In Pforzheim-Maihälden war am Dienstagabend ein Brandstifter unterwegs. | Foto: IGM

Brandbeschleuniger benutzt

Brandstiftung: Unbekannte zünden in Pforzheim fünf Autos an

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In Pforzheim-Maihälden haben am Dienstagabend fünf Autos gebrannt. Die Polizei geht sicher von Brandstiftung aus. Unter den Wagen waren auch teure Modelle: Zwei Porsche wurden ebenfalls Opfer der Flammen. Der Sachschaden beträgt rund 250.000 Euro.

Beißender Geruch nach verbranntem Gummi hängt in der Luft. Der Wind wirbelt Aschepartikel um das Gelände eines Abschleppdienstes auf der Wilferdinger Höhe, wo fünf Autowracks stehen: Zwei Porsche, ein Mercedes, ein Peugeot und ein Nissan sind am späten Dienstagabend Opfer von Brandanschlägen geworden. Seit Stunden untersuchen an diesem Mittwoch zwei Techniker des Kriminalkommissariats Pforzheim die teils bis auf die Karosserie heruntergebrannten Wagen nach Spuren.

Ermittlungsgruppe eingerichtet

Am Tag nach der Serie von Brandanschlägen im Stadtteil Maihälden hat die Kriminalpolizei eine 15-köpfige Ermittlungsgruppe eingerichtet. Laut Zeugenaussagen waren zwei Personen von einem der Brandorte weggerannt. Diese konnte die Polizei bislang nicht ermitteln; eine sofortige Fahndung habe nichts ergeben, sagt eine Polizeisprecherin, die am Mittwoch die Arbeit vor Ort mit den Kriminaltechnikern koordiniert. Die abgebrannten Autos sind hochwertig. Im Gespräch fällt das Wort „Sozialneid“ – ein Fragezeichen angehängt. Es sei noch zu früh, um etwas zu sagen, wiegelt die Polizistin ab.

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Die Techniker waren am Morgen an den Tatorten, nun saugen sie mit einem Gerät Partikel aus der Luft der abgebrannten Wracks. Wo es anschlägt, nehmen sie Proben mit zur weiteren Untersuchung, die Aufschluss geben soll, welcher Brandbeschleuniger verwendet wurde.

Fünf Autos zündeten der oder die Täter an, darunter auch diesen Porsche. | Foto: IGM

Löscheinsätze an mehreren Stellen gleichzeitig

Der erste Brand wurde am Dienstag, 23.10 Uhr, in der Bonhoefferstraße gemeldet. Kurz danach loderten Flammen aus Autos, die in der Jochen-Klepper- und in der Siegfriedstraße geparkt waren. Dies stellte die Feuerwehr vor das Problem, an unterschiedlichen Stellen gleichzeitig zu löschen. Polizei und Wehren rückten mit einem Großaufgebot aus, allein die Feuerwehr schickte rund 40 Personen in zehn Fahrzeugen und war bis gegen 1.45 Uhr beschäftigt. Weil alle Autos im Freien standen, drohte das Feuer auf umliegende Hecken und Gebäudeteile überzugreifen. Das habe weitgehend verhindert werden können, ergänzt ein Polizeisprecher. In Mitleidenschaft gezogen wurden drei weitere Autos. Den Schaden beziffern die Ermittler auf mehr als 250.000 Euro.

Der Gesamtschaden wird auf mehr als 250.000 Euro geschätzt. | Foto: Fix

In Flammen stehende Autos, ausgebrannte Fahrzeugwracks, die tagelang am Straßenrand stehen, sind Bilder, wie man sie seit Jahren aus Großstädten wie Berlin, Hamburg oder Paris kennt. Nun gibt es eine solche Serie in Pforzheim: im relativ jungen Stadtteil Maihälden, der nicht als erste Adresse für Goldstädter Geldadel bekannt ist.

Gerüchteküche im Internet

„Als Behörde können wir uns nicht auf Mutmaßungen einlassen“, antwortet ein Polizeisprecher auf die Frage nach einem möglichen politischen oder sozialen Hintergrund. Das wird ausgiebig an anderer Stelle getan: Einige Nutzer von Facebook vermuten Klima-Aktivisten als Täter. „Höchstwahrscheinlich ideologische Interessen“, schimpft einer. „Greta war es“, spöttelt ein anderer. Dass die Brandopfer „fast nur Luxusautos“ sind und damit Neid auf sich zögen, wird ebenfalls diskutiert. Über Mutmaßungen hinaus wagt sich AfD-Stadtrat Fabian Völker. Im Gegensatz zur Polizei scheint er die Täter bereits ausgemacht zu haben: „Die grüne/Öko-Abteilung der Antifa“, twitterte er.

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Erst im vergangenen Mai fackelte ein nächtlicher Feuerteufel in Maihälden drei Autos ab, darunter ein Porsche und ein BMW. Eine mit der jetzigen vergleichbare Brandserie gab es vor ziemlich genau einem Jahr in Remchingen. Dort zündete ein Mann in einer Nacht fünf Fahrzeuge an. Der psychisch kranke und geständige Brandstifter verursachte einen Schaden von rund 600.000 Euro.
Zeugenhinweise

Die Polizei sucht Zeugen, insbesondere einen Spaziergänger, der gegen 23 Uhr in der Bonhoefferstraße seinen dunklen Hund ausführte und die Täter gesehen haben könnte. Auch weitere mögliche Zeugen werden gebeten, sich mit dem Kriminaldauerdienst unter (0721) 6 66 55 55 in Verbindung zu setzen.