinsam mit uns seinen Sorgenzettel verbrennen und darf sich eine Jacke mit unserem Emblem aussuchen.“ Außerdem bekommt das Kind einen Plüschbären, der vorher die Runde gemacht hat und „mit Liebe gefüllt ist“. Dann wird geklatscht. Die Beifallsbekundung gehört zur Zeremonie.
Die Biker begleiten die jungen Missbrauchsopfer, wie gestern, zu Aussagen bei der Polizei oder Gerichtsterminen. Auch wenn sie dafür sehr weit fahren müssen. Zu den Tätern gebe es bewusst keinen Kontakt. „Es geht nur ums Kind.“

Traumapsychologe mit im Boot

Man habe einen Traumapsychologen zur Seite und arbeite mit lokalen Kinderschutzorganisationen und Behörden zusammen, erklären die Biker.
In Pforzheim sind sie bislang noch nicht vernetzt. Das Neckar-Enz-Chapter mit knapp 40 Mitgliedern gebe es seit drei Jahren. In der Zeit hätten sie sieben Kinder betreut. Tomcat, Viking und die anderen glauben, dass es mehr werden, sind sie erst einmal besser bekannt. Die Biker sind vom Nutzen ihrer Arbeit überzeugt. „Es funktioniert.“ Die Biker nehmen nicht jeden auf. Wer zu ihnen gehören will, muss ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis vorweisen und ein Jahr Schulungen absolvieren.